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Jesse (11) mit Wolfsmaske im Malersaal. 

Maskenausstellung

Frankfurt:  Maskenbildner bei der Arbeit erleben

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Wenn die Maskenbildner ihr Handwerk präsentieren, gibt es Lustiges und Skurriles zu sehen.

Was viele über Maskenbildner wissen: Eine einzige Perücke zu knüpfen, dauert sehr, sehr, sehr lange. Was nur wenige wissen: Viele Maskenbildner hören Hörbücher, während die Finger beschäftigt sind und der Kopf Ablenkung braucht. „40 bis 60 Stunden in etwa“, sagt Anne Ginsberg. Sie arbeitet seit mehr als zehn Jahren als Maskenbildnerin am Schauspiel Frankfurt, hat schon ihre Ausbildung dort gemacht. Bei der „Maskenausstellung“ am Theaterfest am Sonntag in der Probebühne 2 kann man ihr bei der Arbeit über die Schulter gucken.

Beim Tag der offenen Türe knüpft Ginsberg keine Perücke. Sie und ihre Kollegin Tanja Diaz Bernal sind mit der Frisur der venezianischen Schönheit Desdemona in William Shakespeares Stück beschäftigt. „Sie steht schon morgen für Othello auf der Bühne“, sagt Ginsberg.

Die 120 Zentimeter langen, hellroten Haare werden in lange Haarsträhnen geteilt. „Jede wird einzeln geflochten, um lange Papilloten gewickelt, dann gedämpft“, erklärt Diaz Bernal. Wenn die Locken fertig sind, bekommt Desdemona eine historisch passende Hochsteckfrisur. Dass modische Damenfrisuren zu jeder Zeit anders aussahen, sei im Lehrplan für Maskenbildner im Fach „Kunst- und Kulturgeschichte“ verankert – in der Ausstellung an fast weißen, aufgetürmten Rokoko-Frisuren zu sehen.

„Wir greifen aber auch oft auf den Fundus zurück“, erzählen die Handwerkerinnen vom Arbeitsalltag. „Bei großen Chorstücken oder wenn es viele Statisten gibt, haben wir 120 Personen. Da hat man nicht die Zeit, jedem eine eigene Frisur knüpfen“, sagt Ginsberg, während ein kleines Mädchen mit einer Wurst-im-Brötchen-Maske durch die Ausstellung flitzt.

Sie ist nicht alleine: Täuschend echte Affengesichter und ein echsenartiger Kopf wie aus dem Hollywood-Blockbuster Avatar – Aufbruch nach Pandora gibt es zu entdecken. Schönes und Skurriles, Lustiges und Gruseliges ist in der Ausstellung zu sehen. Vieles können die Besucher anprobiert. Zahlreiche Kinder lassen sich schminken. Und wer ein Souvenir sucht: 20 Hühnerköpfe aus Schaumgummi stehen zum Verkauf.

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