FSJ

Lokal engagieren statt reisen

  • Helen Schindler
    vonHelen Schindler
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Die Malteser bieten ein Freiwilliges Soziales Jahr als Alternative zum Auslandsjahr. Zwar falle der Aspekt, fremde Länder zu sehen, weg. Man habe aber trotzdem Begegnung mit anderen Welten.

Ich habe total geschwitzt“, erinnert sich Helin Pektas. „Noch wenige Wochen zuvor hatten mir Lehrer gesagt, was ich zu tun habe. Nun habe auf einmal ich einen Kurs geleitet.“ Die heute 19-Jährige hat vor einem Jahr ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) bei den Maltesern in Frankfurt in der Erste-Hilfe-Ausbildung begonnen und erinnert sich an den ersten Kurs zurück, den sie selbstständig geleitet hat. Wer bei den Maltesern ein FSJ in der Ersten Hilfe absolviert, wird als Erste-Hilfe-Ausbilder qualifiziert und gibt sowohl intern als auch in Unternehmen Erste-Hilfe-Schulungen. „Aber bereits nach fünf, sechs Kursen habe ich mich sicher gefühlt. Da konnten mich selbst Fragen von teilnehmenden Ärzten nicht mehr aus dem Konzept bringen“, sagt Pektas rückblickend. „Insbesondere in dem Bereich entwickeln sich die FSJler extrem weiter“, sagt Tanja Lennert, stellvertretende Geschäftsführerin der Malteser Frankfurt.

Pektas Einstieg bei den Maltesern war nicht von langer Hand geplant. Weil sie durch das Abitur fiel, entschied sie sich für ein FSJ, um ihr Fachabi anerkennen zu lassen. Eigentlich sei ihr Traum gewesen, ein duales Studium beim Bundeskriminalamt zu machen. „Aber die Erfahrungen während meines FSJs haben mich so geprägt, dass ich im sozialen Bereich bleiben will“, sagt Pektas. Nächsten Monat beginnt sie ihre Ausbildung als Rettungssanitäterin bei den Maltesern.

Die Malteser Frankfurt bieten neben der Erste-Hilfe-Ausbildung auch FSJ im Sanitätsdienst, im Rettungsdienst, im Hausnotruf und im Sozialen Ehrenamt an. Jährlich werden zwölf Plätze vergeben, die meisten beginnen im Spätsommer. Aktuell sind noch drei Stellen unbesetzt. „Die meisten machen ihr FSJ nach der Schule, dabei kann es durchaus auch in anderen Lebensbereichen sinnvoll sein, sich sozial zu engagieren“, findet Lennart. Möglich ist es in jedem Fall: Wer über 27 Jahre alt ist, kann den sogenannten Bundesfreiwilligendienst (BFD) über 27 Jahre absolvieren. Allen Engagierten, egal ob FSJ oder BFD, wird ein monatliches Taschengeld von 450 Euro gezahlt.

Wegen der Corona-Pandemie mussten die Malteser in diesem Jahr improvisieren. Im März, als die Infektionszahlen in Deutschland stiegen, fielen Erste-Hilfe-Kurse und der Sanitätsdienst, der bei Großveranstaltungen wie Konzerten zum Einsatz kommt, weg. „Damals haben wir uns überlegt, wie wir helfen können“, erzählt Helin Pektas. „So ist unser Einkaufsengel-Service entstanden.“ Zunächst seien die rund 800 Hausnotruf-Kunden der Malteser in Frankfurt abtelefoniert worden. Ihnen wurde angeboten, den Einkauf für sie zu übernehmen. „Im Laufe der Zeit sind teilweise enge Bindungen zu den älteren Menschen entstanden“, sagt Tanja Lennart. „Manche haben mehrmals am Tag angerufen, um zu quatschen. Sie waren einfach froh, dass sich jemand um sie kümmert“, ergänzt Helin Pektas. Der Einkaufsservice wird weiterhin angeboten, ist inzwischen aber zum Großteil in ehrenamtlicher Hand. Die FSJler der Erste-Hilfe-Ausbildung können ihrer eigentlichen Tätigkeit seit August wieder nachgehen, Kurse werden wieder angeboten.

Das typische „Gap Year“, (engl. Auslandsjahr) das viele junge Menschen nach der Schule im Ausland verbringen wollen, ist durch die Corona-Krise aktuell schwierig umzusetzen.

„Da kann ein FSJ hierzulande eine gute Alternative sein“, findet Lennart. Zwar falle der Aspekt, fremde Länder zu sehen, weg. Man habe aber trotzdem Begegnung mit anderen Welten. „Immer mehr junge Menschen wollen sich sinnvoll einbringen und engagieren. Das spielt bei der Berufswahl der jüngeren Generation eine wichtige Rolle“, sagt die stellvertretende Geschäftsführerin. Sie hofft, dass das FSJ im Zuge dessen attraktiver wird. „Und wenn jemand sein Englisch verbessern will: Wir bieten auch Erste-Hilfe-Kurse auf Englisch für internationale Firmen an“, sagt Lennart lachend.

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