Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Rushhour am Schlittenhügel: Um die Mittagszeit gleicht der Lohrberg am Sonntag einem alpinenen Skigebiet.
+
Rushhour am Schlittenhügel: Um die Mittagszeit gleicht der Lohrberg am Sonntag einem alpinenen Skigebiet.

Schneetourismus

Winterspaß auf überfülltem Lohrberg: Polizei und Feuerwehr im Einsatz

  • George Grodensky
    vonGeorge Grodensky
    schließen

Halb Frankfurt zieht es am Sonntag zur Schlittenpartie auf den Lohrberg. Auf der Zufahrtsstraße bricht im Laufe des Vormittags Chaos aus.

  • Der Schnee treibt am Sonntag (17.01.2021) viele Menschen in Frankfurt nach draußen.
  • Nach den Sperrungen im Taunus ist der Lohrberg ein beliebtes Ausflugsziel.
  • Polizei und Feuerwehr sind am Lohrberg in Frankfurt im Einsatz, um in dem Chaos Ordnung zu bewahren.

Frankfurt – Um 8.30 Uhr ist die Anfahrt auf den Lohrberg-Parkplatz noch ganz entspannt. Lediglich ein Räumfahrzeug der FES ist auf dem Berger Weg, der Zufahrt, zu sehen. Björn und Familie, aus dem Frankfurter Ostend, können ganz in Ruhe den Wagen parken.

Der Lohrpark gleicht am Sonntagmorgen einer verträumten Winterlandschaft. Das letzte Mal so viel Schnee habe er vor vier, fünf Wochen gesehen, erzählt Björn. Da war die Familie im Taunus, „bevor der Wahnsinn losging“. Also der Ansturm, die gesperrten Straßen, die Staus. „Wir hatten nicht einmal einen Schlitten dabei.“ Es war dann aber ein schöner Spaziergang. „Wir haben einen Schneemann gebaut.“

Name: LohrbergHöhe: etwa 185 Meter
Art: WeinbergBedeutung: Hausberg von Frankfurt

Schnee auf dem Lohrberg in Frankfurt: „Der frühe Vogel fängt den Wurm“

Der Ausflug zum Lohrberg ist besser geplant. Vater, Mutter, zwei Töchter, neun und fünf Jahre alt, steigen aus, packen Tee- und Kaffeekanne ein, befestigen noch ein Halteseil an den beiden Schlitten, dann geht’s los. Die Eltern ziehen, die Töchter freuen sich auf die Abfahrt.

„Wir haben es gestern Abend in der Hessenschau gesehen: Es geht los“, erzählt die Mutter. Deswegen hat die Familie extra den Wecker gestellt. Das Frühstück verschiebt sie auf die Zeit nach den Ausflug. Timing ist alles. Wenn alle anderen Frankfurter ankämen, sei nicht mehr genügend Platz am Hang, befürchten sie.

Der frühe Vogel fängt den Wurm, das sagen auch die Beckers aus Sachsenhausen. „Endlich Schnee vor der eigenen Haustür.“ Ohne sich dafür ins Verkehrschaos stürzen zu müssen, ohne ewig lange zur Wasserkuppe oder in den Taunus fahren zu müssen. „Wir sind schon oft draußen“, sagt Vater Becker, während die beiden Söhne (fünf und zwei Jahre) sich um den besten Platz auf dem Schlitten balgen (vorne). Wenn es gerade nicht schneit, machen die Beckers Radtouren, spazieren durch den Heinrich-Kraft-Park in Fechenheim, wandern an der Saalburg umher. „Winterurlaub fällt ja leider aus“, sagt Vater Becker.

Ausflug im Schnee: Schlittenfahren auf dem Frankfurter Lohrberg

Um 8.45 Uhr ist der Parkplatz dann tatsächlich voll. Schneetreiben setzt ein. Die Beckers und auch Björn und seine Familie sind auf der Piste. Joggerinnen und Jogger ziehen ihre Kreise, einer sogar in kurzen Hosen. Von dem bisschen Schnee lässt man sich die Fitnessroutinen nicht vermiesen. Aufpassen sollten sie aber. An vielen Stellen liegt eine Eisschicht unter dem Neuschnee. Volle Mülleimer verraten, dass der Blick Richtung Riederwald, Fechenheim, Offenbach auch am Abend zuvor, noch ohne Schnee, gut besucht gewesen ist.

Der Schlitten fährt gut. Da sind sich die Besucherinnen und Besucher einig. Mit Verve stürzen sie sich die Abfahrt hinunter. Wie eine Welle fließt die Bahn dahin, Abfahrt, kurzer gerader Weg, langer Auslauf. „Ideal für den Kleinen“, findet eine Mutter. Im Taunus habe der Sohn am steilen Berg Angst bekommen. Ein Stück weiter in Richtung Weinberg ist die Herausforderung größer. Dort geht es steiler bergab, durch eine Kuhle, zwischen zwei Bänken hindurch.

Winterspaß auf dem Frankfurter Lohrberg: Zuweilen ein rauer Geselle

Ein Junge legt sich einen Schneeballvorrat an, um den Vater zu begrüßen, der gerade auf einem Poporutscher aus Plastik den Hang hinuntergeschossen ist. Mit schmerzverzerrtem Gesicht humpelt der Sportler wieder in Sichtweite. Er hat sich das Steißbein angehauen. Und bekommt vom Junior noch einen Schneeball ins Gesicht.

Die An- und Abfahrt ist bisweilen nervenaufreibend.

Der Winterspaß ist zuweilen ein rauer Geselle, auch auf dem Lohrberg. Fröhliche Jauchzer erklingen im Chor mit Weinen und anderen Schreckenslauten, wenn ein Kind vom Schlitten kippt. Ein anderes Vater-Sohn-Team versucht, die Sprungschanze zu nehmen, eine besonders ausladende Bodenwelle, landet dann aber am Baum. Hernach ist die Stimmung verdorben.

Großer Andrang am Lohrberg in Frankurt: Feuerwehr hält die Rettungswege frei

Um 9.30 Uhr schneit es noch immer leicht. Jetzt wird es langsam voll. Eine Familie dreht der Parkplatzschlange die lange Nase und fährt einfach mit ihren Lastenrädern am Stau vorbei. Ein Junge purzelt ohne Schlitten begeistert den Berg hinab.

Ein junges Pärchen, 26 und 28, schlendert den Weg entlang. Die beiden sind ohne Kinder gerodelt. „Das macht Spaß“, sagt sie feixend. Das Paar lebt noch nicht so lange in der Stadt. „Im Harz sind die Berge höher“, erinnert er sich an seine Kindertage. Aber für kompliziertere Ausflüge gen Taunus, Odenwald, Rhön, fehle ihnen die Muße. Da ist der Lohrberg die beste Möglichkeit zur Abfahrt.

Allerdings denkt die halbe Stadt so. Ab 10.15 Uhr ist es auf dem Berger Weg mit der Entspannung vorbei. Alle paar Meter bilden sich Staus, neue Gäste kommen, suchen einen Parkplatz. Auf der Piste sieht es inzwischen aus wie im Skigebiet. Um 11 Uhr öffnet die Lohrberg-Schänke den Getränkestand mit Kaffee, Tee und alkoholfreiem Punsch. Auch der Wurstpavillon kommt gut an. Immer größer wird der Andrang am Hang, die Feuerwehr ist vor Ort und versucht, die Rettungswege frei zu halten.

Schneetourismus am Frankfurter Lohrberg: Polizei erinnert an die Abstandsregeln

Die Polizei sucht das Gespräch. Der Lautsprecherwagen erinnert die „lieben Wintersportfreunde daran“, dass sie die Abstandsregeln einhalten mögen. Am Berger Weg versucht die Verkehrswacht, Reisende vom Stau fernzuhalten. „Jetzt fährt man einmal nicht auf den Feldberg …“, murmelt ein Mann entnervt.

Die Beckers und auch Björn und seine Familie sind längst wieder zu Hause. Beim ausgiebigen Brunch hören sie Radio. Aber anders als der Feldberg in den vergangenen Wochen schafft es der Lohrberg nicht in die Verkehrsmeldungen. Zumindest bis 14.30 Uhr nicht. (George Grodensky)

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare