Lese-Liveveranstaltung

„Literatur im Römer“ nur mit Eintrittskarte

  • Claus-Jürgen Göpfert
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Deutschlands älteste Lese-Liveveranstaltung feiert trotz Corona seinen 45. Geburtstag – mit völlig anderer Organisation.

Am Anfang trat sogar ein dressiertes Pferd im Rathaus auf. Artisten und Jongleure zeigten ihre Kunststücke. Doch eigentlich ging es um Belletristik. 1975 organisierte der damalige Frankfurter Kulturdezernent Hilmar Hoffmann (SPD) im Frankfurter Römer während der Buchmesse im Oktober zum ersten Mal ein Event, das sich „Literatur-Circus“ nannte. In den Römerhallen präsentierten Autorinnen und Autoren vor einem begeisterten Publikum ihre neuen Werke. Die Zirkusleute sollten eine zusätzliche Attraktion sein, um die Menschen anzulocken. Doch bald zeigte sich, dass das gar nicht nötig war. In diesem Jahr feiert „Literatur im Römer“, die älteste Live-Literatur-Veranstaltung Deutschlands, ihren 45. Geburtstag.

Am Mittwoch, 14. Oktober, und Donnerstag, 15. Oktober, treten insgesamt 16 literarische Gäste mit ihren Neuerscheinungen im Frankfurter Rathaus auf. Sonja Vandenrath, die städtische Literaturbeauftragte und Organisatorin, weiß von Menschen, die schon seit Jahrzehnten jedes Jahr kommen, um das zu sehen und zu hören. Bei freiem Eintritt rückten die ersten normalerweise Stunden vorher mit mitgebrachten Klappstühlchen vor dem Rathaus an. Was der Kulturdezernent Hoffmann erreichen wollte, ist offensichtlich geglückt: den Menschen die Schwellenangst vor Literatur zu nehmen.

Doch in diesem Jahr verändert die Corona-Pandemie alles. Zum ersten Mal ist der Zutritt nur mit einer Eintrittskarte möglich, die vorab gebucht werden muss. Und statt mehrerer Hundert Menschen, die dicht gedrängt im Gewölbe des Rathauses stehen, darf Vandenrath nur 47 Zuschauer/-innen einlassen, um die Corona-Abstandsregeln einzuhalten. Auch eine Mund-Nase-Bedeckung ist gefordert.

Das Programm, das jeweils um 20 Uhr beginnt, bringt als ungewöhnliches Debüt das Buch der Weltklasse-Tennisspielerin Andrea Petkovic unter dem Titel „Zwischen Ruhm und Ehre liegt die Nacht“, das die 33-Jährige am 15. Oktober vorstellt. Am gleichen Abend ist der renommierte Schweizer Erzähler Peter Stamm mit „Wenn es dunkel wird“ zu Gast, ebenso der Deutsch-Isländer Kristof Magnusson mit „Ein Mann der Kunst“ und der Schauspieler Christian Berkel mit seinem Roman „Ada“. Am 14. Oktober lesen unter anderen der Lyriker Yevgeniy Breyger („Gestohlene Luft“) und die Dichterin Ulrike Almut Sandig mit ihrem ersten Roman „Monster wie wir“, außerdem der Literaturveteran und frühere Hausbesetzer Michael Wildenhain mit „Die Erfindung der Null“.

Die Atmosphäre bei „Literatur im Römer“ sucht normalerweise ihresgleichen, weil das Publikum mitgeht und sich einmischt. Was davon unter Corona-Bedingungen bleibt, muss man abwarten. Wer es nicht mehr schafft, in die Römerhallen zu gelangen, kann die Abende live im Audiostream verfolgen.

www.openbooks-frankfurt.de

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