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Lothar Ruske hat die Veranstaltungsreihe organisiert.

Literatur

Frankfurt liest „Rosemarie“

  • Florian Leclerc
    vonFlorian Leclerc
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Der Klassiker von Erich Kuby aus dem Jahr 1958 - 2020 neu aufgelegt - steht im Zentrum des Lesefests „Frankfurt liest ein Buch“.

Wer kennt sie nicht, die Frankfurter Prostituierte Rosemarie Nitribitt, die Freier aus der illustren Gesellschaft empfing, im schwarzen Mercedes 190 SL mit den roten Ledersitzen durch Frankfurt rauschte und 1957 brutal erwürgt aufgefunden wurde? Nitribitt-Haus nennen die Frankfurterinnen und Frankfurter das Gebäude in der Stiftstraße 36, in dem sie ein Appartement bewohnte. „Engel mit dem SL“ war ihr Spitzname.

Ihre Lebensgeschichte hat Furore gemacht in der deutschen Nachkriegszeit, weit über die Stadtgrenzen hinaus. Das lag nicht nur an ihrem skandalumwitterten Leben, sondern auch am Film „Das Mädchen Rosemarie“ mit Nadja Tiller, Gert Fröbe und Mario Adorf, der 1958 in die deutschen Kinos kam. Erich Kuby hat das Drehbuch geschrieben.

Der linksliberale Journalist und Autor Erich Kuby (1910-2005) hatte für den „Ruf“, die „Süddeutsche Zeitung“ und den „Spiegel“ geschrieben. Er baute den Roman „Rosemarie. Des deutschen Wunders liebstes Kind“ (1958) auf dem Drehbuch auf. Dieser Roman steht nun im Mittelpunkt des Lesefestes „Frankfurt liest ein Buch“.

Frankfurt liest ein Buch

Die Veranstaltungsreihe „Frankfurt liest ein Buch“ ist in diesem Jahr von 24. Oktober bis 1. November. Im Mittelpunkt steht „Rosemarie“ von Erich Kuby. Die Erstausgabe erschien 1958. Der Frankfurter Verlag Schöffling und Co. hat das Buch 2020 mit einem Essay von Jürgen Kaube auf 320 Seiten neu aufgelegt. Es kostet 22 Euro. „Frankfurt liest ein Buch“ mit 67 Veranstaltungen findet in Frankfurt und an weiteren Orten hinaus statt. Zu den Veranstaltungen zählen Lesungen, Gespräche, Theater, Filme, Ausstellungen, Tanz, Musikprogramm. Das Programm liegt in Buchhandlungen und Bibliotheken aus. Gäste können sich ab sofort bei den jeweiligen Veranstaltern anmelden. Programm online unter: frankfurt-liest-ein-buch.de. fle

Es findet vom 24. Oktober bis 1. November statt – und damit im Anschluss an die Frankfurter Buchmesse (14. bis 18. Oktober) und das Lesefest Open Books (13. bis 18. Oktober). 51 Veranstaltungsorte sind bei „Frankfurt liest ein Buch“ mit dabei. Der ursprüngliche Termin im Frühjahr musste pandemiebedingt verschoben werden. Faktisch beginnt das Lesefest schon einige Tage früher. Am 19. Oktober spaziert Stadtführer Christian Setzepfandt mit Publikum „auf den Spuren der Edelhure“ durch die Stadt, wo er bestimmt auch vor dem Frankfurter Hof und dem Jazzkeller Halt machen wird.

Der Film „Das Mädchen Rosemarie“ von 1958 läuft am 25. Oktober in der Hugenottenhalle in Neu-Isenburg; die Neuverfilmung von 1996 mit Nina Hoss am gleichen Tag im Deutschen Filminstitut und Filmmuseum. Der Chansonier Jo van Nelsen singt am 26. Oktober Lieder aus den 50er Jahren im Kundenzentrum der Sparkasse 1822. Am selben Tag liest der Schauspieler Christoph Pütthoff, begleitet von einer Jazzpianistin, aus dem Roman. Ebenfalls an diesem Tag lädt Jacques Wein-Depot auf der Berger Straße zu einer Lesung im Stil der 50er Jahre ein.

Auch der Schauspieler Isaak Dentler (Museum für Kommunikation am 27. Oktober) und der Schriftsteller Andreas Maier (Ausstellungshalle 1a am 27. Oktober) nehmen am Programm teil. Ebenso wie der Frankfurter Polizeipräsident Gerhard Bereswill (28. Oktober im World Café), der über die heutige Situation von Prostituierten im Bahnhofsviertel spricht.

Auch die Inhaftierten der JVA Preungesheim III, einem Frauengefängnis, kommen in der Genuss einer szenischen Lesung mit der Schauspielerin Barbara Englert (29. Oktober). Dabei sind allerdings keine Zuschauer zugelassen. Außerdem blickt FR-Redakteur Claus-Jürgen Göpfert gemeinsam mit dem Literaturwissenschaftler Jürgen Pelzer hinter die politischen Kulissen der damaligen Zeit (29. Oktober im Club Voltaire). Den Abschluss macht eine Lesung mit Michael Quast und Ensemble am 1. November in der Volksbühne.

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