„Frankfurt liest ein Buch“

Festival findet trotz Corona statt

  • Claus-Jürgen Göpfert
    vonClaus-Jürgen Göpfert
    schließen

Sabine Baumann, Vorsitzende des Vereins „Frankfurt liest ein Buch“, musste das Festival coronabedingt etliche Male umplanen. Trotz steigender Fallzahlen soll es am Samstag losgehen.

Im Nachhinein weiß Sabine Baumann gar nicht so genau, wie oft sie und ihr Team die Pläne schon umgeworfen haben. „Ich glaube, wir haben vier Festivals geplant“, sagt die Vorsitzende des Vereins „Frankfurt liest ein Buch“. Am Montagabend steht fest: Trotz heftig steigender Fallzahlen der Corona-Pandemie kann das Lesefest vom 24. Oktober bis 1. November organisiert werden, mit dem Buch „Rosemarie“ von Erich Kuby im Mittelpunkt. Aber Literaturveranstaltungen in Zeiten von Corona: Das verlangt den Beteiligten viel ab.

Die langjährige Cheflektorin des Frankfurter Schöffling Verlags ist keine, die sich so leicht ins Bockshorn jagen lässt. Sie ist von Anfang an dabei gewesen, als Verleger Klaus Schöffling die Idee für das Lesefest entwickelte. Jedes Jahr soll ein literarisches Buch im Mittelpunkt stehen, das einen Bezug zu Frankfurt hat, aber ein wenig in Vergessenheit geraten ist. Mit „Kaiserhofstraße 12“ von Valentin Senger begann einst vor zehn Jahren der Reigen der Titel. Just in diesem Jahr des Jubiläums aber hat Corona alles durcheinandergewirbelt, das Fest musste von März auf Oktober verschoben werden.

Als im Sommer die Ansteckungszahlen sanken, war der Optimismus der Organisatoren groß. Man plante eine Auftaktveranstaltung am 24. Oktober mit vielen Gästen in der Deutschen Nationalbibliothek. Jetzt steigen die Fallzahlen wieder und entsprechend schrumpft der Auftaktabend, zu dem jetzt noch 85 Gäste kommen dürfen. Am Montagnachmittag macht der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) in einer Pressekonferenz klar: Veranstaltungen mit bis zu 100 Gästen sind weiter möglich.

Längst versteht Baumann die etwa 60 Veranstaltungen von „Frankfurt liest ein Buch“ als Signal. „Wir wollen Flagge zeigen für das Buch“, sagt sie. Demonstrieren, dass noch etwas geht im kulturellen Leben in einer Zeit, in der immer weniger geht. „Wir wollen die Veranstalter und die Verlage unterstützen, wir wollen aber auch die freien Künstler unterstützen, die an den Veranstaltungen teilnehmen.“ Denn gerade die treffe die Corona-Pandemie wirtschaftlich am stärksten.

Die Lektorin sieht sich selbst als „optimistischen Menschen“. Dennoch mache das Virus „erschreckend deutlich“, wie brüchig, wie anfällig das kulturelle Leben sei. Als sie vor drei Jahren von Klaus Schöffling den Vorsitz des Vereins übernahm, galten noch die alten Gewissheiten. Eine hieß: Die Frankfurter Buchmesse, das ist ein großes, internationales Fest, zu dem jedes Jahr 300 000 Menschen aus aller Welt auf dem Messegelände zusammenkommen. Jetzt blieb das Areal öd und leer. Das Ende der Gewissheiten.

Baumann aber glaubt dennoch, dass gerade „Rosemarie“, das Buch über die Edel-Prostituierte der 1950er Jahre, die Menschen faszinieren wird. „Die Nitribitt, das ist eine Legende, ein Mythos.“ Das Buch zeige die Doppelmoral dieser Zeit, aber auch die „Verflechtung von Wirtschaft und Politik“, die es auch heute gebe. Und zugleich erzähle es von einer „selbstbewussten Frau“. Ein Buch also, das sehr gut in die Gegenwart passe.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare