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Frankfurt liegt bei Aufnahme von Geflüchteten weiterhin über dem Soll

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Von: Steven Micksch

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Blick in ein Zimmer des Erstversorgungszentrums in der Frankfurter Messe. Das Zentrum gibt es nicht mehr.
Blick in ein Zimmer des Erstversorgungszentrums in der Frankfurter Messe. Das Zentrum gibt es nicht mehr. © Christoph Boeckheler

Die Stadt Frankfurt muss aktuell keine weiteren Geflüchteten aufnehmen. Menschen, die bereits da sind, sollen peu a peu in bessere Unterkünfte kommen.

Frankfurt stellt bei der Aufnahme von Geflüchteten derzeit immer noch eine Besonderheit dar. Durch den Krieg in der Ukraine hat die Mainmetropole vielen Geflüchteten Unterkunft geboten, noch bevor ein genauer Zuweisungsschlüssel erarbeitet war. Sozialdezernentin Elke Voitl (Grüne) ging es dabei darum, dass die Stadt „schnell und unbürokratisch auf eine akute Krise reagiert und bereits schwer belasteten Menschen weitere Strapazen erspart“. Deshalb wurde im März 2022 auch ein Erstversorgungszentrum in der Messe errichtet.

Viele Menschen blieben in der Stadt. Im April ging man von mehr als 6200 aus und übererfüllte damals schon die eigentliche Quote. Deshalb verzichtete das Land Hessen darauf, neue Zuweisungen nach Frankfurt vorzunehmen.

Wie die Sprecherin im Sozialdezernat, Miriam Bandar, auf Nachfrage erklärt, sei dies auch aktuell der Fall. Frankfurt sei bei Zuweisungen durch das Land außen vor. Dabei ist der Zuweisungsstopp nicht an ein Enddatum gebunden, sondern an eine gewisse Zahl Geflüchteter, die in Frankfurt momentan noch über dem Soll liege.

Gewisse Flexibilität

Die Lage in der Stadt ist nicht am absoluten Limit. Vielmehr habe man eine gewisse Flexibilität, um noch mehr geflüchtete Menschen kurzzeitig aufzunehmen. Da sich Frankfurt selbst verpflichtet hat, ein „sicherer Hafen“ zu sein, gebe es auch keine wirkliche Grenze, ab der man niemanden mehr aufnehmen würde. Allerdings, so die Sprecherin, werde die Qualität der Unterkünfte bei einer Vielzahl neu aufgenommener Menschen nicht besser. Kurzfristig könne man, wie in der Anfangszeit der Fluchtbewegung aus der Ukraine geschehen, Sporthallen nutzen, um den Menschen eine erste Unterkunft zu bieten. Aktuell sind die Hallen aber wieder in den Händen der Sportvereine.

Für einige Zeit bestand in Frankfurt auch die Möglichkeit der Erstregistrierung für die Geflüchteten aus der Ukraine. Damit wollte man den Familien den Umweg nach Gießen in die dortige Erstaufnahmeeinrichtung des Landes Hessen ersparen. Ende Juni 2022 entschied das Land jedoch, das Erstversorgungszentrum in Frankfurt zu schließen. Seitdem müssen sich die Ukrainer:innen wieder in Gießen registrieren lassen. In Frankfurt hielt man immerhin ein Transitzentrum nahe dem Hauptbahnhof vor, um Menschen, die in der Nacht ankommen, eine erste Bleibe zu bieten.

Trotz allem habe Frankfurt weiterhin so viele Geflüchtete wie noch nie zuvor untergebracht. Insgesamt mit allen Geflüchteten unabhängig von ihrer Herkunft und weiteren wohnungslosen Frankfurter:innen leben mindestens 9300 Menschen in rund 120 städtischen Not- und Übergangsunterkünften. Diese werden von Trägern und Trägerinnen der Wohlfahrtspflege betreut und verwaltet. Oberstes Ziel der Stadt sei es weiterhin, dass die Menschen aus Großunterkünften in kleinere Einrichtungen und wohnungsähnliche Unterbringungen kämen. Auch speziell für die Geflüchteten umgebaute Hotelapartments werden genutzt.

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