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Frankfurt: Liegestühle statt Autos

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Von: Alina Hanss

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So könnte es nach Meinung der Linken am nördlichen Mainufer immer aussehen.
So könnte es nach Meinung der Linken am nördlichen Mainufer immer aussehen. © ROLF OESER

Die Linke organisiert ein Fest am Mainkai und fordert die dauerhaften Sperrung für den motorisierten Verkehr.

In der Innenstadt staut sich die Hitze, die Motoren laufen warm. Zwischen den Autos im Stau schlängeln sich immer wieder Fußgängerinnen und Fußgänger auf ihrem Weg durch die Stadt hindurch. Es ist eng auf Frankfurts Straßen, bis man an das Mainufer kommt. Hier fahren heute keine Autos, denn die Straße rund um den Eisernen Steg ist abgesperrt – damit alle anderen Platz haben.

Wem gehört die Straße? Darauf hat die Fraktion der Linken im Römer eine klare Antwort. Unter dem Motto „Platz für Menschen statt Autos“ hat sie am Samstagnachmittag ein Straßenfest am Mainufer organisiert. Die Bühne, eine Hüpfburg und die darum verteilten Liegestühle stehen mitten auf der Straße am nördlichen Mainufer, die extra dafür gesperrt worden ist. Wer jetzt vom Römerberg kommt und Richtung Fluss möchte, muss an diesem Tag nicht mehr an der Ampel warten, bis sie grün ist.

Daniela Mehler-Würzbach ist verkehrspolitische Sprecherin der Linken-Fraktion im Römer. Die Öffnung des Mainufers für Fußgänger:innen und Radfahrer:innen ist ihr schon lange ein Anliegen. Sie ist fest davon überzeugt, dass an der Sperrung kein Weg vorbeiführt. „Die aktuelle Koalition enttäuscht mich in diesem Punkt. Wir sind nicht viel weiter als vor ein paar Jahren“, kritisiert die Verkehrspolitikerin. Tatsächlich sieht der Koalitionsvertrag bis 2026 eine vollständige Sperrung der nördlichen Mainuferstraße zwischen Alter Brücke und Untermainbrücke vor. „Für eine möglichst schnelle Umsetzung des Koalitionsvertrag werden wir weiter Druck machen.“

Mit der Sperrung müsse auch die Neugestaltung der Fläche kommen. „Im Sommer heizt sich der Teer viel zu sehr auf. Es braucht mehr Schattenflächen, Bäume und Sitzgelegenheiten“, regt Mehler-Würzbach an.

An diesem Samstagnachmittag geht es auch um mehr. In kleineren Podiumsdiskussionen sprechen die Aktivist:innen über ihre Forderung, Städte in Zukunft nicht mehr nach den Bedürfnissen von Autos zu planen. Die Frage nach gerechten Flächenverteilung zwischen Autofahrer:innen und Fußgänger:innen müsse dafür gestellt werden. „Es ist nicht so, dass wir Autos hassen“, sagt Mehler-Würzbach. Um Städte jedoch lebenswerter zu gestalten, sei es notwendig, den Individualverkehr zu reduzieren. „Aus diesem Grund fordern wir mehr Mobilität bei weniger Verkehr. Dazu müssen auch Bus und Bahn ausgebaut werden.“

Der Aktionstag der Linken am Eisernen Steg findet parallel zum ersten Frankfurter Sommerstraßentag statt. Nachbarschaftsinitiativen in Bockenheim, im Dornbusch, in Rödelheim, in Sachsenhausen und im Gutleut hatten dazu aufgerufen, die Straßen für kleinere Nachbarschaftsfeste zu nutzen. Die Sperrung der knapp 1000 Meter langen Strecke am nördlichen Mainufer ist schon seit längerem ein Politikum. Vom Sommer 2019 bis zum Sommer 2020 durften Autos und Motorräder die Straße nicht nutzen und mussten auf die umliegenden Straßen ausweichen. Die als Experiment gedachte verkehrsberuhigte Maßnahme für Fußgänger:innen und Radfahrer:innen lief damals ohne Ergebnis aus, seitdem wurde die Straße immer wieder nur temporär gesperrt. Die Stadt hatte zuletzt auf einen Beschluss der Koalition hin angekündigt, dass die Mainuferstraße in den hessischen Sommerferien für den Kraftfahrzeugverkehr erneut gesperrt wird. Die CDU in der Opposition kritisiert, dass dadurch der Verkehr auf der Südseite des Mains zunimmt.

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