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Im Inneren der Kirche bleibt bis zur geplanten Wiedereröffnung noch viel zu tun.

Leonhardskirche in Frankfurt

Gläubige dürfen zurück in uralte Leonhardskirche in Frankfurt

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Die Leonhardskirche soll nach langer Sanierung zu ihrem 800. Geburtstag im August wieder geöffnet werden. 

Seit dem vorigen Besuch im Sommer 2017 hat sich vieles verändert. Im Inneren der Leonhardskirche ist das verwirrende Geflecht von Gerüsten verschwunden. Zum ersten Mal seit langer Zeit öffnet sich wieder der freie Blick in Frankfurts älteste Innenstadtkirche. Seit bald 20 Jahren haben Spezialisten verschiedenster Firmen aus ganz Deutschland um die Sanierung des 800 Jahre alten, denkmalgeschützten Kulturbaus gerungen. Jetzt gibt es endlich einen Termin für die Wiedereröffnung des Gotteshauses: Im August wird Bischof Georg Bätzing anreisen, um die Kirche in einem feierlichen Gottesdienst zum 800. Geburtstag wieder der Gemeinde zu übergeben.

Auch dann ist freilich die unendliche Geschichte der Sanierung noch nicht abgeschlossen. Um das nördliche Kirchenschiff müssen sich die Fachleute weiter kümmern. Auf dem „sehr weichen Baugrund“, so Burkhard Markgraf vom städtischen Amt für Immobilien (ABI), ist es in der Vergangenheit in Bewegung geraten. Jetzt hat man an den Wänden kaum sichtbare Messpunkte installiert, die sofort Alarm schlagen, wenn es Veränderungen gibt. „Wir sind mit sehr renommierten Büros für Statik und Baugrund in Beratungen, welche Lösungsmöglichkeiten wir haben“, sagt Markgraf. Das Konzept müsse dann noch mit den städtischen Denkmalschützern abgestimmt werden.

Außen ist die Sanierung der Leonhardskirche bereits abgeschlossen.

Die Verkehrssicherheit der Kirche, das betonen alle Amtsvertreter, die im Gebäude versammelt sind, sei aber nicht beeinträchtigt. Um bis zu zwei Meter ist der Boden des Hauses in den vergangenen Jahren abgesenkt worden, Arbeiter verlegten eine neue Bodenplatte. Es gibt neue Heizungen, zum Teil sogar in den Fußböden.

Die Wandgemälde, die noch gotischen Ursprungs sind, restaurierten zehn Spezialisten von zwei Firmen behutsam – jetzt leuchten die Farben wieder. Da ist etwa eine Szene von Jesu Kreuztragung zu sehen. Dann das Tuch, das ihm der christlichen Überlieferung zufolge die heilige Veronika gereicht haben soll, um auf dem Weg nach Golgata Schweiß und Blut von seinem Gesicht abzuwischen.

Ein dreifarbiges Muster von stilisierten Sternen spannt sich über die Deckengewölbe. Jeder einzelne Stern ist sorgsam wiederhergestellt worden. Die farbige Glasmalerei der Fenster präsentiert sich erneuert. Die ältesten stammen tatsächlich noch aus der Zeit der Chorweihe 1434, die jüngsten aus dem 19. Jahrhundert.

Arbeiter besserten den typischen rötlichen Mainsandstein der Pfeiler und Bögen sorgsam aus, berichtet Abteilungsleiter Gerhard Altmeyer vom ABI. Jede Patrizierfamilie Frankfurts, die sich seinerzeit am Bau des Gotteshauses finanziell beteiligt hatte, durfte ihre Toten in der Kirche begraben. 119 Skelette sind bei den Bauarbeiten im Kirchenboden gefunden und wieder beigesetzt worden, sagt Sabine Schaaf, die Fachfrau für Bauunterhaltung im Kassen- und Steueramt. Der 200 Jahre alte Altar der Kirche ist ausgebaut worden und wird gegenwärtig noch restauriert – er soll zur Wiedereröffnung im August zurückkehren.

Die Gewölbe sind aufwendig restauriert.

Diesen Termin erwartet die katholische Kirche mit Ungeduld. Stadtdekan Johannes zu Eltz war schon 2017 alles andere als glücklich, als klarwurde, dass die Sanierung sich länger hinziehen würde als erhofft. Die Leonhardsgemeinde musste mit ihren Gottesdiensten über viele Jahre in den Kaiserdom ausweichen.

Draußen schließen noch immer Bauzäune die Leonhardskirche ein. Das wird auch noch eine Weile so bleiben. Wann der kleine Platz vor dem Gotteshaus erneuert sein wird, ist unklar. Gewiss ist dagegen, dass die Kosten der langen Sanierung weiter steigen. Im Jahresbericht 2016 des städtischen Hochbauamtes waren die Investitionen noch mit 9,2 Millionen Euro angegeben worden. Jetzt spricht Bürgermeister und Kirchendezernent Uwe Becker (CDU) von elf Millionen Euro. Doch das wird nicht das letzte Wort sein.

Die Kommune setzt viel Geld ein zur Erhaltung der acht sogenannten Dotationskirchen Frankfurts, um die sie sich nach einem Vertrag von 1830 kümmern muss. Neben der Leonhardskirche laufen gerade Bauarbeiten in der Liebfrauenkirche im Stadtzentrum, am Kaiserdom und in der Dreikönigskirche in Sachsenhausen.

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