Mit Blumen und Grablichtern gedenken Angehörige und Freunde im Mai 2018 der 29-jährigen Irina A. am Tatort im Niddapark.
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Mit Blumen und Grablichtern gedenken Angehörige und Freunde im Mai 2018 der 29-jährigen Irina A. am Tatort im Niddapark.

Mord im Niddapark

Frankfurt: Lebenslange Haftstrafe für Jan M. gefordert

  • Oliver Teutsch
    vonOliver Teutsch
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Staatsanwaltschaft erkennt in dem Mord im Niddapark auch eine besondere Schwere der Schuld.

Am Ende der 28-tägigen Beweisaufnahme ließen die beiden Staatsanwältinnen kein gutes Haar am Angeklagten. Jan M. sei „ein Blender“ und ein Geschäftsmann, der erst zum Betrüger und dann zum Mörder geworden sei. Daran, dass M. die 29-jährige Irina A. am späten Abend des 8. Mai 2018 im Niddapark ermordet habe, gebe es „überhaupt keinen vernünftigen Zweifel“, führte Staatsanwältin Miriam Haßbecker aus. Ihre Kollegin Monique Mugrauer verwies in der rechtlichen Würdigung zudem auf „die besondere Verwerflichkeit“ der Tat und „die erhebliche kriminelle Energie“, die der heute 52-Jährige aufgewendet habe, um seine Freundin und Geschäftspartnerin in den Niddapark zu locken und dort mit 21 Messerstichen zu töten.

Der Angeklagte hat die Tat stets bestritten und seit seiner ersten Vernehmung bei der Polizei immer wieder abweichende Erklärungen für seine Unschuld präsentiert. Die Staatsanwaltschaft wandte in ihrem dreistündigen Plädoyer daher viel Zeit auf, um die Aussagen des Angeklagten zu sezieren. M. habe „sein Einlassungsverhalten immer an die Ermittlungsergebnisse angepasst“, kritisierte Staatsanwältin Haßbecker. Doch was der Angeklagte zuerst bei der Polizei und dann während der gut sechsmonatigen Gerichtsverhandlung als Rechtfertigung präsentierte, sei „konstruiert und lebensfremd“, so Haßbecker.

Seine Blutspuren am Tatort hatte M. zunächst mit einem Fahrradunfall eine Woche vor der Tat erklärt. Auf den Vorhalt, die Blutspuren seien frisch, erklärte M., er sei am Tatort gewesen und habe gesehen, wie ein gewisser Filip die Tat begannen habe. Als die Ermittler jenen Filip auftrieben und sich herausstellte, dass dieser zur Tatzeit nicht in Frankfurt war, ließ M. während des Prozesses erklären, er habe Irina in jener Nacht gesucht, gefunden und sie am Fuß gerüttelt, um zu sehen, ob sie noch lebe. Als bei einem zusätzlichen Gutachten auch Blut des Angeklagten am linken Schuh des Opfers gefunden wurde, den sie nach der Tat nicht mehr trug, ließ M. erklären, er habe sich wohl gedreht und dabei sei Blut von ihm auf den Schuh getropft. Ähnliche Nachbesserungen seiner Aussage lieferte M. auch bezüglich der Herkunft seiner Verletzung an der Hand. Einer gerichtsmedizinischen Untersuchung jener drei Schnitte am rechten Handballen habe M. nicht zugestimmt, monierte Haßbecker, die in dem Verletzungsbild „ein Abrutschen bei der Stichausführung“ sieht.

Als Mordmerkmale sieht die Staatsanwalt sowohl Heimtücke als auch Habgier. M. habe Irina A. in den Park gelockt und ihr vorgegaukelt, eine dritte Person werde ihr dort ein Teil des Geldes übergeben, das M. seiner Geschäftspartnerin aus dem Verkauf der Bar First In schuldete. Dabei habe M. ein konspiratives Verhalten gefordert und A. angewiesen, ihr Handy nicht mitzunehmen. Die 29-Jährige habe sich auf das Treffen arg- und letztlich wehrlos eingelassen. Die Spurenlage am Tatort weise keine Kampfspuren oder einen Fluchtversuch auf, so Staatsanwältin Mugrauer.

Den Vorwurf der Habgier sieht die Staatsanwaltschaft durch eine „Vermögenserhaltungsabsicht“ gegeben. Andere Gläubiger habe M. immer wieder mit subtilen Drohungen, er kenne die Hells Angels, in Schach gehalten.

Die selbst in der Halbwelt verkehrende A. konnte er damit nicht einschüchtern. Sie hatte einen Rechtsanwalt und einen Notar eingeschaltet, um ihre an M. gezahlten 175 000 Euro zurückzubekommen. M. habe dadurch fürchten müssen, dass seine „wirtschaftliche Gesamtsituation“ ins Wanken gerät. Die Erschließung neuer Geldquellen wäre in Gefahr geraten, wäre seine Zahlungsunfähigkeit publik geworden. „Letztlich war er bereit, eine Person, die sich nicht mehr mit Betrug im Zaum halten ließ, zu töten“, so Mugrauer. Der Prozess wird am kommenden Mittwoch fortgesetzt.

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