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Frankfurt: Leben und proben im Schutzraum

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    Boris Schlepper
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Entstanden im Zweiten Weltkrieg, heute vielfältig genutzt: Die FR beantwortet Fragen zur Geschichte und Gegenwart der Hochbunker in Frankfurt.

Wie viele Hochbunker gibt es in Frankfurt noch?

Mehr als 30. Während des Zweiten Weltkriegs sind 50 errichtet oder zumindest geplant worden. 2012 standen im Stadtgebiet noch 37 Hochbunker, davon alleine sechs im Gallus, zwölf von ihnen waren denkmalgeschützt. Seitdem sind aber noch einige Anlagen abgerissen worden, unter anderem die Gebäude an der Thudichumstraße in Rödelheim sowie an der Palleskestraße und der Robert-Bunsen-Straße in Höchst.

Was ist mit dem Bunker an der Glauburgstraße, der früher als Museum diente?

Auch der soll abgerissen werden. Ein Investor möchte dort ein Gebäude mit 35 Wohnungen errichten. Im Erdgeschoss soll es Platz für eine öffentliche soziale oder kulturelle Nutzung geben. Noch in diesem Jahr will die Stadt den Abbruch genehmigen. Mit dem Investor ist das Lärmkonzept für den Abriss laut Bauaufsicht optimiert worden. Zusätzlich soll es regelmäßige Messungen geben. Anwohner und die angrenzende Schwarzburgschule hatten gegen den Abriss protestiert. Eine Bürgerinitiative will den Bunker erhalten, sie fordert dort ein Stadtteilzentrum.

Wann sind die ganzen Bunker entstanden?

Fast alle sind in den Jahren 1940 bis 1942 gebaut worden, um die Bevölkerung vor Luftangriffen zu schützen. Der größte bot Platz für bis zu 1500 Menschen. Die meisten waren, wie es in einem Buch des Frankfurter Denkmalamts über die Hochbunker heißt, drei- oder viergeschossig. Auch gestalterisch sollten sie sich an die Umgebungsbebauung anpassen. Besonders viele entstanden in den Industriegebieten der Stadt.

Was ist nach Kriegsende mit den Bunkern passiert?

Eigentlich sollten sie im Zuge der Entmilitarisierung gesprengt werden. Doch dazu kam es nie. Zunächst wurden die Räume nach Angaben des Denkmalamts als Wohnungen für Obdachlose und Vertriebene genutzt, teils auch etwa für Essensausgaben. Bis Ende der 60er Jahre gab es Bunkerwohnheime. Im Zuge des Kalten Kriegs und des atomaren Wettrüstens wuchs das Interesse an den Bunkern als Schutzräumen wieder. Zwischen 1960 und 1978 wurden sie für viel Geld ertüchtigt. Die Räume wurden klimatisiert, neue Küchen, Bäder, Toiletten entstanden. Moderne Kommunikationsanlagen und Bunkertelefone wurden installiert.

Wie werden die Bunker heute genutzt?

In einigen proben Bands, manche dienen als Ateliers, andere nur als Lager. Einige sind inzwischen zu Wohnzwecken umgebaut worden. Der Bunker in Alt-Schwanheim soll ein Hotel werden. Das Bauwerk an der Friedberger Anlage ist eine Gedenkstätte. Eine Ausstellung erinnert an das jüdische Leben im Ostend. Diesen Hochbunker hatten die Nazis von französischen Zwangsarbeitern an der Stelle errichten lassen, an der zuvor Frankfurts größte Synagoge stand. Sie war in der Pogromnacht des 9. November 1938 in Brand gesteckt und anschließend abgerissen worden.

Was ist aus den sechs Bunkern geworden, die die Stadt 2016 vom Bund erworben hat?

Die Stadt will, dass die Vereine, die sie derzeit vor allem als Lager nutzen, die Räume auch weiterhin verwenden können. Dazu sollen sie saniert werden. Einen genauen Zeitplan nennt die Stadt noch nicht. Dieser hänge davon ab, welche Brandschutzmaßnahmen nötig seien, sagt der Sprecher des Bau- und Liegenschaftsdezernats, Günter Murr.

Stadt Frankfurt prüft: Bunker an der Friedberger Anlage soll Gedenkstätte werden

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