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Frankfurt: Lauter Ruf nach Entlastung

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Von: Steven Micksch

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Pflegekräfte und andere nichtärztliche Mitarbeitende streiken am Uniklinikum – unter anderem für mehr Personal.
Pflegekräfte und andere nichtärztliche Mitarbeitende streiken am Uniklinikum – unter anderem für mehr Personal. © Renate Hoyer

Fast 300 Menschen streiken in der Frühschicht am Universitätsklinikum Frankfurt. Die Verhandlungen um einen Entlastungstarifvertrag gehen weiter und eigentlich sind nur noch Details strittig.

Die Stimmung in der großen Menschentraube vor dem Haupteingang des Frankfurter Universitätsklinikums ist trotz Kälte und Nebel gut. Es wird getrommelt, gerasselt und auch schon mal getanzt, das hält die Muskeln warm. Die fast 300 Menschen sind zum großen Teil Mitarbeitende der Frühschicht des Klinikums, doch die Arbeit ruht heute in weiten Teilen. Denn die Gewerkschaft Verdi hat kurz vor der nächsten Verhandlungsrunde für einen Entlastungstarifvertrag zu einem zweitägigen Warnstreik aufgerufen. Die Verantwortlichen sind sehr zufrieden mit der Beteiligung.

Georg Schulze, Verhandlungsführer für Verdi bei den Tarifgesprächen, berichtet, dass sogar streikbereite Mitarbeitende zur Arbeit geschickt werden mussten, um die versprochene Notfallversorgung aufrechtzuerhalten. Im Laufe des Tages würden noch weitere Beschäftigte hinzukommen, die dann in den späteren Schichten streiken.

Eric Dittrich, Gesundheits- und Krankenpfleger in der Psychiatrie, erzählt am Mikrofon, dass er seinen Job gerne mache. „Aber nicht unter diesen Umständen.“ Die Bedingungen seien an der Klinik nicht mehr zu ertragen. Die Personalsituation sei kritisch, und er wünsche sich auch mehr Respekt. „Es gibt keine Spitzenmedizin ohne Spitzenpflege“, rief er. Ohne die Pflegekräfte als größte Berufsgruppe am Klinikum würde der Laden nicht laufen. „Was wir fordern, ist längst überfällig. Bleibt mutig!“

Ein 30 Jahre alter Kollege aus der Onkologie nickt und erzählt im Gespräch mit der FR: „Mehr Personal würde bei uns für Entlastung sorgen.“ Seit zehn Jahren ist er ausgelernt und aktiv in seinem Beruf. Die Personalsituation war immer angespannt, aber Corona hätte das Ganze nochmals intensiviert. Er wünsche sich mehr Zeit für jeden einzelnen Patienten und jede Patientin. „Um die geht es doch.“

Das sieht auch Julika Bürgin so. Sie hält ein Schild in der Hand, das sie als Patientin ausweist. „Ich war hier schon Patientin und finde, dass wir alle abhängig von guter Pflege sind.“ Sie wisse, dass vieles im Argen liege. Die Angestellten hätten nicht mehr ausreichend Zeit, es komme zu Verwechslungen von Patientenakten oder Schlimmerem. „Durch diese Situation ist das Gesundwerden gefährdet.“ Von allen Menschen aus ihrem Umfeld höre sie, dass der Kampf für einen Entlastungsvertrag gut ankomme. Zu streiken sei nicht verantwortungslos.

Nach den Reden setzten sich die Streikenden in Bewegung und zogen demonstrierend durch die Stadt. Es ging Richtung Osten bis zum Willy-Brandt-Platz. Von da aus führte der Weg zum Endpunkt am Gewerkschaftshaus in der Wilhelm- Leuschner-Straße.

Am Freitag wird der Streik fortgesetzt. Dann beschränkt er sich jedoch auf das Klinikgelände. Am Morgen soll die Verhandlungskommission lautstark begleitet werden. Die Verhandlungsrunde beginnt dann um 9.30 Uhr mit einem offenen Ende, wie Verhandlungsführer Schulze betonte. Er hoffe auf eine Einigung am Freitag.

Auch Patientinnen und Patienten machen mit bei dem zweitägigen Warnstreik, zu dem die Gewerkschaft Verdi aufgerufen hat.
Auch Patientinnen und Patienten machen mit bei dem zweitägigen Warnstreik, zu dem die Gewerkschaft Verdi aufgerufen hat. © Renate Hoyer

In weiten Teilen sind sich die Verhandelnden auch bereits einig. Es gebe allerdings noch einige Unterschiede bei verschiedenen Details.

So fordert Verdi mehr Personal für den Bereich der Krankentransporte, während die Klinikleitung darauf setzt, dass mit der Fertigstellung der Erweiterungsbauten am Hauptgebäude im Sommer viele lange Transporte wegfallen und es dadurch zur Entlastung komme. Auch beim Verhältnis Pflegekraft zu Patient:innen im Intensivbereich besteht noch keine Einigkeit.

Vonseiten des Universitätsklinikums heißt es auf Nachfrage: Der Vorstand des Universitätsklinikums Frankfurt respektiere das Streikrecht der Beschäftigten. Durch die Arbeitsniederlegung sei es zu erheblichen Einschränkungen der medizinischen Versorgungleistung am Universitätsklinikum gekommen.

Einige Stationen wurden vollständig geschlossen, in vielen weiteren wurde die betriebene Bettenzahl reduziert. Elektive Operationen und andere Eingriffe mussten weitgehend abgesagt beziehungsweise verschoben werden.

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