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Erfinder David Maurer-Laube (r.) und Projektmanager Hubertus Osterwind testen das Lastenrad.

Westend

Offenbacher Design-Student entwickelt klappbares Lastenrad

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Das „Convercycle“ von David Maurer-Laube wird in etwa einem Jahr im Handel zu kaufen sein. Als nächstes könnte ein Mountain Bike zum Ausklappen folgen.

Viele Anfragen bekommt David Maurer-Laube derzeit von Hundebesitzern. Bei ihnen kommt die Erfindung des Design-Studenten besonders gut an, mit der sie zum Gassi-Gehen wollen. Für sie ist der Hybrid aus Stadt- und Lastenrad wie geschaffen: Einfach das Fahrrad aufklappen, Hund auf die Ladefläche setzen und zum Stadtrand geradelt.

„Daran hatte ich überhaupt nicht gedacht“, sagt der 25-Jährige, der derzeit an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach (HfG) studiert. Die Idee zu seinem faltbaren Rad entstand 2017 bei einem Semesterprojekt, in dem es um Mobilität der Zukunft ging. Damals habe er sich gefragt, warum viele an ihrem Auto festhalten, und nicht aufs Rad umsteigen: „Die meisten haben das Argument Transport angeführt.“

Häufig fehle für ein Lastenrad der Platz, um es abzustellen. „Das ist auch bei mir der Fall“, sagt der Erfinder: „Meine Hofeinfahrt ist zu eng.“ Seine Überlegung: Gut wäre es, wenn ein Rad nur dann sperrig ist, wenn es nötig ist. Dabei gehe es nicht nur um das Abstellen. Maurer-Laubes Modell findet Platz in Fahrradboxen, kann zusammengeklappt in der U-Bahn transportiert werden und passt in einen Aufzug – auch, da es hochkant aufgestellt werden kann.

An der HfG entwickelte er einen Prototyp des sogenannten Convercycle – der Name steht für eine Kombination der englischen Wörter für umwandelbar und Fahrrad. Hebt man den Sattel an, kann das Hinterrad nach hinten geklappt werden und ein Lastenkorb wird frei: Platz für ein Paket etwa, einen Koffer oder einen Kasten Bier. Bis zu 60 Kilo können dort platziert werden. Doch David Maurer-Laube arbeitet daran, dass das fertige Modell noch mehr tragen kann.

Klappt man das etwa 1,80 Meter lange Rad aus, misst es 2,55 Meter – wie auch viele Lastenräder. Doch mit diesen wolle sich das Convercycle nicht messen, sagt Projektmanager Hubertus Osterwind. Viele Cargoräder könnten wesentlich mehr transportieren. Doch dafür brächten sie bis zu 60 Kilo auf die Waage. Das Convercycle dagegen wiege mit 17,5 Kilo nur etwas mehr als ein normales Rad.

Noch tüftelt das Start-up in einem Büro im Westend an der endgültigen Form. Sie soll etwas breiter werden, damit dort gängige Einkaufskisten Platz finden. Auch am Schutzblech wird gewerkelt. Bislang muss dieses umgesteckt werden, wenn das Rad zum Lastenrad mutiert. „Das ist zu umständlich“, sagt Osterwind. Deshalb werde an einer Variante gearbeitet, die von alleine umklappt. Feedback holt sich das Team auf Messen. Vor kurzem war es in Oberursel, auf der Cyclingworld in Düsseldorf hat es den Urban-Bike-Award erhalten.

Über zwei Crowdfunding-Plattformen hat Maurer-Laube Geld für seine Erfindung gesammelt. Ein Investor hat zudem 100 000 Euro in die Entwicklung gesteckt. 300 Vorbestellungen gibt es bereits. Die ersten Räder sollen im Herbst ausgeliefert werden. Über den Handel werden sie voraussichtlich erst im kommenden Frühjahr für 1800 Euro zu haben sein. Die geplante E-Bike-Variante soll 2800 Euro kosten.

Die Möglichkeiten sind groß. „Wir haben schon Anfragen, ein Mountain-Bike-Modell zu fertigen“, sagt Osterwind. Radler könnten ein Zelt zum Lagerplatz transportieren – und anschließend durch die Berge sausen. Eine Option wäre eine Variante für Schulkinder, dass diese ihren Ranzen nicht während der Fahrt auf dem Rücken balancieren müssen. Zunächst arbeite er am Zubehör, sagt David Maurer-Laube. Etwa für einen Kindersitz, Taschen – und einen Hundekorb.

Das Convercycle kann noch über die Crowdfunding-Plattform www.indiegogo.com zu einem günstigeren Preis vorbestellt werden.

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