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Das lange Warten auf eine Sozialwohnung in Frankfurt

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Von: Christoph Manus

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In Frankfurt fallen deutlich mehr Sozialwohnungen aus der Bindung, wie hier an der Leipziger Straße in Bockenheim, als gebaut werden.
In Frankfurt fallen deutlich mehr Sozialwohnungen aus der Bindung, wie hier an der Leipziger Straße in Bockenheim, als gebaut werden. © peter-juelich.com

Das Frankfurter Wohnungsamt kann immer weniger Haushalten eine Sozialwohnung vermitteln. Besonders schlechte Karten haben größere Familien.

Frankfurt – Die Situation für Menschen, die keine Chance haben, in Frankfurt auf dem freien Markt eine für sie halbwegs bezahlbare Wohnung zu finden, hat sich weiter verschärft. Das Frankfurter Amt für Wohnungswesen konnte im Jahr 2020 nach einem jetzt veröffentlichten Bericht gerade einmal 1325 Haushalten eine Sozialwohnung vermitteln. Das ist mindestens der schlechteste Wert seit dem Jahr 2006.

Zugleich bleibt die Nachfrage nach Wohnungen des ersten Förderwegs sehr hoch. Ende des Jahres 2020 standen 8973 Haushalte auf der Warteliste des Wohnungsamts. Das sind zwar etwas weniger als in den Jahren zuvor, aber immer noch 22 832 Menschen, die eine geförderte Wohnung suchen.

Zahl der Sozialwohnungen in Frankfurt liegt auf neuem Tiefstand

Bei mehr als der Hälfte der registrierten Haushalte sieht das Wohnungsamt dabei höchste Dringlichkeit. Zu dieser Stufe 1 zählen etwa Wohnsitzlose und Menschen, die in Zwischenunterkünften leben oder vor einer Zwangsräumung stehen. Besonders schlechte Karten, eine Sozialwohnung zu erhalten, haben größere Familien. Das Amt konnte, wie aus dem Bericht hervorgeht, nur 3,8 Prozent der Haushalte mit fünf und mehr Personen versorgen.

Dass sich die Situation für Frankfurter:innen, die auf geförderten Wohnraum angewiesen sind, rasch verbessert, ist nicht zu erwarten. Die Zahl der Sozialwohnungen fiel in Frankfurt im Jahr 2020 auf einen neuen Tiefstand. Ende 2020 hatte das städtische Amt für Wohnungswesen nur noch Belegungsrechte für 30 477 Wohnungen.

Viel zu wenige neue Sozialwohnungen entstehen in Frankfurt

Obwohl die Stadt Investoren verpflichtet, in neuen Baugebieten zu 30 Prozent Sozialwohnungen zu bauen und für viel Geld Belegungsrechte ankauft, fallen immer noch deutlich mehr Wohnungen aus der Sozialbindung als neue hinzukommen. Im Jahr 2020 wurden gerade einmal 41 Sozialwohnungen fertiggestellt, 2019 waren es 42.

In den nächsten Jahren dürften die Zahlen höher sein. Allein 2020 bewilligte die Stadt Fördermittel für den Bau von 270 Sozialwohnungen.

Zahl der Wohngeldanträge ist in Frankfurt in der Corona-Pandemie stark gestiegen

Die Corona-Pandemie hat die Wohnungssituation nach Beobachtung des Wohnungsamts für viele Frankfurter:innen noch verschärft. Amtsleiterin Waltraud Meier-Sienel berichtet etwa von einem sprunghaften Anstieg der Wohngeldanträge von 9195 im Jahr 2019 auf 13 341 im Jahr 2020. „Es ist spürbar, dass das Wohngeld in wirtschaftlich schlechten Zeiten eine wesentliche Stütze für die Bürger:innen darstellt“, heißt es.

Wer Wohngeld erhält, bezog im Jahr 2020 im Schnitt einen Miet- oder Lastenzuschuss von 266 Euro im Monat. Ein großer Anteil der Anträge hatte allerdings keinen Erfolg. Gut 30 Prozent wurden von der Behörde abgelehnt. (Christoph Manus)

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