Prozess

Landgericht verhandelt über Betrug mit CO2-Zertifikaten

  • Stefan Behr
    vonStefan Behr
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Ein 43-Jähriger Manager soll sich per Steuertrick am Handel mit CO2-Zertifikaten bereichert haben. Dem Gerichtstermin in Frankfurt bleibt er fern.

Das ist eine Mutmachgeschichte. In Zeiten, in denen sich abzeichnet, dass Kurzarbeit zum Dauerzustand wird, beweist Gregory M., dass man sich auch in kurzer Zeit sehr viel erarbeiten kann.

Eigentlich hat der heute 43 Jahre alte Franzose das bereits 2010 bewiesen. Damals war M. Geschäftsführer eines deutschen Unternehmens, das es heute noch gibt und das die „Erbringung von Managementleistungen im Zusammenhang mit der Energieversorgung“ als Kernkompetenz nennt. Von März bis Juni 2010, so die Anklage, drehte M. als Geschäftsführer dieses Unternehmens muntere Runden auf dem CO2-Karussell. Bei diesem Karussell handelt es sich um ein damaliges Vergnügungsangebot der Bundesregierung an Manager im Zusammenhang mit der Energieversorgung, die sich nie gezahlte Mehrwertsteuer für Zertifikate auf CO2-Ausstoß zurückerstatten lassen konnten.

Wie viel Reibach M. in den vier Monaten höchstpersönlich gemacht hat, ist unbekannt, aber den Steuerschaden beziffert die Staatsanwaltschaft auf elf Millionen Euro.

Das ist wohl auch einer der Gründe, warum das Karussell mittlerweile als illegal gilt und strafrechtlich verfolgt wird. So wie auch M., den das aber nicht weiter bekümmern muss, weil er sich in die Anonymität verabschiedet und dabei vergessen hat, den Justizbehörden eine ladungsfähige Anschrift zu hinterlassen.

Die Wirtschaftsstrafkammer hat es dennoch versucht und M. an dessen einstige Adresse eine Einladung zu seinem Betrugsprozess geschickt, aber der taucht am Montagmorgen trotzdem nicht beim Landgericht auf. Sein Verteidiger weiß auch nicht, wo er sich gerade herumtreibt. Der Prozess wird daraufhin ausgesetzt und vermutlich wieder aufgenommen, wenn M. es sich anders überlegt und dem Prozess doch noch beizuwohnen wünscht.

Möglicherweise kann das Landgericht darauf lange warten. Denn auch wenn nicht klar ist, ob M. jetzt wieder in Frankreich lebt, so kann man einigermaßen sicher sein, dass er es zumindest wie Gott in Frankreich tut. Für vier Monate Erbringung von Managementleistungen im Zusammenhang mit der Energieversorgung ist das ein Saldo, der fast schon Lust auf Kurzarbeit macht.

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