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Frankfurt: Lärmschutzwände ohne Pflanzen

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Von: Florian Leclerc

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Bei Neubaustrecken muss die Bahn für Lärmschutz sorgen, wenn die Grenzwerte überschritten werden. Foto: Rolf Oeser
Bei Neubaustrecken muss die Bahn für Lärmschutz sorgen, wenn die Grenzwerte überschritten werden. Foto: Rolf Oeser © ROLF OESER

Bei Bahnstrecken gibt es noch keinen hohen, begrünbaren Schallschutz, der zugelassen ist.

Sie sind aus Aluminium, zwei bis sechs Meter hoch und sollen die Anwohnerinnen und Anwohner vor Lärm schützen. An der Bahnstrecke von Frankfurt nach Bad Vilbel, die noch bis 4. September voll gesperrt ist, baut die Deutsche Bahn bis Ende 2023 Lärmschutzwände auf knapp 19 Kilometern Länge. Der Bahnkörper erhält zwei neue Gleise, so dass die S6 auf eigenen Gleisen fahren kann.

Weitere 16 Kilometer Lärmschutzwände aus Aluminium kommen auf dem Abschnitt von Bad Vilbel nach Friedberg hinzu. Die Lärmschutzwände aus dem leichten Metall werden eineinhalb bis fünf Meter hoch sein.

Auch entlang der Regionaltangente West und der nordmainischen S-Bahn werden kilometerlange Lärmschutzwände gebaut. Kann man sie begrünen, um sie optisch ansprechender zu gestalten und etwas für Mensch und Natur zu tun? Das wollten Ortsbeiräte vom Magistrat in Erfahrung bringen. Die Antworten fallen ernüchternd aus.

Keine hohen, grünen Lärmschutzwände

An der S-Bahn-Strecke von Frankfurt nach Friedberg sei „aus bahnbetrieblichen Gründen“ keine Begrünung möglich, teilte der Magistrat mit. Um die Schallschutzwände zu inspizieren, müsse jederzeit eine freie Sicht auf beide Seiten der Lärmschutzwände möglich sein. Pflanzen könnten außerdem in Modul- und Dehnungsfugen klettern und sie beschädigen. Gefragt hatte der Ortsbeirat 9.

Auch bei der Regionaltangente West seien keine begrünten Lärmschutzwände möglich, teilte der Magistrat auf Anfrage des Ortsbeirats 6 mit. Streckenabschnitte verliefen auf dem Bahnkörper der Deutschen Bahn. Diese müsse sich an die Eisenbahn-Betriebsordnung halten und die Anforderungen des Eisenbahn-Bundesamtes. „Derzeit gibt es keine begrünten Schallschutzwände, die die Anforderungen des Eisenbahnbundesamtes erfüllen“, heißt es in der Stellungnahme des Magistrats.

Das Eisenbahn-Bundesamt teilte auf Anfrage der Frankfurter Rundschau mit, tatsächlich liege erst ein einziger Antrag auf die Zulassung einer begrünten Schallschutzwand vor. Der Antrag werde weiter bearbeitet, der Hersteller müsse noch offene Fragen klären.

Lärmschutzwände gibt es etwa aus Stahl und Aluminium, Beton, Holz oder Glas. Gabionen lassen sich mit Aushub und Erde befüllen; Gras, Moos, Wein und Efeu können daran wachsen.

Kleine, begrünte Lärmschutz-Kästen sind genehmigt

Grundsätzlich entscheide der Betreiber der Infrastruktur, welche Lärmschutzwände zum Einsatz kämen, sagte eine Sprecherin des Eisenbahn-Bundesamts. Hersteller müssten bei der Bahn eine Anwenderfreigabe beantragen. Der Antrag umfasse eine Zulassung durch das Eisenbahn-Bundesamt, einen Leitfaden zur Anwendung und ein akustisches Gutachten. Die Kosten trage der Hersteller. Tragsicherheit, Gebrauchstauglichkeit und Materialermüdung müssten gewährleistet sein. Zuletzt habe das Eisenbahn-Bundesamt unter anderem niedrige, gleisnahe Gabionen als Schallschutzwände zugelassen.

Die Verantwortung für den Erhalt der Lärmschutzwände trage der Betreiber der Infrastruktur. „Die Bahn trägt für die sichere Führung des Betriebs die uneingeschränkte Verantwortung“, sagte die Sprecherin.

Auch die Tunnel in Frankfurt bleiben unbegrünt. Eine Begrünung der Brüstung am Theatertunnel sei nicht möglich, teilte der Magistrat auf Anfrage des Ortsbeirats 1 mit. Alle Bauteile des Tunnels müssten regelmäßig begutachtet werden.

„Eine Begrünung würde dies erheblich erschweren und könnte schlimmstenfalls dazu führen, dass Schäden, die die Standsicherheit der Brüstungswand gefährden, nicht erkannt werden können“, so der Magistrat in Frankfurt.

In Darmstadt hat man hingegen eine Lösung gefunden, um eine Tunnelwand zu begrünen. Eine vier mal 16 Meter große, vertikale Fläche mit Gräsern und Moos schmückt die Einfahrt zum City-Tunnel an der Wilhelminenstraße. Sie verfügt über ein automatisches Bewässerungssystem und LED-Beleuchtung. Die Wirkung auf die Luftreinhaltung wird nun von der Technischen Universität Darmstadt untersucht.

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