Noch viel zu tun – 25 Kilometer Absperrband wollen die Künstler vom Atelier der praktischen Poesie um die Säule spinnen.
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Noch viel zu tun – 25 Kilometer Absperrband wollen die Künstler vom Atelier der praktischen Poesie um die Säule spinnen.

Kultur

Frankfurt: Kunstobjekt „Spindel der Notwendigkeit“ soll Diskussion anregen

  • vonClara Gehrunger
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Die Installation zwischen Goetheplatz und Rathenauplatz ist noch bis zum 12. Juni zu sehen.

Eines der Absperrbänder löst sich aus seinem Knäuel und weht über den Platz. Corinna Tetzel sammelt es wieder ein. Kurz darauf steigt sie erneut auf eine von fünf Leitern und arbeitet weiter an ihrem Kunstprojekt.

Zwischen dem Goethe- und dem Rathenauplatz umspannen sie und ihr Kollege Jue Löffelholz mit Helfern eine Litfaßsäule mit Absperrband. Die „Spindel der Notwendigkeit“ soll, sobald sie fertig ist, aus insgesamt 25 Kilometern Flatterband bestehen, die bis vor Kurzem noch Spielplätze und Sportstätten in Frankfurt absperrten.

„Die Idee ist aus dem Eingedenken entstanden, was Corona mit uns macht“, berichtet Tetzel. Das Material habe sie wegen dessen Bedeutungsvielfalt gewählt. So könne man mit Absperrband etwa Schutz oder Einschränkung verbinden. Im übertragenen Sinne, sagt Tetzel, „schnürt es die Kultur ab und zeigt, wie fragil emanzipatorische Prozesse sind“. Dass die Litfaßsäule zu einer Spindel verarbeitet wird, solle auf die Bedeutung von Frauenarbeit hinweisen; das Frauenreferat unterstützt das Projekt. Wertend sei es aber nicht gemeint, vielmehr solle es zur Diskussion anregen.

Bisher funktioniert das gut. Immer wieder bleiben Fußgänger und Radfahrer stehen, um das geschäftige Treiben um die eigens für die Künstler aufgestellte Litfaßsäule zu beobachten und den Zweck der überdimensionalen Spindel zu erfragen. Darunter auch Kinder, die wegen ihrer Erfahrungen mit dem Flatterband auf Spielplätzen einen eigenen Zugang zu dem Projekt haben. Ob das Team bald fertig sei, wollen einige Neugierige wissen. Verschmitzt schauen die Künstler und die beiden Mitarbeiter des Grünflächenamts von ihren Leitern aus nach unten. Dort liegen nach mehreren Stunden Arbeit noch einige prall gefüllte Säcke bereit. Spätestens am Samstagvormittag sollen die verarbeitet sein, bis zum 12. Juni bleibt die Spindel vor Ort.

Nahe dem Kunstwerk liegen Papierkarten zum Mitnehmen bereit: Jörn Etzold hat ein Märchen aus den Erfahrungen mit Corona verfasst, in denen die umsponnene Säule als Denkmal vorkommt.

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