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Frankfurt: Kunst gegen Einsamkeit

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Von: Steven Micksch

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Das Frankfurter Gesundheitsamt möchte mit Kulturangeboten isolierten Menschen helfen. Das Ganze ist Teil eines europäischen Projekts, um Einsamkeit zu bekämpfen.

Einsamkeit ist ein weitgreifendes Problem. Es lässt sich weder geografisch noch auf eine bestimmte Altersgruppe begrenzen. In der Europäischen Union fühlten sich 2016 laut einer Erhebung rund zwölf Prozent der Menschen einsam, während der Pandemie stieg der Wert auf 25 Prozent. Einsamkeit und soziale Isolation sind akute Problemfelder, die durch Corona an Dynamik gewonnen haben.

Dies mag ein Grund dafür sein, dass sich das Frankfurter Gesundheitsamt dem EU-Projekt „Culture on Prescription in Europe“ (Cope) angeschlossen hat. Auch das gemeinnützige Institut für angewandte Sozialforschung (Isis) ist dabei. Gefördert wird das Projekt durch das EU-Programm Erasmus+. Partner aus Portugal, Rumänien, Belgien, Irland und den Niederlanden runden das Teilnehmerfeld ab. Doch was hat es mit der verschriebenen (prescripted) Kunst auf sich? Die Kooperationspartner wollen mit neu entwickelten Kunst- und Kulturprogrammen helfen, Menschen aus der Einsamkeit zu holen. „Wir nehmen das seelische Wohlbefinden der Menschen in den Blick“, sagt Matthias Roos, vom Bereich „Prävention und Gesundheit im Alter“ des Gesundheitsamts.

Konkret gehe es um ältere Menschen, die häufiger wegen Immobilität, weit entfernter Familienmitglieder oder eines bereits verstorbenen Freundeskreises unter Einsamkeit litten. Corona und Lockdowns haben das Problem verschärft. „Uns war klar, dass wir dort aktiv werden müssen.“

Das Projekt gehe bewusst auf einen Teilbereich der Einsamkeitsproblematik ein. Zielgruppe und Medium seien eingegrenzt, um die 377 000 Euro Fördergeld gezielt einzusetzen. In Großbritannien werde das Thema seit einigen Jahren durch ein Ministerium für Einsamkeit bearbeitet. Davon lasse sich sicher etwas lernen, doch der Rahmen sei zu groß, erklärt Karin Stier vom Isis-Institut. Am Ende wollen die Projektbeteiligten den politischen Akteur:innen Empfehlungen geben, um das Bewusstsein für das Problem zu schärfen.

Dass Kultur – tanzen, musizieren, kochen – gegen Einsamkeit wirkt, davon sind alle Beteiligten überzeugt. Es gehe darum, dass die Betroffenen etwas Neues lernten und Kontakte entstünden. In Frankfurt wolle man dies mit dem Modellkurs „Kultur auf Rezept“ erreichen. Das Gesundheitsamt will mit dem Künstler Andreas Hett zehn Wochen lang ein Gruppe künstlerisch aktiv werden lassen. Der Verwirklichung sollen keine Grenzen gesetzt werden, egal ob mit Stift, Farbe, Ton oder Kreide. Das Konzept stehe bereits, bis es Realität werde, werde aber noch einige Zeit vergehen, weil Cope gerade erst begonnen habe. Im Zuge der zweijährigen Projektlaufzeit sollen weitere Angebote hinzukommen. Dazu werden Künstler:innen gesucht, die Teil des Ganzen sein wollen. Interessent:innen können sich per E-Mail melden: gesundheitsamt.gesundheitskommunikation@stadt-frankfurt.de

Um später auch die älteren Menschen zu erreichen, sollen Flyer in Briefkästen gesteckt, in Arztpraxen oder Sozialrathäusern ausgelegt werden. Auch andere Multiplikator:innen, die Kontakt zu älteren Menschen haben, sollen helfen.

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