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Frankfurt: Kundschaft der Tafel wächst

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Wer nicht gut zu Fuß ist, kann bei der Tafel auch einen Vorrat mitnehmen.
Wer nicht gut zu Fuß ist, kann bei der Tafel auch einen Vorrat mitnehmen. © Renate Hoyer

Pandemie und Inflation treiben Nachfrage bei der Tafel in die Höhe

Meterhoch stapeln sich die schwarzen Plastikkisten im Innenhof der Maria-Hilf-Gemeinde. In wenigen Minuten beginnt hier die Essensausgabe der Frankfurter Tafel, die bedürftige Menschen aus dem Gallusviertel mit Lebensmitteln versorgt. Damit ab 12.30 Uhr alles reibungslos läuft, braucht es eine gute Vorbereitung – und vor allem viele helfende Hände.

Schon um neun Uhr haben die Ehrenamtlichen deshalb begonnen, Spenden zu sortieren, Kisten beiseitezuräumen und den kleinen Raum im Gemeindezentrum für den großen Ansturm vorzubereiten. Der lässt nicht lange auf sich warten: Eine halbe Stunde vor dem offiziellen Termin haben sich bereits Dutzende Kund:innen vor den Toren versammelt. „Die Nachfrage ist in den letzten Monaten deutlich gestiegen“, sagt Ausgabeleiterin Katja Didszuns. Grund dafür seien die Corona-Pandemie, aber vor allem die steigende Inflationsrate. Immer mehr Menschen mit niedrigem Einkommen seien nun darauf angewiesen, Lebensmittel von der Tafel zu beziehen. Didszuns ist deshalb besonders stolz darauf, dass ihre Essensausgabe als einer der wenigen Standorte in Frankfurt auch in den letzten Monaten durchgängig geöffnet war.

Drei Tüten für einen Euro

Im Gallusviertel erhalten die Bedürftigen zum symbolischen Selbstkostenpreis von einem Euro drei vollgepackte Tüten: eine mit Obst, eine mit Gemüse und eine mit weiteren Nahrungsmitteln. Die Spenden stammen meist von lokalen Supermärkten und werden vor Ort in brauchbare und unbrauchbare Produkte unterteilt. Bei der Ausgabe versuchen Didszuns und ihr Team, bestmöglich auf die individuellen Bedürfnisse der Kund:innen einzugehen: Eine Großfamilie erhält mehr als ein Alleinstehender, und auch auf Intoleranzen oder bestimmte Ernährungsweisen kann bei der Tafel Rücksicht genommen werden.

Das ist nicht unwichtig, denn die Kundschaft im Gallusviertel ist groß und bunt gemischt. Katja Didszuns beschreibt sie als „wunderbares Abbild der Gesellschaft“, die die Vielfalt des Niedriglohnsektors perfekt widerspiegle. In der Schlange vor dem Gemeindezentrum stehen Rentner:innen, Alleinstehende, aber auch Mütter mit Kindern, allesamt bepackt mit Tüten und Einkaufstrolleys. Einige von ihnen werden nach der Ausgabe noch weiterziehen, zu Didszuns Kollegin Sabine Barowski. Sie organisiert im Mehrgenerationenhaus einen Kochkurs für Senior:innen und Tafel-Kund:innen. „Dort zeige ich ihnen, dass auch Blumenkohl schmecken kann, wenn man ihn nur richtig zubereitet“, lacht Barowski. Heute stehen Haferflockenbratlinge auf dem Speiseplan.

Vor dem Gemeindezentrum setzt sich die Schlange der Wartenden derweil langsam in Bewegung. Bettina K., die vor kurzem ihr zweites Kind bekommen hat, kommt seit der Geburt regelmäßig hierher. „Ich bin dankbar für das Angebot“, sagt die zweifache Mutter. Zwar reichten die Lebensmittel der Tafel allein nicht aus, um ihre Familie zu versorgen, eine große Entlastung sei das Angebot aber dennoch. „Was man hier für einen Euro bekommt, kostet im Laden locker 80, 90 Euro.“ Ob es ihr unangenehm sei, zur Tafel zu gehen? „Nein“, meint Bettina K. Von dem Geld, das sie hier spare, könne sie etwas Schönes mit ihren Kindern unternehmen. „Das ist doch super so.“

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