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Im Süden des Campus soll der Neubau der Musikhochschule entstehen.

Wettbewerb

Einigung im Streit um Kulturcampus in Frankfurt

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Frankfurt und Hessen schreiben einen Architekturwettbewerb für den Kulturcampus in Bockenheim aus. Im Gespräch ist das Projekt schon länger.

Es ist ein politischer Durchbruch nach langem Streit. Die Stadt Frankfurt und das Land Hessen haben sich darauf verständigt, einen gemeinsamen Architekturwettbewerb für den Kulturcampus in Bockenheim auszuschreiben. Der Wettbewerb umfasst einen Realisierungswettbewerb für eine neue Hochschule für Musik und Darstellende Kunst und einen Ideenwettbewerb für ein von der Stadt gewolltes „Zentrum der Künste“.

Der Wettbewerb soll „zeitnah“ ausgelobt werden. Das „Zentrum der Künste“ wird dabei nördlich und südlich der Bockenheimer Landstraße angesiedelt, wie es Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) im Februar zuletzt gefordert hatte. Die neue Hochschule entsteht im Süden des heutigen alten Universitätscampus, ungefähr dort, wo heute noch das Hochhaus des Juridicums steht und der frühere Labsaal der Universität liegt. Für den Bau der Hochschule hatte das hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst bereits 100 Millionen Euro zugesagt.

Für die Finanzierung des „Zentrums der Künste“ gibt es dagegen in der Römer-Koalition von CDU, SPD und Grünen noch keine Einigung. Der Frankfurter SPD-Vorsitzende Mike Josef sagte der FR, jetzt müsse die Stadt Frankfurt einen „Finanzierungsbeschluss“ für das Zentrum fassen. Dessen Kosten waren zuletzt auf 60 Millionen Euro geschätzt worden. Josef sagte, die SPD werde das Projekt in die Verhandlungen um den städtischen Haushalt unter dem Vorzeichen der Corona-Pandemie einbringen. Die Römer-Koalition muss sich darauf verständigen, welche Projekte sie bei den wegbrechenden Einnahmen der Stadt noch verwirklichen möchte.

Das Projekt

Vor zehn Jahren , am 19. August 2010, präsentierten die damalige Frankfurter Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) und der seinerzeitige hessische Finanzminister Karlheinz Weimar (CDU) das Projekt Kulturcampus.

17 Hektar groß ist das Areal des alten Frankfurter Universitätscampus in Bockenheim, das danach von der städtischen ABG Holding erworben wurde. Die Idee ist, hier gemeinsam Kulturinstitutionen, Wohnungen und Gewerbe zu entwickeln.

Bisher ist der Ausbau des Senckenberg-Instituts verwirklicht, das unter anderem in das ehemalige Universitäts-Hauptgebäude einrückte. An der Sophienstraße entstanden Wohnungen. Auf dem Areal des früheren AfE-Hochhauses der Universität, das gesprengt wurde, wächst zur Zeit ein Turm mit Luxuswohnungen und Hotel.

Vieles andere lässt noch auf sich warten, darunter der Neubau der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst und das „Zentrum der Künste“, das Kulturinstitutionen von Weltrang unter einem Dach vereinen soll.

Neue Wohnformen , die ebenfalls versprochen wurden, sind noch nicht verwirklicht. Die Goethe-Universität belegt noch immer Teile des Geländes. 2023 könnten die letzten Uni-Teile auf den neuen Campus Westend umziehen. jg

Die hessische Ministerin für Wissenschaft und Kunst, Angela Dorn (Grüne), und Kulturdezernentin Hartwig betonten in einer gemeinsamen Erklärung, es sei ihnen „ein großes Anliegen, den Kulturcampus mit vielfältigen Einrichtungen zu entwickeln“. Die Einzelheiten zur konkreten Durchführung des Wettbewerbs, in den auch die städtische ABG Holding als Grundstücksbesitzerin eingebunden werden soll, befänden sich „in der Abstimmung“.

Es sei jetzt sichergestellt, dass der dringend benötigte Neubau der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst auf den Weg gebracht werden könne und zugleich die Vision des Kulturcampus weiterverfolgt werde. Hochschul-Präsident Elmar Fulda hatte 2019 im FR-Interview auf die stark beengte Situation der heutigen Hochschule an der Eschersheimer Landstraße aufmerksam gemacht.

Das „Zentrum der Künste“ soll Kulturinstitutionen unter einem Dach vereinen, die zum Teil Weltrang besitzen und heute noch auf verschiedenen Grundstücken in Frankfurt untergebracht sind. Dazu zählen das Ensemble Modern und die Dresden Frankfurt Dance Company. Für die Hochschule existiert bereits ein ausgearbeitetes Raumprogramm. Es umfasst 14 000 Quadratmeter. Der städtische Bebauungsplan sieht bisher eine Gebäudehöhe von maximal 23 Metern vor. Hier könnte der Architektenwettbewerb jedoch Entwürfe liefern, die diesen Maßstab sprengen.

Wichtig sind angestrebte Synergieeffekte zwischen der neuen Hochschule und dem Teil des „Zentrums der Künste“, der nahebei entsteht. Das könnte ein gemeinsamer Campus sein, aber auch ein gemeinsames Foyer. Der Bebauungsplan lässt Änderungen zu, wenn sie dem grundsätzlichen Sinn der Festlegungen nicht widersprechen.

Mit der Einigung zwischen Stadt und Land rückt jetzt doch noch der Kulturcampus näher, den die frühere Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) und der damalige hessische Finanzminister Karlheinz Weimar (CDU) vor zehn Jahren gemeinsam angekündigt hatten.

Claus-Jürgen Göpfert

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