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Michael Damm ist seit 1983 Wirt im JazzLokal „Mampf“ im Sandweg.
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Michael Damm ist seit 1983 Wirt im „Mampf“ im Sandweg.

Jazz-Lokal

Kult-Kneipe „Mampf“ vor dem Aus - Spendenaufruf

  • Kathrin Rosendorff
    vonKathrin Rosendorff
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Das Mampf in Frankfurt ist bekannt für coolen Jazz und rustikale Küche, doch nun steht die Jazzkneipe vor dem Aus. Stammgäste spenden, damit es für die Miete reicht.

Louis Armstrong grinst in seinem roten Mantel mit Nerzkragen unweit der Theke, so als ob alles gut sei. Normalerweise ist er von Gästen umringt, die „Mispelchen für 4,50 Mak“ bestellen. „Euro“ zu sagen gehört sich hier nicht. In der kultigen wie urigen Frankfurter Jazzkneipe Mampf im Sandweg. Sobald die Kneipentür zufällt, fühlt man sich ins Jahr 1985 gebeamt. An den Wänden hängen Karikaturen, vergilbte Zeitungsausschnitte, abgenutzte Geldscheine aus aller Welt. An beliebten Livejazzabenden steht das Publikum hier dicht an dicht in Dreierreihen auf 40 Quadratmetern.

Das Mampf kämpft in Zeiten von Corona um die Existenz

Das war vor Corona. Jetzt kämpft das Mampf zwei Jahre vor dem 50. Geburtstag ums Weiterleben. „Von allen Plätzen und Clubs in Frankfurt würde ich das Mampf am meisten vermissen“, schreibt ein Herr auf der Facebook-Seite der Kneipe.

Unweit des Armstrong-Gemäldes stapeln sich die unbenutzten CDs und Gläser, die Bierzapfanlage ist entleert und abgeklemmt. Ein Telefon mit Wählscheibe hängt an der Wand. „Das funktioniert noch und jeden Tag rufen Leute an“, sagt Michael Damm, Mampf-Wirt seit 1983. Er lächelt.

Momentan hat er wenig Lächelmomente. „Am 15. März war das letzte Konzert. Seit 16. März haben wir im Prinzip auf ewig nicht geöffnet“, sagt er. Die „Stilllegung eines Organismus“ nennt er es. Das Schlimmste sei, dass die zeitliche Dimension nicht absehbar sei. Im März bestellte Bierfässer musste er entsorgen, weil das Haltbarkeitsdatum überschritten war. Im Mai habe er alle Konzerte abgesagt, neue Planungen seien aktuell nicht möglich.

Erst dann, wenn „es wieder möglich ist, dass Leute in Kneipen dicht aneinander und ohne Maske zusammen sein können und sich die Hand geben“. Selbst ohne Lockdown könnte er bei den aktuellen Abstandsregeln höchstens vier Leute reinlassen. „Wir haben seit März keine Einnahmen. Ende November musste ich einen Spendenaufruf auf Facebook starten.“ Denn die staatlichen Hilfen seien zwar eine Hilfe, aber das Geld reiche nicht, um alle weiterlaufenden Kosten wie Miete, Strom, Telefon abzudecken. Rücklagen habe er keine.

 Stammgäste senden für das Mampf - staatliche Hilfen reichen nicht

„Unsere Preise waren immer billig, ein halber Liter Bier kostet 4,50 Euro. Und die Musiker müssen auch nichts dafür bezahlen, um hier aufzutreten“, sagt Damm. Der 5-Euro-Kulturbeitrag, den man als Gast für Liveauftritte zahle, ginge komplett an die Musiker. Stammgäste der Kneipe hätten sofort angefangen zu spenden, um „die Magie des Ortes“ zu erhalten. „Bis Ende des Jahres ist die Miete abgesichert“, so Damm. Ein paar Fans des Mampfs hätten Patenschaften übernommen. „Sie zahlen monatlich einen Beitrag, bis das Mampf wieder öffnen darf“, so Damm. Aber es müssten mehr Leute spenden, um auch in den nächsten Monaten bei weiterer Schließung die Existenz zu sichern. Um sicherzugehen, egal wann das sein werde: „Das Mampf macht wieder auf!“

Nur einmal hätten sie in ihrer Geschichte mal eine Woche zugehabt, 1996, als sie einen neuen Boden und eine neue Theke bekommen hätten. „Hier ist fast immer Party, 280 Konzerte sind es im Jahr“, sagt Damm, der sonst fünfmal die Woche an der Theke steht. Das Publikum beschrieb Eugen Hahn vom Jazzkeller zum 40. Geburtstag als eine Mischung aus „noch ein paar der letzten 68er, die nicht Millionäre wurden, und immer mehr junge Leute“.

Das Mampf - ein Kneipenort seit den 60ern

In den 60ern ist hier die Gaststätte Sandwegstube, Stammlokal für Hütchentrinker und Würfelspieler, die Peter-Alexander-Liedern lauschen. Seit 1972 ist das Mampf eine Jazzkneipe. Der Wirt Edgar Hennig tauft sie Mampf, ein Akronym für „Massenhafte Anarchie Macht Proletarier Frei“. Damm ist Stammgast in der einstigen Spontikneipe. 1983 übernimmt er sie zunächst zusammen mit sechs Studifreundinnen und -freunden. Statt nur Schmalzbrot gibt es von da an rustikale Küche wie Clubsteak mit Bratkartoffeln. Damm ist auch der Koch. Er sei seit 1988 einziger Betreiber. „Ab Ende der 1980er gab es dann auch Livekonzerte.“ Die Arbeit der Konzertdirektion machte er fortan so nebenbei. Jazzbandnewcomer würden sich bewerben, um hier zu spielen, aber auch etablierte Musiker waren schon auf der Minibühne.

Ein bisschen fühle es sich gerade an, als ob er einen Nachruf schreiben müsste, wenn er alte Bilder auf Facebook poste – und schreibe, wie toll es doch im Mampf gewesen sei. Aber Damm gibt sich optimistisch, dass das Mampf es mit der weiteren finanziellen und mentalen Unterstützung seiner Stammgäste schaffen kann. „Hoffentlich dauert es nicht mehr so lange, bis das Mampf wachgeküsst wird.“ (Kathrin Rosendorff)

Mampf, Sandweg 64, Spendenmöglichkeit: www.facebook.com/jazznffm/.

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