Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Szene aus „Öl“, einem Stück nach einem Roman von Upton Sinclair. Es feierte im September am Schauspiel Frankfurt Premiere.
+
Szene aus „Öl“, einem Stück nach einem Roman von Upton Sinclair. Es feierte im September am Schauspiel Frankfurt Premiere.

Kultur in Frankfurt

Frankfurt: Krude Verschwörungstheorien und ein Schweinsballett

  • Anja Laud
    VonAnja Laud
    schließen

Das Schauspiel Frankfurt und die Staatstheater in Darmstadt und Wiesbaden laden in diesem Jahr zu Uraufführungen und Premieren ein, die sich mit aktuellen Themen beschäftigen.

Theaterbesucherinnen und -besucher können sich in diesem Jahr auf ungewöhnliche Theaterproduktionen freuen. Am Schauspiel Frankfurt feiert beispielsweise am Freitag, 11. Februar, mit „Lärm. Blindes sehen. Blinde sehen! Was ich sagen wollte“ ein Theaterstück der Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek in Teilen Uraufführung, das perfekt in die Pandemie passt, wie Schauspiel-Sprecherin Sandra Strahonja sagt. Auch in den Staatstheatern in Darmstadt und Wiesbaden sind Premieren von Stücken angekündigt, die sich mit aktuellen Themen wie Rassismus und der Cyberwelt befassen.

Die Jelinek-Inszenierung im Frankfurter Schauspiel ist nur deshalb in Teilen eine Uraufführung, weil „Lärm. Blindes sehen. Blinde sehen!“ im Juni vergangenen Jahres schon im Hamburger Schauspielhaus zu sehen war. Die österreichische Autorin, so Sandra Strahonja, habe aber für die Frankfurter Inszenierung unter dem Titel „Was ich sagen wollte“ eigens einen weiteren Text geschrieben, der das Stück, in dem es auch um die Abrechnung mit kruden Verschwörungstheorien gehe, ergänzt. Er befasst sich mit dem jähen Fall des einst als „Wunderwuzzi“ gefeierten Ex-Bundeskanzlers ihres Heimatlands, Sebastian Kurz. Und so viel verrät die Schauspiel-Sprecherin schon einmal vorab: „Es wird ein Schweinsballett zu sehen sein.“

Uraufführungen hat das Schauspiel in diesem Jahr wieder jede Menge im Programm – zumeist in seinen Kammerspielen. „Unser Publikum erwartet das“, sagt Sandra Strahonja. Bereits am kommenden Freitag, 14. Januar, ist in den Kammerspielen die Uraufführung von „Liberté oh no no no“ zu sehen, ein Stück, das die Berliner Theaterautorin Anja Hilling im Auftrag des Schauspiels geschrieben hat. Darin geht es um eine Tochter aus gutem Hause und ihrer Suche nach einem Leben, das nicht von fremden Vorstellungen oder auch Grenzen bestimmt wird.

Mit dem Leben im Cyberspace befasst sich „Unheim“, ebenfalls ein Auftragswerk des Schauspiels, das der Berliner Regisseur und Autor Wilke Weermann geschrieben und inszeniert hat. Uraufführung ist am Freitag, 8. April. In dem Stück trifft sich eine Gruppe junger Menschen nachts im Schlaf, angeschlossen an ein Netzwerk. Dann ist plötzlich einer von ihnen tot. Nur im Netz begegnet er weiterhin seinen Freunden, denn zum Zeitpunkt seines Todes war er online.

„Der diskrete Charme der Bourgeoisie“, eine Bühnenadaption des Films des spanischen Filmemachers Luis Buñuel, ist von Samstag, 12. März, an im Schauspielhaus zu sehen. „Der große Kunstraub“, auch das ein Auftragswerk, hat am Samstag, 5. Februar, Uraufführung. Alexander Eisenach, der 2016 für seine Frankfurter Inszenierung von „Der kalte Hauch des Geldes“ mit dem Kurt-Hübner-Regiepreis ausgezeichnet wurde, hat sich als Autor und Regisseur dafür von den sogenannten Heist-Movies wie „Ocean’s Eleven“ inspirieren lassen. Es geht, wie der Titel verrät, um Kunstraub im großen Stil, aber auch um das Verhältnis von Kunst, Verbrechen und Kapital sowie um die Frage, was wir als Kulturgüter bezeichnen.

Daneben können sich die Besucherinnen und Besucher des Schauspiels Frankfurt auf Klassiker freuen. „Hedda Gabler“ von Henrik Ibsen kommt am Samstag, 15. Januar, „Die Wahlverwandtschaften“ nach dem Roman von Johann Wolfgang von Goethe am Donnerstag, 14. April, auf die Bühne. „Hiob“, eine Bühnenadaption des gleichnamigen Romans von Joseph Roth, feiert am Samstag, 7. Mai, ebenfalls im Schauspielhaus Premiere. Regie führt Johanna Wehner, vielen Frankfurterinnen und Frankfurtern durch ihre Inszenierung der „Geierwally“ und „Nachtasyl“ von Maxim Gorki bekannt. Die Musik für „Hiob“ hat Daniel Kahn komponiert, der mit seiner Klezmer-Punk-Band „The Painted Bird“ bekannt geworden ist. Am Freitag, 10. Juni, haben „Die Goldberg-Variationen“ von George Tabori Premiere, und zwar in den Kammerspielen.

Staatstheater Darmstadt

Mit fulminantem Wortwitz geht es im Staatstheater Darmstadt ins neue Jahr. Am Samstag, 29. Januar, hat in den Kammerspielen „Ernst ist das Leben (Bunbury)“, die spätviktorianische Verwechslungskomödie des irischen Schriftstellers Oscar Wilde, in deutscher Fassung von Elfriede Jelinek Premiere. Zwei Lebemänner, Algernon und Jack, wollen beide Ernst heißen, um so die Liebe ihrer jeweiligen Herzensdamen zu gewinnen.

Karten

Karten für die Premieren und Uraufführungen können online über die Webseiten der jeweiligen Theaterhäuser erworben werden.

Für den Besuch der Vorstellungen gilt in den jeweiligen Häusern zurzeit die 2G+-Regelung, das heißt, nur Genesene und Geimpfte jeweils mit tagesaktuellem Schnelltest (nur zertifizierte Bürgertests, keine Selbsttests) werden eingelassen. Personen, die bereits eine „Boosterimpfung“, also eine Auffrischimpfung, erhalten haben, sind von der Testpflicht ausgenommen.

Besucher:innen sollten sich vor dem Besuch einer Vorstellung auf den Webseiten der jeweiligen Häuser tagesaktuell über den Stand der Lage informieren. lad

www.schauspielfrankfurt.de
/www.staatstheater-wiesbaden.de
www.staatstheater-darmstadt.de

„Romeo und Julia“, die Tragödie von William Shakespeare, kommt am Samstag, 26. März, im Großen Haus auf die Bühne. Christoph Mehler hat die tragische Liebesgeschichte inszeniert. Frankfurter Theaterbesucher:innen ist er bekannt. Mehler war von 2011 bis 2014 Regisseur im Schauspiel. Eine seiner aktuellen Regiearbeiten in Darmstadt ist das Büchner-Drama „Dantons Tod“.

Das Staatstheater dramatisiert zudem zwei Romane: „Identitti“, der Roman der Kulturwissenschaftlerin Mithu Sanyal, hat am Freitag, 1. April, in den Kammerspielen Premiere. Die Tochter einer deutscher Mutter und eines indischen Vaters schildert darin die Geschichte einer Professorin für Postcolonial Studies, die sich als eine „Person of Colour“ ausgibt, aber als Deutsche geoutet wird, die weißer als weiß ist. Am Freitag, 20. Mai, feiern auch in Darmstadt „Die Wahlverwandtschaften“ von Goethe Premiere.

In „Amsterdam“, ursprünglich ein Hörspiel der israelischen Dramatikerin Maya Arad Yasur, erhält eine jüdische Musikerin eine hohe Gasrechnung. Wie sich herausstellt, stammt die Forderung der Gaswerke ursprünglich aus dem Jahr 1944. Die Hochschwangere begibt sich auf Spurensuche nach den ursprünglichen Adressaten der Rechnung. Premiere ist am Samstag, 11. Juni, in den Kammerspielen.

Theatersprecherin Christina Sweeney legt Theaterbesucher:innen aus dem Rhein-Main-Gebiet zwei Aufführungen ans Herz, die im Rahmen von „Auftritt/Enter“ entstanden sind, einem Langzeitprojekt, das der Darmstädter Stadtgesellschaft in ihrer Diversität eine Bühne geben soll: Am Samstag, 7. Mai, wird „Darmstadt represent“ in der Innenstadt zu sehen sein, am Samstag, 9. Juli, „Sound of Eberstadt Süd“, ein Festival mit einem „biografischem Konzert“. „Das ist auch etwas für Menschen, die nicht in Darmstadt leben“, sagt Christina Sweeney.

Staatstheater Wiesbaden

Einblicke in die Seele einer US-amerikanischen Stadt gibt am Freitag, 21. Januar, im Staatstheater Wiesbaden „The Minutes: Die Schlacht am Mackie Creek“. Das Stück hat am Freitag, 21. Januar, in deutschsprachiger Erstaufführung im Kleinen Haus Premiere. Geschrieben hat es Tracy Letts, dessen Broadwayhit „Eine Familie“ mit Meryl Streep verfilmt wurde. In „The Minutes“ geht es um die Errichtung eines Denkmals für einen der Stadtväter. Er soll die Kleinstadt der Legende nach vor dem Angriff einer Indianerhorde gerettet haben, doch es gibt noch eine ganz andere historische Wahrheit.

„Corpus Delicti“, ein Theaterstück der Erfolgsautorin Juli Zeh, hat am Sonntag, 23. Januar, in der Wartburg Premiere. „Corpus Delicti“, das später auch als Roman ein Bestseller wurde, zeichnet das Bild einer Gesellschaft, in der alle Lebensbereiche nur noch einer Ideologie der Gesundheit und persönlichen Fitness untergeordnet werden.

Auch Klassiker sind neu im Programm. „Der Vater“ von August Strindberg, hat am Samstag, 19. Februar, Premiere, „Drei Schwestern“ von Anton Tschechow am Freitag, 29. April, und Bodo Strauß’ Farce „Kalldewey“ am Samstag, 2. Juli. Alle Stücke sind im Kleinen Haus zu sehen.

Mit „Schöne neue Welt“ kommt am Sonntag, 13. Februar, der Romanklassiker von Aldous Huxley auf die Bühne, in dem der englische Schriftsteller die Welt im Jahr 2540 beschreibt, in der die Menschen scheinbar ein Leben frei von Sorgen und Existenzängsten führen, doch dafür einen hohen Preis zahlen.

Mit „Instame“ hat am Samstag, 19. März, im Studio des Staatstheaters ein Stück von Christoph Kohlbacher Uraufführung, dass sich mit Insta-Girls befasst, die #immeronline leben, bis sie mit der Realität konfrontiert werden. Kohlbacher, der im Staatstheater schon in unterschiedlichsten Rollen zu sehen war, debütiert mit diesem Stück als Regisseur.

Probenbild: „Ernst ist das Leben (Bunbury)“ hat am Staatstheater Darmstadt Premiere.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare