Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Landgericht Frankfurt.
+
Landgericht Frankfurt.

M. & Z. und S. & K.

Keine Welt für Freigeister: Statt Orden gibt’s eine Anklage in Frankfurt

  • Stefan Behr
    VonStefan Behr
    schließen

Prozess vor dem Landgericht Frankfurt gegen zwei Männer, die die Gauner der Immobilienfirma S&K über den Tisch gezogen haben sollen.

Frankfurt - Klaus M. (65) und Wolfgang Z. (69) sitzen am Freitag (03.09.2021) auf der Anklagebank, weil sie in einem innovativen Metier arbeiten. Sie selbst würden das wohl Journalismus nennen, die Staatsanwaltschaft nennt es Erpressung. Beides ist nicht ganz falsch.

2012 sollen die beiden laut Anklage kritisch über die Immobilienmachenschaften der S.-&-K.-Gruppe aus Frankfurt berichtet haben. Deren Gründer Stephan S. und Jonas K. hatte das Landgericht 2017 zu je achteinhalb Jahren verurteilt, weil sie Anleger um rund 240 Millionen Euro geprellt hatten. M. & Z. sollen S. & K. angeboten haben, gegen einen ordentlichen Batzen Geld die kritische Berichterstattung einzustellen sowie erschienene Artikel aus dem Netz zu nehmen.

S. & K. sollen gezahlt haben – unter anderem in Form eines mit 25.000 Euro pro Monat dotierten „Beratervertrags“, dazu noch die Erstattung saftiger „Spesen“. Tatsächlich verschwanden die kritischen Artikel aus dem Netz. Als M. aber für weitere Kritiklosigkeit zwei Millionen gefordert haben soll, S. & K. jedoch lediglich 200.000 Euro rausrückten, soll dies das Ende einer wunderbaren Geschäftsfreundschaft bedeutet haben.

Angeklagter in Frankfurt: Mischung aus Boxbudenanimateur, Bordellbetreiber und Motivationstrainer

Vor allem Klaus M. ist in der Branche kein Unbekannter. Auch das Internetportal, das er vor mehr als 20 Jahren gründete, ist immer wieder Gegenstand der Berichterstattung. 2015 fasste die Süddeutsche Zeitung das Konzept des „Graumarktpaten“ M. griffig zusammen: „Das Internetportal berichtet über den grauen Kapitalmarkt, den der Staat nur eingeschränkt reguliert. Erst veröffentlicht es negative Texte über bestimmte Anbieter ... Danach bietet es betroffenen Firmen ,Beratungsverträge‘ an. Gegen vierstellige monatliche Pauschalen löscht das Portal die diskreditierenden Texte.“

Und das Geschäft brummt. Interessant ist, dass Klaus M. sich selbst als eine Art investigativen Journalisten sieht – und behauptet, er sei es gewesen, der den S.-&-K.-Skandal publik gemacht habe. Auch sein Verteidiger präsentiert am ersten Verhandlungstag eine erfrischende Definition von Journalismus: „Artikel sind Waren. Man kann sie in Auftrag geben, man kann sie kaufen und verkaufen. Das nennt man Meinungsfreiheit.“ Nennt man nicht, aber dummes Zeug zu schwätzen, ist zweifellos Teil der Meinungsfreiheit.

Auf seinem Portal attestiert Klaus M. sich selbst „ein traditionelles hanseatisches Kaufmannsverhalten“. Für ihn seien „der Handschlag und das gegebene Wort bindend“. Das mit dem Verhalten ist Unfug, es sei denn, man betrachtet auch Klaus Störtebeker als Mitglied der Hanse. Vor dem Landgericht tritt M. jedenfalls als originelle Mischung aus Boxbudenanimateur, Bordellbetreiber und Motivationstrainer auf. Am Handschlag scheint aber was dran zu sein.

Prozess in Frankfurt: Angeklagter ist sich keiner Schuld bewusst

Emotionaler Höhepunkt der Partnerschaft mit S. & K. etwa war im Juli 2012 eine wunderschöne Klopperei in der Eigentümersuite der Gerbermühle, bei der M. im Gegensatz zu Z. nicht persönlich Hand anlegte. Dafür wird er schon mal von vermummten Gestalten auf offener Straße zusammengeschlagen. Manchmal werden auch andere Leute zusammengeschlagen.

Die Welt, durch die M. wandelt, ist keine für Feingeister. Journalisten, die kritisch über M.s Geschäfte berichten, disst er mit Name und Bild auf seinem Portal und verklagt sie auch gerne mal. „Das ist ganz normal in der Presse. Eine Hand wäscht die andere“, sagt der Mann mit dem hanseatischen Handschlag. Mittlerweile hat sich M. seinen Journalistenausweis aber an den Hut gesteckt und versteht sich nun als „Artikelhändler“. Und ist sich keiner Schuld bewusst. Er habe einen „Orden verdient“. Und bekomme eine Anklage.

Der Prozess wird fortgesetzt. (Stefan Behr)

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare