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Das Heizkraftwerk West im Gutleutviertel wird nach dem Kohleausstieg noch Jahrzehnte Erdgas verbrennen.

Heizkraftwerk

Kritik an Umstieg von Kohle auf Erdgas

  • Florian Leclerc
    vonFlorian Leclerc
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Umweltschützer bemängeln, die Mainova setze nach dem Kohleausstieg weiter auf fossile Energie.

Der Frankfurter Energiekonzern Mainova hat angekündigt, bis 2026 aus der Kohleverbrennung auszusteigen; das Heizkraftwerk (HKW) West soll statt Steinkohle Erdgas verbrennen. Das geht Umweltschutzgruppen allerdings nicht weit genug.

„Diese Lösung finde ich, ehrlich gesagt, empörend“, sagte Dorothea Korn von Klimattac Frankfurt. Mainova investiere nun 300 Millionen Euro in fossile Energie statt schon jetzt auf erneuerbare Energien zu setzen.

„So viel Geld in fossile Energie zu stecken ist grundlegend falsch“, betonte Korn. Sie erwarte, dass nach der Investition in zwei Gasturbinen auf längere Zeit nicht mehr in erneuerbare Energien investiert werde.

„Wir müssen Klimaneutralität im Jahr 2025 erreichen, um die Pariser Klimaschutzziele zu erreichen“, sagte Nathalie Bromberger von Extinction Rebellion Frankfurt. Die Verbrennung von Erdgas sei ein „unzeitgemäßer Zwischenschritt“ hin zum Einsatz von erneuerbaren Energien. „Wir steuern auf den Klimakollaps zu. Da brauchen wir Mut zu drastischeren Maßnahmen“, hielt sie fest.

Mainova spricht von Zwischenschritt

Werner Neumann vom BUND Hessen hob das Energiekonzept hervor, dass er vor knapp zwei Jahren der Mainova vorgestellt habe: „Leider hat die Mainova sich nicht darauf eingelassen, einen gemeinsamen Förderantrag zu stellen, um das Konzept weiterzuentwickeln.“ Beim Kohleausstieg im Heizkraftwerk West, dem größten Frankfurter Kraftwerk in der Gutleutstraße, schlage der BUND im ersten Schritt den Einsatz von Methan oder Erdgas statt Steinkohle vor. Methan oder Wasserstoff als Brennstoff könnten im zweiten Schritt durch Power-to-Gas-Anlagen erzeugt werden, die mit Strom aus erneuerbaren Energien betrieben würden. Sinnvoll sei der Einsatz von Wärmespeichern und Wärmepumpen. „Die Mainova braucht eine integrierte Sicht und ein ganzheitliches Konzept“, sagte er.

Die Mainova teilte mit, sie sehe den Einsatz von Erdgas ebenfalls als Zwischenschritt. Das Heizkraftwerk West soll „wasserstoff-ready“ gemacht werden, erklärte Vorstand Norbert Breidenbach. Derzeit gebe es technische Hürden bei der Nutzung von Wasserstoff. So reichten die Ressourcen an Wasserstoff bislang nicht aus; in die Gasleitungen könnten nur zehn Prozent Wasserstoff eingespeist werden; auf dem Markt seien nur Wasserstoffturbinen für kleine Kraftwerke vorhanden, nicht für große wie das Heizkraftwerk West. Neben Umweltverträglichkeit spielten auch Versorgungssicherheit und Bezahlbarkeit im Geschäftsmodell der Mainova eine Rolle.

Das Gesamtkonzept der Mainova zum Kohleausstieg sehe neben Biomasse und Erdgas/Wasserstoff die Müllverbrennung vor. Die sieben Frankfurter Kraftwerke seien in einem Verbund zusammengeschlossen. Mit Fernwärme würden mittlerweile 200 000 Kunden versorgt. Ein Teil des Dampfnetzes im Osten soll auf Heizwasser umgestellt, um Energie zu sparen. Die Umrüstung des HKW West spare 40 Prozent CO2-Emissionen ein.

Die Einsparung sei ein guter, erster Schritt, reiche aber nicht aus, sagte eine Sprecherin von Fridays for Future Frankfurt. „Wir fordern, dass Frankfurt 2030 zu 100 Prozent mit erneuerbaren Energien versorgt wird.“ Das Kraftwerk sollte 2022 vom Netz.

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