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Frankfurt braucht mehr Schulplätze: Kritik an Tempo beim Schulbau

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Von: Sandra Busch

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Das jüngste Gymnasium Frankfurts: das Gymnasium Süd. Es eröffnete nach den Sommerferien.
Das jüngste Gymnasium Frankfurts: das Gymnasium Süd. Es eröffnete nach den Sommerferien. © Christoph Boeckheler

Bei der Schaffung von Schulplätzen geht es Schülerinnen, Schülern und Eltern zu langsam voran. Die Kapazitäten seien jetzt schon ausgereizt.

Frankfurt – Drei integrierte Gesamtschulen (IGS), eine gymnasiale Mittelstufenschule, ein Oberstufengymnasium – diese neuen Schulen sieht der Schulentwicklungsplan 2020 – 2029 von Bildungsdezernentin Sylvia Weber (SPD) für Frankfurt vor. Zusätzlich zu den 23 Schulen, die nach vorherigen Plänen aufgrund der steigenden Zahl an Schülerinnen und Schülern noch gegründet werden müssen.

Die Stadt hinke der Entwicklung hinterher, kritisiert Stadtschulsprecher Hannes Kaulfersch am Montag (12. September). Eine schnell wachsende Zahl von Schüler:innen stehe dem schleppenden Bau von neuen Schulen gegenüber. „Schon jetzt sind die Auswirkungen spürbar: Die Bestandsschulen laufen voll, Jahr für Jahr steigt der Druck.“

Kapazitäten an Schulen in Frankfurt sind mehr als ausgereizt

Eigentlich sollte über den Plan im Ausschuss für Bildung und Schulbau am Montagabend abgestimmt werden. Doch die Stadtverordneten vertagten die Entscheidung. Aber auch Stadtelternbeirätin Rafaela Hartenstein kritisiert am Montag die Umsetzung der Schulentwicklungspläne. Von „extremen Rückständen“ schreibt sie in einer Mitteilung. „Mehr als ein Drittel der seit 2015 genehmigten schulorganisatorischen Maßnahmen hätten zum jetzigen Zeitpunkt schon umgesetzt sein müssen“, so Hartenstein.

Stattdessen seien viele Projekte nicht einmal in der konkreten Planungsphase angekommen. Die Kapazitäten seien an vielen Schulen schon jetzt mehr als ausgereizt, und die Situation werde aufgrund der zähen Umsetzung in Frankfurt von Jahr zu Jahr schlimmer. „Wir brauchen dringend mehr Tempo, was die Schaffung neuer Schulplätze angeht.“

Frankfurt: Größere Reserve bei Kapazitäten der Schulen gefordert

Kaulfersch sieht aber auch die Landesregierung in der Pflicht, „den Schulträgern mehr Spielräume in der Schulentwicklungsplanung einzuräumen“. Denn bei der Berechnung für neue Schulen müsse immer mit der maximalen Klassenstärke geplant werden. Das bedeute aber, dass die Spielräume bei Schulwechseln und Schulformwechseln immer kleiner würden „und unerwartete Ereignisse wie beispielsweise Migrationsbewegungen schlechter aufgefangen werden können“.

Auch Hartenstein fordert, dass grundsätzlich mehr Reserve bei der Kapazitätsplanung eingerechnet werden müsste, „um mit der tatsächlichen Dynamik Schritt halten zu können“. Auch solle der Fokus wieder auf Real- und Hauptschulen gelegt werden, und es sollten mehr kooperative Gesamtschulen gegründet werden, um die zunehmenden Schulzweigwechsel in der Mittelstufe besser auffangen zu können. Für Kaulfersch könnten zusätzliche IGS-Kapazitäten helfen, die Schüler:innen, die im Laufe der Sekundarstufe I von den Gymnasien in einen anderen Bildungsgang wechseln, besser aufzunehmen.

Stadtschulsprecher kritisiert Mittelstufenschule im Osten von Frankfurt

Eine kooperative Gesamtschule steht zusätzlich zu den fünf neuen Schulen im Plan: Die Edith-Stein-Schule, eine Haupt- und Realschule in Sossenheim, soll bis 2024 in eine kooperative Gesamtschule (KGS) umgewandelt werden und einen Gymnasialzweig erhalten.

Warum man sich allerdings für die Gründung einer Mittelstufenschule im Osten der Stadt entschlossen hat, versteht der Stadtschülersprecher nicht. „Ein Gymnasium ohne Oberstufe ist wie ein Zug, der auf halber Strecke aufhört weiterzufahren, anstatt die Fahrgäste direkt an den Zielort zu bringen“, sagt er. Ein Gymnasium mit einer eigenen Oberstufe sei sinnvoller. (Sandra Busch)

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