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Frankfurt: Kritik am Heizkraftwerk West

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Von: Florian Leclerc

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An den Gleisen entlang ziehen die Teilnehmenden rund um das Heizkraftwerk West im Gutleutviertel. Monika Müller
An den Gleisen entlang ziehen die Teilnehmenden rund um das Heizkraftwerk West im Gutleutviertel. Monika Müller © Monika Müller

Beim Rundgang um das Heizkraftwerk West fordern mehr als 60 Menschen in Frankfurt mehr Klimaschutz bei der Energieerzeugung.

Etwa 60 Menschen sind am Sonntag im Gutleut rund um das Heizkraftwerk (HKW) West spaziert und haben sich über Klimaschutz informiert. Bevor es losging, nahm die Polizei die Personalien von Alexis Passadakis (Klimattac) auf, der die Kundgebung nicht angemeldet hatte. Die Polizei ließ die Veranstaltung laufen.

Als Alexis Passadakis zum Mikrofon griff, prangerte er die Energieerzeugung im Heizkraft West an, das Tausende Haushalte in Frankfurt mit Strom und Wärme versorgt. „Das ist ein Tatort des Klimakrise“, sagte er, „das städtische Aktienunternehmen bereitet ein Klimaverbrechen vor.“

„Mainova sollte erneuerbaren Strom dezentral erzeugen“

Das HKW West erzeugt bereits seit 1894 Strom. Zuletzt waren es 273 Megawatt Strom und – über die Kraft-Wärme-Kopplung – 430 Megawatt thermische Leistung für Fernwärme. Verbrannt werden Steinkohle und Erdgas. Das erzeugt hohe Mengen an klimaschädlichem Kohlendioxid.

„Die Mainova sollte erneuerbaren Strom dezentral erzeugen“, forderte Sebastian Werner vom Klimaentscheid Frankfurt. Das Potenzial für Photovoltaik-anlagen auf Frankfurter Dächern sei nicht ausgereizt. Die Mainova sollte dabei mit der städtischen Wohnungsbaugesellschaft ABG zusammenarbeiten, sagte er. Die restliche erneuerbare Energie könne die Mainova über Windparkanlagen herstellen lassen oder einkaufen.

Auf Ablehnung stieß die Strategie der Mainova, zwei Steinkohleblöcke im Kraftwerk durch Gasblöcke zu ersetzen. Das ist laut Geschäftsbericht des Unternehmens bis Mitte 2026 geplant. Die Römer-Koalition hat sich vorgenommen, bis Mitte des Jahrzehnts aus der Steinkohleverbrennung auszusteigen und in der Folge, soweit möglich, komplett auf fossile Brennstoffe zu verzichten.

„Ein fossiler Brennstoff wird durch den anderen ersetzt“

„Im Heizkraftwerk West wird ein fossiler Brennstoff durch den anderen ersetzt“, sagte Passadakis. Wenn man die Förderkette von Erdgas berücksichtige, inklusive entweichendem Methan bei Förderung und Transport, sei Erdgas nicht klimafreundlicher als Steinkohle. „Wenn die Mainova erst mal 300 Millionen Euro investiert hat, wird sie die Gasblöcke nicht von heute auf morgen wieder vom Netz nehmen“, ist sich Passadakis gewiss.

Die Mainova hat angekündigt, das Kraftwerk in Zukunft auf Wasserstoff umstellen zu wollen. Allerdings gibt es momentan nicht ausreichend grünen Wasserstoff am Markt. Außerdem müsste die Mainova unter anderem Leitungen erneuern.

Viola Rüdele, die sich im Bündnis Verkehrswende Frankfurt und bei Klimattac engagiert, kritisierte die Verkehrsgesellschaft Frankfurt. Die VGF sei zwar von 2011 bis 2014 mit Strom aus erneuerbaren Energien gefahren. Seitdem nutze sie aber Steinkohlestrom aus dem HKW West, „weil man den Kunden nicht höhere Fahrpreise zumuten wollte“. Seit Jahren würden mehr als die Hälfte der VGF-Züge mit Kohlestrom fahren. Die Emissionen seien nach der Umstellung von mehr als 20 000 Tonnen CO2 auf mehr als 80 000 Tonnen CO2 im Jahr gestiegen. „Die VGF sollte den Pachtvertrag kündigen“, forderte sie.

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