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Frankfurt: Krise wird Armut im Alter verschärfen

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Von: Steven Micksch

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Nicht alle älteren Menschen können im Supermarkt bedenkenlos einkaufen. Viele müssen auf das Geld achten, darunter leidet die ausgewogene Ernährung.
Nicht alle älteren Menschen können im Supermarkt bedenkenlos einkaufen. Viele müssen auf das Geld achten, darunter leidet die ausgewogene Ernährung. © imago/(Symbolbild)

Die Zahl der auf Grundsicherung angewiesenen älteren Menschen in Frankfurt steigt weiter an. Die gestiegenen Energiepreise könnten dies noch beschleunigen.

In Armut zu leben, ist für viele ältere Menschen in Deutschland längst Realität. Jeder fünfte Mensch über 80 Jahre (22,4 Prozent) ist in Deutschland von Armut betroffen. Das zeigen Ergebnisse der vom Bundesseniorenministerium geförderten Studie „Hohes Alter in Deutschland“, die zwischen 2019 und 2022 erhoben wurde. Der Anteil bei den Frauen ist noch signifikant höher als bei den Männern in dieser Altersgruppe. In all diesen Zahlen sind die aktuellen Auswirkungen der Krise durch den Angriffskriegs Russlands gegen die Ukraine noch gar nicht berücksichtigt. Die gestiegenen Lebensmittel-, Gas- und Stromkosten verschärfen die Situation für die betroffenen Menschen und erweitern die Armutsquote auf Menschen, die bisher noch dachten, sie hätten ausreichend finanzielle Mittel.

Erweitert man den Rahmen der betrachteten Menschen auf das Alter 65 Jahre und älter, ergibt sich laut Bundesstatistik eine Armutsgefährdungsquote von 17,4 Prozent für das Jahr 2021. Ein Jahr zuvor lag die Quote noch bei 16,3 Prozent. Betrachtet man nur das Bundesland Hessen lag die Quote 2021 bei 17,7 Prozent, also knapp über dem Bundesdurchschnitt. Auch im Land ist die Quote von 2020 auf 2021 angestiegen (+0,4).

Eine absolute Zahl zur abschließenden Verdeutlichung: 589 000 Menschen erhielten im Dezember 2021 in Deutschland Grundsicherung im Alter. 2020 waren es 564 110 Personen über 65 Jahre und neun Monaten (das Renteneintrittsalter erhöht sich sukzessiv), die Sozialleistungen bekamen. Obwohl die Zahlen steigen, verweist die Bundesregierung immer auf den Anteil der Grundsicherungsempfänger:innen an der entsprechenden Bevölkerungsgruppe über 65 Jahre, der seit einigen Jahren recht gleichbleibend bei etwa 3,4 Prozent liegt.

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BIC: BFSWDE33MNZ

Über die Website fr-altenhilfe.de können Sie sich informieren, wie der Verein Menschen in Not unterstützt.

Nur den Anteil zu betrachten, ist letztlich ein Trugschluss, weil ein nicht unerheblicher Teil der älteren Menschen nicht unbedingt viel zum Leben besitzt. Laut Statistischem Bundesamt hatten im Jahr 2021 4,9 Millionen Rentnerinnen und Rentner ein persönliches monatliches Nettoeinkommen von unter 1000 Euro. Es darf bezweifelt werden, dass alle Menschen, die Anspruch auf Grundsicherung hätten, diese auch beantragen. Sozialverbände wie die Caritas kritisieren darüber hinaus die Höhe der Bemessungsgrenze, um Sozialhilfe beantragen zu können. Auch allein die finanzielle Lage zu betrachten, greife zu kurz. Ältere Menschen mit niedriger Rente, schrammen zwar an der Armut vorbei, hätten aber häufig keine Rücklagen, keine ausgewogene Ernährung und keine vollumfassende medizinische Versorgung, so die Caritas. Das würdevolle Leben im Alter fehlt.

Auch in der Finanzmetropole Frankfurt setzt sich der bundesweite Trend fort. Laut Stadt lag die Zahl der Bezieher:innen von Grundsicherung im Alter im September 2022 bei 13 343. Die größten Gruppen machen die 71- bis 80-Jährigen gefolgt von den 65- bis 70-Jährigen aus. Im September 2019 lag die Zahl bei 10 694, im Oktober 2021 bei 12 959.

Zur Entwicklung der Zahlen in den kommenden Monaten heißt es in einer Stellungnahme aus dem Frankfurter Sozialdezernat: „Städte und Landkreise rechnen durch die steigende Inflation und die Energiekrise kurz- bis mittelfristig durchaus mit einer höheren Steigerung der Fallzahlen. Wir erwarten einen Anstieg von Haushalten mit einem Anspruch auf Transferleistungen nach dem SGB XII beziehungsweise SGB II, da sicherlich zumindest die steigenden Heizenergiekosten zu einer Erhöhung der Bedarfe für Kosten der Unterkunft und Heizung im sozialrechtlichen Sinne führen und somit dann auch Haushalte, die derzeit lediglich auf Grund ihrer wirtschaftlichen Verhältnisse keinen Anspruch auf Transferleistungen haben, anspruchsberechtigt werden.“ In welcher Größenordnung diese Fallzahlen steigen könnten, sei derzeit nicht solide prognostizierbar.

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