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Eine Gasturbine gibt es schon, zwei weitere kommen hinzu, erläutert Mainova-Vorstand Norbert Breidenbach.

Energie

Kraftwerk verbrennt 2026 keine Kohle mehr

  • Florian Leclerc
    vonFlorian Leclerc
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Das einzige Kraftwerk in Frankfurt, das Kohle verbrennt, wird umgebaut. Die Mainova investiert 300 Millionen Euro.

Das größte Frankfurter Kraftwerk, das Heizkraftwerk West (HKW) in der Gutleutstraße, soll ab 2026 nicht mehr mit Kohle betrieben werden. Das kündigte Mainova-Vorstand Norbert Breidenbach an. Am Vortag hatte der Aufsichtsrat des Energieversorgers dem Vorhaben zugestimmt.

Demnach soll das Heizkraftwerk West ab 2023 zwei neue Gasturbinen erhalten. Bislang versorgen zwei Kohleblöcke, eine Gas- und eine Dampfturbine die Kundinnen und Kunden des Unternehmens mit Wärme und Strom.

Nach dem Umbau soll das Kraftwerk weiterhin nach dem Prinzip der Kraft-Wärme-Kopplung betrieben werden, kündigte Breidenbach an. Dabei wird die beim Verbrennen eines Energieträgers erzeugte Wärme nicht über Kühltürme an die Luft abgegeben, sondern in das vorhandene Fernwärmenetz eingespeist.

Nach dem Einbau der neuen Gasturbinen sollen die beiden Kohleblöcke abgerissen werden. „Wir wollen uns CO2-arm – oder irgendwann sogar CO2-frei – in die Zukunft entwickeln“, gab Breidenbach vor.

 Rund eine Million Tonnen Kohlendioxid pro Jahr

Derzeit erzeuge das Kraftwerk rund eine Million Tonnen Kohlendioxid (CO2) pro Jahr. Durch die Umstellung von Kohle auf Gas sowie weitere Ertüchtigungen der Infrastruktur würden rund 40 Prozent Emissionen gespart. „Die Einsparung wird 400 000 Tonnen CO2 im Jahr betragen“, kündigte Breidenbach an.

Forderungen von Klimaschutzaktivisten, das Kraftwerk ab sofort nur noch mit Erdgas zu betreiben und 2022 abzuschalten, erteilte er eine Absage. „Die vorhandenen Kraftwerkskapazitäten würden keine sichere Versorgung gewährleisten“, sagte er. Würde das Kraftwerk abgeschaltet, fehlte die sogenannte Redundanz, also das Potenzial, den Ausfall eines anderen Kraftwerks zu kompensieren. Niemand könne wollen, dass Frankfurt im Winter „eine Woche lang kalt“ sei, sagte er.

Die Mainova bezieht Erdgas den Angaben zufolge derzeit größtenteils aus Russland und Norwegen, kleinere Anteile aus deutscher und niederländischer Produktion. Breidenbach schätzt die vorhandenen Reserven des Energieträgers groß ein. Er könne noch „200 bis 300 Jahre“ genutzt werden.

Das sei aber nicht das Ziel der Mainova. Den Vorgaben der Stadtverordneten entsprechend sei der Ausstieg aus dem Kohlestrom geplant. Auch die Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF) soll dann keinen Kohlestrom mehr verwenden. „In Frankfurt sind wir dem bundesdeutschen Ausstieg aus der Kohleverbrennung um zwölf Jahre voraus“, sagte er. Kraftwerke in Deutschland sollen ab 2038 keine Kohle mehr verbrennen.

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