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„Vom Studierendenhaus zum offenen Haus.“

Begegnungsort

Ein Konzept fürs Haus der Kulturen

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30 Initiativen wollen Begegnungsort im Studierendenhaus eröffnen.

In Zeiten wachsender Fremdenfeindlichkeit und verhärteter gesellschaftlicher Fronten wollen 30 Frankfurter Initiativen ein Zeichen setzen. Nach acht Monaten Arbeit und zahlreichen Workshops legen sie jetzt ein Konzept für ein selbstverwaltetes „Offenes Haus der Kulturen“ vor. Das 1953 eröffnete Studierendenhaus auf dem alten Universitätscampus in Bockenheim soll sich zum Ort der Begegnung für soziale und politische Gruppen sowie Künstlerinnen und Künstler wandeln.

In dem Gebäude wollen die Gruppen die Herausforderungen der Gegenwart verhandeln: Klimawandel, Migration, den Angriff auf die Demokratie von rechts. Bei einem großen Fest am Samstag, 29. Juni, werden die Pläne öffentlich präsentiert. Dabei orientieren sich die Vorstellungen an dem, was heute schon Praxis ist: Im Studierendenhaus treffen sich die verschiedensten Gruppen, es gibt Musik, Vorträge, Filme, Kongresse, Ausstellungen.

Noch kein Vertrag mit der Stadt Frankfurt

Das grundsätzliche Problem: Wann das Konzept der Initiativen Wirklichkeit werden kann, ist völlig offen. Tim Schuster, der Sprecher des Vereins „Offenes Haus der Kulturen“, räumt ein, dass es noch keinen Vertrag gibt mit der Stadt Frankfurt und der städtischen Holding ABG als Eigentümerin des Gebäudes.

Klar ist auch, dass die Kommune die Organisatoren „finanziell unterstützen“ müsste, so Schuster. Die Initiativen hofften auf einen günstigen Erbpachtvertrag mit der Stadt. Aufschluss über die Haltung der Kommune erwartet der Verein von einer Podiumsdiskussion am heutigen Dienstagabend. Auf Einladung des Kuratoriums Kulturelles Frankfurt geht es im Haus der Frankfurter Sparkasse, Neue Mainzer Straße 49, um die Zukunft des Campusgeländes insgesamt. Auf dem Podium sitzen neben Schuster Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD), ABG-Chef Frank Junker und Stefan Mumme, der Vorsitzende des Forums Kulturcampus.,

Gegenwärtig können die Initiativen das alte Studierendenhaus nur „durch das Wohlwollen des Asta“ nutzen, sagt Schuster. Denn der Studierendenausschuss der Goethe-Universität belegt das Gebäude noch immer – wann er in einen Neubau auf dem Campus Westend der Universität umziehen kann, ist völlig offen. Auch der Umzug der letzten Universitätsfachbereiche auf den neuen Campus „verzögert sich grandios“, sagt Schuster.

So steht also noch ein großes Fragezeichen hinter dem Konzept der Initiativen. Sie wollen die verschiedenen Räume des Hauses in Zukunft mit einer entsprechenden Grundausstattung ausrüsten – etwa für Musik und Tanz. Das „Offene Haus“ möchte noch Kriterien für eine Auswahl und für entsprechende Anträge entwickeln. Es soll aber auch „solidarische Räume“ geben: Sie stünden einzelnen Personen und Gruppen offen, die nicht in der Lage sind, eine Miete zu bezahlen.

Proberäume im Keller

Im Zentrum steht der Festsaal, den der Verein „Offenes Haus“ vermieten will, etwa für Versammlungen, Kino und Theater. Diese Einnahmen sollen dann in den Augen der Organisatoren auch kostenfreie Veranstaltungen ermöglichen.

Das heutige „Café KoZ“ wollen die Betreiber unter einem neuen Namen weiterführen. Eine Küche soll eingebaut werden. Der gastronomische Betrieb samt Kiosk soll ebenfalls Einnahmen gerieren, allerdings, so heißt es, müsse auch der Aufenthalt „ohne Verzehrzwang“ möglich sein.

Im ersten Stock des Studierendenhauses könnten sich künftig nach diesem Konzept Bürogemeinschaften und Ateliers dauerhaft einrichten. Im Keller will man Musikproberäume anbieten, die auf Stunden- oder Tagesbasis vergeben werden.

Erhalten bleibt demnach in jedem Fall die Kindertagesstätte. Durch ihre Miete soll sie einen erheblichen Beitrag zur Kostendeckung des Hauses leisten.

Schließlich will das „Offene Haus“ in Zukunft in Zusammenarbeit mit dem Studentenwerk auch zeitlich begrenzte Unterkunft in Form eines Hostel-Modells anbieten.

Veranstaltung

Die Podiumsdiskussion zum geplanten Kulturcampus in Bockenheim heißt „Vor dem Ende oder vor dem Durchbruch?“ . Sie beginnt am heutigen Dienstag, 19 Uhr, im Vortragssaal der Frankfurter Sparkasse, Neue Mainzer Straße 49, in Frankfurt am Main.

Auf dem Podium sitzen Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD), ABG-Chef Frank Junker, Stefan Mumme, Chef des Forums Kulturcampus und Tim Schuster vom Offenen Haus der Kulturen.

Am Samstag, 29. Juni, ab 18 Uhr gibt es eine Parade der Initiativen über den Bockenheimer Campus, ab 20 Uhr eine Liveshow im Studierendenhaus.

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