+
Gegenseitige Rücksichtnahme fordert die Polizei.

Verkehr

Polizei-Kontrollen vor der Alten Oper in Frankfurt

Bei der Polizei gibt es eine Aktionswoche zum Schutz schwächerer Verkehrsteilnehmer.

Einsichtig wird der Personalausweis den Polizeibeamten gegeben: „Ja, stimmt schon, die Ampel war auf Rot.“ Doch postwendend kommt die Rechtfertigung: „Die Autofahrer sind aber schlimmer, die versperren einem die ganzen Fahrradwege.“ Die Strafe mindert das zwar nicht, jedoch muss ein Polizist dem Fahrradfahrer hier recht geben: „Allein in der letzten Woche haben wir 22 Falschparker in Bockenheim erwischt.“

„Zu wenig“, beschwert sich der erwischte Radler, der sich nun kaum über den Bußgeldbescheid von 60 Euro und einen Punkt in Flensburg freuen wird.

Er war nicht der Einzige, der am Mittwoch an der Ecke Opernplatz / Bockenheimer Landstraße erwischt wurde. Die Polizei kontrollierte im Rahmen der Aktionstage „Schwächere Verkehrsteilnehmer“ Fußgänger, Radfahrer und Autofahrer.

Die Falschparker seien ein „Riesenproblem“, sagt ein Beamter: „Mit dem Preis der Autos nimmt die Einsicht ab“, stellt er schmunzelnd fest. Autos, welche die Fahrradwege versperren, sind besonders gefährlich, da die Fahrradfahrer auf die Straße ausweichen müssen: „Trotz Handzeichen liegen die Radler dann plötzlich unter einem SUV und wissen gar nicht, warum.“

Fahrradfahrer seien in Frankfurt allgemein einem hohen Risiko ausgesetzt, sagt Erik Hessenmüller, Leiter der Direktion Verkehrssicherheit. Erst im vergangenen Jahr gab es allein im August vier Todesopfer zu beklagen. An der Oper hat es einen Radler erwischt, da ein Lastwagen ihn beim Abbiegen übersehen hatte. Fehlende Schutzausrüstung sei ein häufiger Grund für schwere Verletzungen. Hessenmüller warnt Eltern auch davor, ihre Kinder zur Schule zu fahren, denn die Kinder könnten in ihrem „Schutzraum“ nicht für den Verkehr sensibilisiert werden.

Die Beamten müssen sich einiges anhören: „Von Ihnen lasse ich mir gar nichts sagen“ oder „So eine Sauerei“. Die meisten Vergehen von Auto- und Fahrradfahrern sind ignorierte rote Ampeln und Telefonieren während der Fahrt. Aber auch Radler, die auf dem Gehweg fahren, werden angehalten: „Die Geldstrafe ist die einzig wirksame Maßnahme, sonst lernen die Verkehrsteilnehmer nichts dabei“, sagt Pressesprecherin Annegret Kaus.

Ein Passant gibt zu, dass er manchmal rote Ampeln ignoriert, wenn kein Auto in Sicht ist: „Hauptsache, ich gefährde niemanden.“ Er merkt aber auch an, dass viele Ampeln, besonders die an der Alten Oper, sehr kurz geschaltet sind: „Wie sollen denn ältere Verkehrsteilnehmer oder Menschen mit Kinderwagen da rechtzeitig über die Straße kommen?“

Bei der Aktion belegte die Polizei binnen zwei Stunden zwölf Radfahrer und sechs Autofahrer mit Bußgeldern. Die Aktion soll vor allem sensibilisieren. Denn im Alltag habe die Polizei aus Personalmangel keine Kapazitäten, sich um kleinere Verkehrsdelikte zu kümmern.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare