Extrawurst_2063745P_020920
+
Mit der Komödie „Extrawurst“ eröffnet das Fritz-Rémond-Theater die neue Spielzeit. Fritz Rémond Theater

Frankfurt

Frankfurt: Komödie und das Fritz-Rémond-Theater öffnen wieder

  • Meike Kolodziejczyk
    vonMeike Kolodziejczyk
    schließen

Die Spielstätten wollen Zeichen setzen nach einem halben Jahr Corona-Zwangspause. Mit Hygienekonzept und reduzierter Publikumszahl in die neue Saison.

Der rosa Flamingo trägt einen weißen Mund- respektive Schnabelschutz. Er ziert das Titelblatt der Programmbroschüre des Fritz-Rémond-Theaters für die neue Saison, von der niemand weiß, wie sie ablaufen wird. Gleiches gilt für die kommende Spielzeit der Komödie. „Ich bin eigentlich ein optimistischer Mensch“, sagt Claus Helmer. „Aber momentan sitzen wir im Dunkeln und sehen kein Licht.“ Am Dienstagvormittag sitzt der Direktor der beiden Theater zwar im hellen Bistro der Komödie, was an der düsteren Lage allerdings wenig ändert. Seit Mitte März sind beide Häuser geschlossen, alle 24 Mitarbeiter sind in Kurzarbeit, die Einnahmeverluste belaufen sich bislang auf knapp 200 000 Euro.

Der Spielplan für das Fritz-Rémond-Theater ging im Frühsommer in Druck, „obwohl wir da noch gar nicht wussten, ob wir im September überhaupt die neue Spielzeit eröffnen können“, sagt Helmer. Doch nun wird sie eröffnet, zum Saisonauftakt am Donnerstag, 10. September, feiert das Stück „Extrawurst“ Premiere am Theater im Zoogesellschaftshaus. Die Komödie startet einen Monat später, am 8. Oktober, mit dem Stück „Bleib doch zum Frühstück“. Für das Boulevardtheater unweit des Willy-Brandt-Platzes liegt darüber hinaus noch kein Programm vor. Schließlich wisse nach wie vor niemand, wie sich die Situation weiterentwickele. „Wir sind macht- und planlos“, sagt Helmer. Mit der Wiedereröffnung der beiden Häuser wolle er vor allem „Zeichen setzen“ und dem Publikum zeigen, „dass wir wieder da sind“.

Spielzeit 2020/2021

Das Fritz-Rémond-Theater , Bernhard-Grzimek-Allee 1, eröffnet die neue Saison am Donnerstag, 10. September, 20 Uhr, mit „Extrawurst“ von Dietmar Jacobs und Moritz Netenjakob. Die Komödie , Neue Mainzer Straße 14–18, startet am Donnerstag, 8. Oktober, mit „Bleib doch zum Frühstück“ von Gene Stone und Ray Cooney. myk Programm, Tickets und Spenden: www.fritzremond.de www.diekomoedie.de

Denn wirtschaftlich wird sich der Neubeginn mit Hygiene- und Abstandskonzept nicht auszahlen, im Gegenteil: „Er wird uns eher zusätzlich Geld kosten“, sagt Helmer. Nur noch maximal hundert Menschen können jeweils im Zuschauerraum Platz nehmen, normalerweise sind es 342 im Zootheater und 380 in der Komödie. Jede zweite Reihe bleibt frei, neben jedem belegten Sitz bleiben zwei unbesetzt, die Pausenbewirtung fällt aus. „Hundert Zuschauer pro Aufführung“, sagt Helmer, „decken unsere Unkosten nicht.“ Viele Menschen seien beteiligt und abhängig vom erfolgreichen Betrieb, bei manchen gehe es um die Existenz. Schauspieler, Regisseure und Verlage wollen bezahlt werden, ebenso wie die Personen hinter der Bühne und Kulisse, an der Kasse, in der Technik und der Gastronomie, die Reinigungskräfte und Aushilfen und, und, und …

„Wie alle Privattheater sehen wir uns schwierigen Zeiten gegenüber“, sagt Helmer. Weder vom Land Hessen noch vom Bund habe er Unterstützung erhalten. Ihm sei es aber zum Glück über die Jahre gelungen, Rücklagen zu bilden und keine Schulden zu machen. „Ich habe seriös gewirtschaftet und nur deshalb überlebt.“

Leben müsse man mit dem Virus künftig wohl oder übel. „Es geht jetzt darum, wieder Lebensqualität und Lebensfreude zu vermitteln.“ Und zwar mit Komödien, auf die die zwei Theater spezialisiert sind. Aber abgesehen von den Eröffnungsstücken sind alle angedachten Produktionen unsicher oder gar unmöglich. So kann etwa die Komödie „Wir sind alle keine Engel“ von Albert Husson, die zum Jahresende im Fritz-Rémond-Theater geplant war, nicht aufgeführt werden, weil dafür neun Darsteller auf der Bühne stehen müssten. Andere Stücke scheitern vermutlich an den Gagen prominenter Schauspieler, die sich die Häuser aktuell nicht leisten können. Obwohl er „noch nie so schlecht geschlafen“ habe wie zur Zeit, ist Helmer weiter optimistisch. Er rechnet fest damit, dass der Vorhang nun wieder aufgeht und auch offen bleibt – wenn auch vor kleinerem Publikum.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare