Auch die Deutsche Bank steht im Fkus: Das Kreditinstitut wurde 1870 gegründet mit dem Ziel, deutsche Auslandsgeschäfte zu finanzieren. 
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Auch die Deutsche Bank steht im Fokus: Das Kreditinstitut wurde 1870 gegründet mit dem Ziel, deutsche Auslandsgeschäfte zu finanzieren. 

Stadtgeschichte

Frankfurt: Koloniale Vergangenheit aufarbeiten

  • Florian Leclerc
    vonFlorian Leclerc
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Die Initiative Frankfurt postkolonial will mit Führungen eine kritische Debatte beleben - unter anderem zu Johannes von Miquel.

Zehn Jahre lang war Johannes von Miquel Oberbürgermeister in Frankfurt (1880–1890), er sanierte die Finanzen, förderte sozialen Wohnungsbau. In seiner Amtszeit entstand unter anderem der Hauptbahnhof. Die Miquelallee ist nach ihm benannt.

Was viele nicht wüssten, sagt Sebastian Garbe von der Initiative Frankfurt postkolonial: Miquel war auch Mitbegründer des Deutschen Kolonialvereins. Der Verein wurde 1882 in Frankfurt gegründet. Ein Lobbyverein, der die deutsche Kolonialexpansion vorantrieb. „Uns geht es darum, die Gesellschaft dazu zu bewegen, historische Verantwortung zu übernehmen“, sagt Garbe. Dazu brauche es eine kritische Öffentlichkeit. Die will Frankfurt postkolonial mit Führungen herstellen.

Regelmäßig begleiten Garbe und weitere Aktivistinnen und Aktivisten die Interessierten auf Rundgängen zu Orten mit kolonialer Vergangenheit. Einen Halt gibt es bei den Zwillingstürmen der Deutschen Bank. Das Kreditinstitut wurde 1870 gegründet mit dem Ziel, deutsche Auslandsgeschäfte zu finanzieren. „Die Erschließung von Ressourcen und Gütern in den Kolonien wurde durch die Deutsche Bank finanziert, aber auch Militäreinsätze wurden mit ihrer Hilfe ermöglicht“, berichtet die Initiative.

Eine weitere Station ist das Junge Museum im Historischen Museum Frankfurt, das die Originaleinrichtung eines Kolonialwarenladens zeigt. „Kolonialwarenläden beförderten den Wunsch nach kolonialer Expansion und veränderten das Konsumverhalten bis heute nachhaltig“, so die Initiative.

Auch die Kaiserstraße und der Frankfurter Zoo hätten eine koloniale Schicht, die es aufzudecken gelte. Dort fanden zwischen 1880 und 1930 sogenannte Völkerschauen statt, bei denen Menschen aus nichteuropäischen Ländern zur Schau gestellt wurden.

Der Rundgang hält bisweilen auch am Struwwelpetermuseum, mitten in der Frankfurter Altstadt. Das Museum widmet sich dem Leben und Wirken des Frankfurter Kinderbuchautors Heinrich Hoffmann. Garbe kritisiert vor allem Hoffmanns Struwwelpetergeschichte „von den schwarzen Buben“, in der rassistische Figuren und Ideen verbreitet würden. Auf sein Unverständnis stößt auch das Restaurant „The Ivory Club“ in der Taunusanlage. Ein Restaurant im Kolonialstil, das „zeitgenössische Kolonialküche“ anbiete und nach eigener Auskunft einen „englischen Explorer-Club im kolonialen Indien“ aufleben lassen will.

Diese koloniale Nostalgie verherrliche die Erinnerung an die europäische Expansionspolitik, lautet die Kritik.

Die nächste Führung beginnt am Samstag, 3. Oktober, um 11 Uhr. Sie dauert etwa zwei Stunden. Anmeldung unter: frankfurt.postkolonial.net

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