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Die Statue der Justitia steht mit einer Waage und einem Schwert in der Hand auf dem Gerechtigkeitsbrunnen auf dem Frankfurter Römerberg.
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Die Statue der Justitia steht mit einer Waage und einem Schwert in der Hand auf dem Gerechtigkeitsbrunnen auf dem Frankfurter Römerberg.

Landgericht

Koks am Kiosk – Geschäftsidee in Frankfurt scheitert

  • Stefan Behr
    VonStefan Behr
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Am Landgericht Frankfurt beginnt ein Prozess gegen einen Mann, der die Idee des Büdchens revolutionieren wollte.

Frankfurt am Main - Bedar S. ist ein echter Frankfurter Bub. Eine ordentliche Zeitspanne seines Lebens hat der 31-Jährige am Wasserhäuschen verbracht. So ziemlich alles, was er anpackt, geht schief, obwohl er selbst nie die Schuld daran trägt, sondern entweder andere oder die Umstände. Aber im Schlächdbabbeln macht ihm so schnell keiner was vor.

Das demonstriert S. am Mittwoch vor dem Landgericht, wo er sich wegen Drogenhandels verantworten muss, eindrucksvoll. Im November 2018 stellte er für den Kiosk seines Bruders, in dem er gelegentlich aushalf, ein neues Produktportfolio zusammen: Als Alternative zu Römerpils und Jägermeister sollten 750 Gramm Haschisch, 400 Gramm Marihuana und 70 Gramm Kokain das Angebot abrunden.

Frankfurt: Drogen am Kiosk verkaufen - Dealer taucht unter

Zum Verkauf kam es nie, weil irgendwer wohl geplaudert hatte und die Polizei dem Start-up ein Ende machte, als S. dabei war, die Ware zu portionieren. Er wurde festgenommen, kurz darauf von der U-Haft verschont, tauchte unter und wurde im Januar erneut festgenommen, als er im Dornbusch Drogen kaufte.

Und nun zum Schlächdbabbeln: Er habe damals in einem „finanziellen Engpass“ gesteckt, gesteht S. der Großen Strafkammer, den er durch den Konsum von Haschisch und Kokain ein wenig erträglicher habe gestalten wollen. Im November 2018 habe ihm auf der Konstablerwache der Hausdealer seines Vertrauens, der einen Sterbefall in der Familie zu beklagen gehabt und dringend nach Marokko gewollt habe, ein echtes Schnäppchen angeboten: all die schönen Drogen in einem Gesamtpaket für lächerliche 4000 Euro.

Frankfurt: Waffen bei Festnahme im Kiosk gefunden

Dass die Polizei bei seiner Festnahme im Kiosk auch zwei Baseballschläger, ein Buschmesser, ein Faustmesser, Pfefferspray und einen Teleskopschlagstock gefunden hatte, daran sei sie irgendwie selber schuld, sagt S. Der Kiosk seines Bruders sei in der Vergangenheit immer wieder Ziel der Angriffe eines verfeindeten Familienclans gewesen, der auch ihn schon mal 15 Mann hoch überfallen „und einen Freund von mir mit 38 Schüssen getötet hat – die Familie ist nicht ohne“. Damals habe die Polizei ihm geraten, sich zu schützen; das habe er getan.

Am schönsten aber ist, wie sinnvoll Bedar S. nach eigenen Angaben die Zeit seines Untertauchens genutzt hat. Nicht zuletzt, um seinen drei Kindern „ein besserer Vater zu sein“, habe er sich im Krankenhaus eine Entgiftung gegönnt und anschließend eine Drogentherapie erfolgreich abgeschlossen. Seitdem lebe er völlig clean – bis auf jenen Januartag, an dem ihn die Polizei abermals hopsnahm.

Es sei ihm damals alles ein bisschen zu viel geworden, deshalb sei er wieder ganz kurz schwach geworden. Was ihm denn zu viel geworden sei, möchte der Vorsitzende Richter wissen, Arbeit könne es ja kaum gewesen sein. Da muss S. ganz kurz ein wenig nachdenken, findet aber eine einleuchtende Begründung: „Haftbefehl und so.“ Der Prozess wird fortgesetzt.

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