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Es gibt deutlich mehr Kokain-Rückstände im Main. Zu diesem Ergebnis sind Forscher gekommen.

Mehr Rückstände im Fluss

14.000 Lines am Tag: Main verrät deutlich gesteigerten Kokain-Konsum

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Der Main in Frankfurt verrät einen gesteigerten Kokain-Konsum: Eine Untersuchung zeigt, dass sich die Rückstände in dem Fluss massiv erhöht haben.

Frankfurt - Ein bekanntes Lied der Eintracht-Fans beginnt mit der Zeile „und im Main, da schwimmt ein Fußball…“. Der Pharmazeut Fritz Sörgel wird entgegnen: Aber nicht nur ein Fußball. Denn dessen Institut für Biomedizinische und Pharmazeutische Forschung in Nürnberg hat wieder einmal den Main auf Rückstände von Kokain untersucht.

Nach Kokain-Konsum in Frankfurt landen viele Rückstände im Main

An der Staustufe in Griesheim registrierten die Forscher in ihrer Wasserprobe pro Liter 5,9 Pikogramm des Abbauprodukts Benzoylecgonin. Dies sei ein mehr als doppelt so hoher Wert wie bei der Messung 2006 an gleicher Stelle, teilte der Hessische Rundfunk mit, der die Analyse in Auftrag gegeben hatte. Institutsleiter Sörgel führt die Steigerung darauf zurück, dass heute in Frankfurt deutlich mehr Kokain konsumiert werde als noch 2006.

Das Abbauprodukt Benzoylecgonin scheiden Menschen nach dem Konsum von Kokain und Crack aus. Es gelangt dann über die Kanalisation und Kläranlagen in den Main. Daher werden die Proben üblicherweise an Orten genommen, an denen Abwasser in den Fluss geleitet werden. In diesem Jahr entnahm das Institut die Proben in Griesheim, an der Main-Neckar-Brücke und an der Werksbrücke West in Höchst. Auch dort war gegenüber 2006 eine Steigerung der Rückstände um rund 50 Prozent zu verzeichnen und insgesamt sogar der höchste Wert.

Frankfurt hat laut Berechnung knapp 17.000 Kokain-Konsumenten

Unklar ist, welche Rückschlüsse die Ergebnisse auf das Konsumverhalten in der Stadt zulassen. Bei einer ähnlichen Untersuchung 2009 hatte Sörgel berechnet, dass etwa 17.000 Kokain-Konsumenten in Frankfurt leben würden. Zu einer solchen Berechnung wollte sich der Forscher diesmal nicht hinreißen lassen. „Wir wissen ja nicht, wie viel der Einzelne konsumiert“, sagte Sörgel auf FR-Anfrage. Die gemessenen Rückstände rechnete er aber auf „Lines pro Tag“ um.

Frankfurt: Bis zu 14.000 Kokain-Lines am Tag

Eine Line entspricht einem Konsum von 100 Milligramm Kokain. Demnach lässt das Mainwasser in Griesheim auf 13.908 Lines pro Tag schließen, an der Werksbrücke West gar auf 14.589. Auch die Europäische Beobachtungsstelle für Drogen erhebt solche Zahlen. 2017 landete Frankfurt beim Kokainkonsum unter 60 untersuchten europäischen Metropolen auf Rang 14 – noch vor Städten wie Berlin oder Paris.

Es ist ein Rekordfund: Auf einem Containerschiff in Hamburg hat der Zoll 4,5 Tonnen Kokain entdeckt. Auf dem Main in Frankfurt ist zudem eine mehrere Kilometer lange Öl-Spur entdeckt worden.

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