+
Nachverdichtung in der Platensiedlung. 

Wohnungsgesellschaft

Frankfurt: Die ABG könnte Mieten senken

  • schließen

Die Wohnungsgesellschaft ABG könnte die Mieten für Haushalte, deren Einkommen für den Bezug von Sozialwohnungen oder Mittelstandswohnungen berechtigt, senken. Dafür gibt es bereits konkrete Pläne.

Die Frankfurter Wohnungsgesellschaft ABG könnte künftig zur Hälfte geförderten Wohnraum errichten. Das hat Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD), der Aufsichtsratsvorsitzende der städtischen Gesellschaft, am Freitag bei der Vorstellung des Geschäftsberichts für 2018 klargemacht. Zu 50 Prozent Sozialwohnungen und sogenannte Mittelstandswohnungen zu bauen, sei nicht zu hoch gegriffen, sagte er auf Fragen hin. Da seien sich ABG-Geschäftsführer Frank Junker, Planungs- und Wohnungsdezernent Mike Josef (SPD) und er einig. Junker sagte, die ABG bewege sich jetzt schon in Richtung 50 Prozent. Im vergangenen Jahr habe sie zu 44 Prozent geförderte Wohnungen errichtet. Von diesen habe es sich bei einem Drittel um Sozialwohnungen gehandelt.

Als Kompensation soll die ABG, die zuletzt nicht mehr im Bauträgergeschäft tätig war, zu zehn Prozent Eigentumswohnungen bauen dürfen. Das könne zudem Ressourcen schaffen, um Mieten bei der Wohnungsgesellschaft, die schon jetzt nur noch um fünf Prozent in fünf Jahren steigen dürfen, teilweise sogar zu reduzieren, sagte Feldmann.

Nach FR-Informationen geht es bei diesem Vorschlag darum, die Mieten von Haushalten, die von ihren Einkommen her Anspruch auf eine Sozialwohnung oder eine Mittelstandswohnung hätten, unter bestimmten Voraussetzungen auf ein Niveau von 6,50 Euro pro Quadratmeter beziehungsweise 8,50, 9,50 oder 10,50 Euro zu senken. Die Stadt würde für die Mindereinnahmen der ABG aufkommen. Auch der Vorschlag, dass die ABG zu 50 Prozent geförderte Wohnungen bauen soll, dafür aber zu zehn Prozent Eigentumswohnungen errichten darf, ist nach FR-Informationen Teil einer zwischen Josef und Junker erzielten Einigung über die Wohnungspolitik der ABG, die bereits Thema in der wöchentlichen Koalitionsrunde von CDU, SPD und Grünen war.

Die Jahresbilanz

Einen Überschuss von 112,7 Millionen Euro weist die städtische ABG Frankfurt Holding im Geschäftsbericht für 2018 aus. Das ist ein Plus von 18,4 Millionen Euro im Vergleich zum Vorjahr, der aber zum größten Teil auf einen Einmaleffekt zurückgeht. Der Umsatz stieg auf 511,5 Millionen Euro, die Eigenkapitalquote auf 39,6 Prozent.

52 286 Wohnungen gehörten Ende 2018 der ABG. Das sind 670 mehr als Ende 2017. In ihrem Eigentum sind auch 934 gewerbliche und sonstige Objekte und 33 672 Garagen und Stellplätze.

Die ABG investierte 226 Millionen Euro in Neubauten, 117,4 Millionen Euro in den Gebäudebestand.

Mit der Erhöhung der Sozialquote und einer Absenkung der Mieten für Haushalte mit Einkommen, die zum Bezug von Sozial- oder Mittelstandswohnungen berechtigten, käme die Stadt den Forderungen der Initiativen, die für einen „Mietentscheid“ – einen Bürgerentscheid zur Geschäftspolitik der ABG – kämpfen, zumindest entgegen. Feldmann betonte trotzdem, dass er diesen ablehnt. Er wandte sich insbesondere gegen das Ziel, dass die ABG nur noch geförderten Wohnraum errichten soll. Diese müsse weiterhin auch für den freien Markt bauen, sagte der Oberbürgermeister. Konkurrenz belebe das Geschäft – und die städtische Wohnungsgesellschaft wirke dämpfend auf die Preise und Mieten. Feldmann nannte die ABG gar eine der schärfsten Waffen im Kampf gegen Wohnungsspekulation.

Junker nannte Zahlen, die zeigen sollen, in welchem Umfang die ABG bereits jetzt ihrer Aufgabe, Wohnraum für alle zu schaffen, nachkommt. Danach gehören ihr 48,2 Prozent der Sozialwohnungen in Frankfurt. Von den inzwischen 52 884 Wohnungen im Bestand der ABG seien etwa 30 Prozent öffentlich gefördert.

Der ABG-Geschäftsführer wies, ohne mit einem Wort auf die Forderungen des Mietentscheids einzugehen, auch erneut darauf hin, dass die Gesellschaft erfolgreich wirtschaften müsse, um ihr großes Investitionsprogramm stemmen zu können. Derzeit hat die ABG nach seinen Zahlen 1968 Wohnungen in Bau. Sie plant für die kommenden fünf Jahre Investitionen in Höhe von 2,3 Milliarden Euro für den Bau von mehr als 8100 Wohnungen. Große Neubauprojekte sind etwa geplant für das Hilgenfeld nördlich des Frankfurter Bergs, wo 850 Wohnungen entstehen sollen, und südlich des Rebstockparks, wo sogar 2200 Wohnungen gebaut werden könnten.

Stark investiert die ABG zudem in die Nachverdichtung ihrer Siedlungen. Junker sieht ein Potenzial von gut 2300 Wohnungen. Als ein Vorbild gilt das ABG-Projekt in der Platensiedlung, wo bereits 14 Häuserzeilen um je zwei Geschosse aufgestockt wurden.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare