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An jedem Montag kocht eine andere Frau ihr Lieblingsgericht, das auch die Restaurantgäste bestellen können.

Frauentag

Frankfurt: Köchinnen im Rampenlicht statt versteckt hinterm Herd

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Beim „Maneater Monday“ treffen sich Gourmetköchinnen mit Imbissbuden-Betreiberinnen, um sich in der immer noch männerdominierten Kochwelt gegenseitig zu bestärken.

Der Name „Maneater Monday“, frei übersetzt so viel wie „der Montag der Männerfresserinnen“, sei während eines kreativen Meetings bei ganz viel Schnaps entstanden, erzählt Ubin Eoh. Aber nein, es werden weder Männer montags im vegetarischen Restaurant Leuchtendroter im Frankfurter Ostend auf Tellern serviert, noch geht es um Femmes fatales wie in dem Popsong „Maneater“ von Nelly Furtado. „Der Name soll provozieren. Klar wollen wir zeigen, dass Frauen in der Gastronomie immer noch unterrepräsentiert sind, aber ohne dabei verbissen zu sein“, erzählt Eoh, die als Teil des Leuchtendroter-Teams rund um Geschäftsführerin Denise Omurca und die Kommunikationsdesignerin Justina Honsel die Abende plant.

Ein Teil der „Maneater Monday“-Frauen: Valentina Bedoya, Kristina Hala, Beate Braun, Angela Lederer, Sibel Bakanhan und Luise Hoepfner (v. l.).

„Es geht darum, Spaß zu haben, die Frauen miteinander zu vernetzen und sie gleichzeitig ins Rampenlicht zu stellen – von der Imbissbesitzerin bis zur Sterneköchin“, sagt Eoh. Seit November läuft der Maneater Monday.

An jedem Montag kocht eine andere Frau ihr Lieblingsgericht, das auch die Restaurantgäste bestellen können. An diesem Abend ist es die Gourmetköchin Beate Braun, die normalerweise im Stanley Diamond im Frankfurter Bahnhofsviertel kocht. Und das tut sie nicht hinten versteckt in der Küche, sondern in einer offenen Küchenzeile. „Damit sie als Köchin für alle sichtbar ist“, sagt Eoh. Beate Braun ist seit 2015 beim Stanley Diamond, vor zwei Jahren ist sie zur Küchenchefin aufgestiegen. Braun findet die Gastroszene insgesamt hart, denkt aber nicht, dass es für Frauen schwerer sei als für Männer. Man müsse es eben sehr wollen. „Ich wollte nie etwas anderes machen und mache es auch nach 20 Jahren immer noch supergerne“, sagt die 40-Jährige. Und: „Ich würde anderen Frauen den Beruf weiterempfehlen.“

Beate Braun sagt: „Im Stanley Diamond sind wir von innen her sehr weiblich besetzt, aber nach außen bekannt sind wahrscheinlich eher die Chefs.“ Und tatsächlich: Viele denken als Erstes an die beiden Betreiber James und David Ardinast. Dabei hat das Restaurant sowohl eine Küchenchefin als auch eine Restaurantleiterin. Heute hat sich Beate Brauns Chef James Ardinast unter die Gäste gemischt. „Uns ist wichtig, dass wir in gewissen Positionen Frauen sitzen haben. Beate hat den Job aber nicht bekommen, weil sie eine Frau ist, sondern weil sie die Beste für den Job war“, sagt er.

Status Quo Köchinnen

Deutschlandweitgab es zum Stichtag am 30. Juni 2019 laut Bundesagentur für Arbeit 238 448 sozialversicherungspflichtige Köchinnen und Köche in Deutschland. Davon waren 68 Prozent Männer und 32 Prozent Frauen. In Hessen waren es 28,5 Prozent Frauen.

Unter den Auszubildenden, die 2019 in Hessen ihre Kochausbildung abgeschlossen haben, liegt der Frauenanteil nach Angaben des Bundesinstituts für Berufsbildung bei 21 Prozent. rose/hsr

Angela Lederer und Sibel Bakanhan, die Betreiberinnen des veganen Cafés Plants & Cakes auf dem Oeder Weg, sind zum ersten Mal dabei. Die beiden 28-Jährigen tauschen sich mit den anderen Frauen sofort aus. „Frauen sind gut darin, sich gegenseitig runterzuziehen. Uns selbst ist das völlig fremd. Wir sind beste Freundinnen, seitdem wir 14 sind, machten zusammen die Ausbildung zur Hotelkauffrau, haben uns dann aber entschlossen, unser eigenes Café zu eröffnen“, sagt Bakanhan. Luise Hoepfner, die in ihrem Café Vif im Westend Tagesgerichte anbietet, lädt die beiden gleich ein, bei ihrem Gastro-Podcast „Zwei zu Tisch“ mitzumachen.

Sie sagt: „In meinem Café arbeiten nur noch Frauen. Ich arbeite besser mit ihnen als mit Männern zusammen.“ Auch die Kolumbianerin Valentina Bedoya ist regelmäßig beim Maneater Monday. In ihrem Restaurant „Enamor – La casa del Chef“ kocht sie für die Mitarbeiter des US-amerikanischen Generalkonsulats lateinamerikanische Speisen. Sie erzählt: „Ich habe in Kolumbien Jura studiert und als Anwältin gearbeitet. Und zwar, weil mir lange der Mut fehlte, als Frau in die Gastronomie zu gehen.“ Aber dann entschied sich die heute 38-Jährige doch, ihren gut bezahlten Job aufzugeben.

Das Thema Familiengründung kommt am Tisch auf. „Die Gastronomie ist ein hartes Business, da braucht man seine ganze Leidenschaft und Zeit. Wenn ich da eine Babypause einlegen würde, könnte ich meinen Laden schließen“, sagt Valentina Bedoya. Keine der Frauen am Tisch ist Mutter. Luise Hoepfner, die früher im Eventmanagement arbeitete, sagt: „Gerade die Anfangszeit im Café war hart. Auch für die Beziehung. Aber mein Freund hat mich immer sehr unterstützt.“ Sibel Bakanhan sagt: „Mein Freund geht mit dem Hund Gassi, weil mir selbst dafür die Zeit fehlt. Irgendwann will ich schon ein Baby. Aber gerade ist unser Baby unser Café.“

Bedoya fragt: „Warum können Frauen im Jahr 2020 eigentlich immer noch nicht die Hauptverdiener sein und die Männer zu Hause bleiben?“ Sie selbst sei nicht bereit, ihren Traumberuf aufzugeben. „Der Job erfüllt mich und macht mich glücklich.“ Ähnlich sieht das Luise Hoepfner. Kinder zu haben könne sie sich mit der Arbeit im Café so gar nicht vorstellen, das sei aber auch aktuell kein Thema.

Warum nehmen sie sich trotz ihrer wenigen Freizeit den Montagabend, um sich zu treffen? Sie seien hier, um sich als Frauen gegenseitig zu bestärken, sagt Hoepfner. „Um füreinander aufzustehen.“ Alle am Tisch nicken.

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