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Was ist wichtiger: Pünktlichkeit und Komfort oder der Preis?

Nahverkehr

Frankfurt: Koalition uneins bei 365-Euro-Ticket

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Die SPD und die Grünen im Römer stimmen einer günstigeren Jahreskarte im Verbundgebiet des RMV zu, die CDU nicht. Sie begründet, warum.

Die Koalition im Römer hat bislang keine einheitliche Position entwickelt, ob sich das Rhein-Main-Gebiet als Modellregion für ein 365-Euro-Ticket im Nahverkehr eignen würde. Während SPD und Grüne den Vorstoß des Frankfurter Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) begrüßten, reagierte die CDU-Fraktion skeptisch.

Feldmann, als Aufsichtsratsvorsitzender des RMV, und sein Stellvertreter Ulrich Krebs (CDU), Landrat des Hochtaunuskreises, hatten zuvor per Brief ans Bundesverkehrsministerium den Wunsch bekundet, das RMV-Gebiet zur Modellregion eines 365-Euro-Tickets zu machen. Die Bundesregierung sieht innerhalb ihres Klimaschutzprogramms zehn Testregionen vor.

365-Euro-Ticket - ein Wahlkampfthema

Das 365-Euro-Ticket scheine für den Oberbürgermeister ein geeignetes Wahlkampfthema zu sein, sagte Martin Daum, der verkehrspolitische Sprecher der CDU im Römer. „Aber ist es auch die richtige Lösung für den Nahverkehr?“, fragte er. Pendler würden eher vom Auto auf Bus und Bahn umsteigen, wenn das Angebot im Nahverkehr zuverlässig und die Infrastruktur besser ausgebaut sei, gab er zu bedenken. Vom Preis für das Ticket allein hänge die häufigere Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs nicht ab.

„Wir wollen versuchen, alle Städte, Gemeinden und Kreise im Rhein-Main-Verkehrsverbund zu gewinnen, um gemeinsam einen Antrag zur Modellregion auf den Weg zu bringen“, sagte hingegen Angela Hanisch, Stadtverordnete der Grünen im Römer. Ein 365-Euro-Ticket, wie es auch die grüne Oberbürgermeisterkandidatin Nargess Eskandari-Grünberg im Frankfurter OB-Wahlkampf gefordert hatte, wäre „ein großartiger Schritt für eine ökologische und soziale Mobilitätspolitik und ein nächster Schritt zur Verkehrswende“, sagte Hanisch.

Unterstützt wird das 365-Euro-Ticket von der Opposition

„Aufgrund der sehr vielfältigen Pendlerströme innerhalb der Region hat eine Insellösung für einzelne Städte aus der Region wenig Sinn“, sagte auch Ursula Busch, die Fraktionsvorsitzende der SPD im Römer. Sie erwarte, dass der hessische Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) sich für diesen Vorschlag ausspreche und keine „kleine Lösung“ mit Wiesbaden und Mainz bevorzuge. Unterstützt wird das 365-Euro-Ticket im RMV-Gebiet auch von Teilen der Opposition im Römer. „Der ÖPNV ist in Frankfurt bekanntlich zu teuer. Dabei ist er ein zentraler Punkt für die Verkehrswende und eine CO2-Reduzierung“, sagte Martin Kliehm, Co-Fraktionsvorsitzender der Linken. Ein Einheitstarif im RMV-Gebiet oder hessenweit wäre in seinen Augen „ein wichtiger Schritt hin zu einem Nulltarif“. Der Deutsche Gewerkschaftsbund Frankfurt/Rhein-Main befürwortet die Einführung des Tickets ebenfalls. Der Fahrgastverband Pro Bahn befürchtet indes, dass die Kapazitäten im öffentlichen Nahverkehr nicht ausreichen, um viele zusätzliche Fahrgäste aufzunehmen.

Hier lesen Sie: Haben SPD und CDU bereits einen Deal zum Ende der Mainkai-Sperrung?

Wie die SPD im Römer mitteilte, will der Bund Ende November entscheiden, wie viel Geld für die Modellregionen zur Verfügung steht. Der RMV geht davon aus, dass ihn das 365-Euro-Jahresticket im Verbundgebiet jährlich zwischen 160 und 190 Millionen Euro kosten würde. Diese Kosten wären nur teilweise durch zusätzliche Ticketeinnahmen gedeckt.

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