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Kirschernte im heimischen Garten. 

Bewusst essen

Klimagourmet-Woche zeigt Gesundes aus dem Garten

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Die Klimagourmet-Woche erinnert mit vielen Aktionen daran, was gut für die Menschen ist – und fürs Klima. Sie beantwortet auch die Frage, wie wir ohne Fleisch an das nötige Eiweiß kommen.

Die Kuh kann nichts dafür. Die Kuh muss atmen, und dabei entsteht klimaschädliches Methan. Aber was soll sie machen? Lassen wir sie also in Ruhe – auch was ihren Verzehr angeht. Denn unser Steak auf dem Teller, das kann sehr wohl etwas dafür. Oder besser gesagt: wir.

So lautet eine der Kernbotschaften, wenn es um die allgegenwärtige Klimakrise geht. Wir sollten unseren Fleischverzehr einschränken, denn er sorgt auf allen Ebenen für Probleme. Deshalb sagt auch Maike Thalmeier von der Agentur Ubermut, eine der Planerinnen der jährlichen Klimagourmet-Woche: „Fleischlos ist das große Thema. Wenn wir alle einmal pro Woche das Fleisch weglassen, haben wir schon einen großen Hebel.“

Darum geht es in dieser langen Woche bis zum 15. September: Hebel zu zeigen, über Wege zu diskutieren, wie wir durch unsere Ernährung dem Weltklima helfen können – und unserer eigenen Gesundheit. Wenn wir aus Einsicht das Fleisch sogar ganz weglassen: „Wo kommen dann unsere Proteine her?“, fragt Maike Thalmeier. Diverse Verkostungen unter den mehr als 40 Klimagourmet-Veranstaltungen geben die Antwort. Spoiler: Hülsenfrüchte und Vollkorn liefern Proteine. Und die Larven männlicher Bienen, wie die Woche zeigen wird.

DIE WOCHEBis zum 15. September stehen rund 40 Veranstaltungen auf dem Programm der Klimagourmet-Woche.

An diesem Samstag etwa öffnet das „Neue Museum für Bienen“ im Museum Angewandte Kunst mit Honigverkostung und interessanten Ernährungstipps, Stichwort: männliche Bienen (14 bis 16 Uhr). Ebenfalls am Samstag: Backen mit der Sonne (15 Uhr, Stadtteilfest Gallus auf der Frankenallee) und der Film „10 Milliarden – wie werden wir alle satt“ im Glashaus der Gärtnerei Klumpen, Dortelweiler Straße (18 Uhr).

Am Sonntag radeln Klimafreunde unter anderem 20 Kilometer vom Bornheimer Uhrtürmchen durch das Ostend und Fechenheim nach Oberrad und besuchen Urban-Gardening-Projekte (Start: 10.30 Uhr). Das sind nur kleine Ausschnitte aus dem großen Angebot.

Programm und alles Wissenswerte: www.klimagourmet.de. ill

Bienenlarven? Da verziehen sich viele Gesichter. Und das werden sie häufiger tun, etwa in der preisgekrönten interaktiven Klimagourmet-Ausstellung in den Räumen der Verbraucherzentrale. Sie führt vor Augen, wie viel klimafreundlicher es ist, Tomaten aus dem eigenen Garten zu essen und nicht jene, die im Gewächshaus gezogen oder mit dem Flugzeug angereist sind. Also: nur im Sommer – oder eingemacht. Die Schau macht auch klar, wie unterschiedlich schwer die Produktion von Brot, Fisch, Hühner-, Schweine- und Rindfleisch in der CO2-Bilanz wiegt. Und sie erklärt an einer neu hinzugekommenen Station, dass mit Erreichen des Mindesthaltbarkeitsdatums wahrlich nicht immer das Lebensmittel ungenießbar wird.

„Es ist gut für mich und gut fürs Klima, wenn ich mich vegetarisch ernähre“, sagt Wiebke Franz, Ernährungswissenschaftlerin bei der Verbraucherzentrale. „Und je fettreicher die Produkte sind, desto besser ist es, sie wegzulassen.“

Die Klimagourmet-Woche, veranstaltet vom Frankfurter Energiereferat und dem Netzwerk Nachhaltigkeit Lernen, baut auf die Arbeit der zahlreichen Organisationen auf, die sich zum Netzwerk Klimagourmet zusammengeschlossen haben, von Back to the Roots über den Frankfurter Ernährungsrat und solidarische Landwirtschaftsgemeinschaften bis zum Zentrum Ökumene. Sie wollen den Menschen den Klimaschutz regelrecht schmackhaft machen. Die jährliche Aktionswoche handelt daher viel vom Selbermachen: vom Gärtnern, Pflücken, Backen, Kochen, aber auch vom Einmachen, vom Teilen – und vom Wiederbeleben ursprünglicher Methoden. Die seien nämlich oft weitaus nachhaltiger als die moderne Lebensmittelindustrie.

Etwa 3500 Teilnehmer an der Klimagourmet-Woche zählten die Veranstalter im vorigen Jahr. Diesmal wird auch viel Musik dabei sein, es gibt Vorführungen zum „Kochen mit der Sonne“ (per Solarkocher) und zur uralten Technik der Kochkiste, energiesparende Vorläuferin des Niedrigtemperaturgarens.

Die Verbraucherzentrale und der Verein Umweltlernen bieten Workshops für Kinder- und Schülergruppen an, nicht nur in der Aktionswoche, auch darüber hinaus. Die Nachfrage sei durch die Bewegung „Fridays for Future“ stark gestiegen, sagt Monika Krocke von Umweltlernen: „Uns wird die Bude eingerannt. Lehrerinnen und Lehrer merken, wie sie an das Thema andocken können.“

„Ernährung ist ein Baustein, der uns hilft, mit Spaß und Genuss unser Verhalten zu ändern“, sagt Paul Fay vom städtischen Energiereferat. Bis zum 15. September lässt sich darüber viel lernen.

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