Umweltausschuss

Frankfurt: Klima wird besser

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Der Umweltausschuss zeigt sich deutlich offener für Anliegen der „Fridays for Future“ - vier Forderungen stehen weit vorn auf der Liste der Kritiker.

Es soll Zeiten gegeben haben, da trafen sich die Ausschüsse der Stadtverordneten am Tag des Neujahrsempfangs im Römer für ein kurzes Handheben, für ein Abnicken der Tagesordnung, und dann ging es hinüber zu Sekt und Würstchen, zum Hoch-die-Tassen. Die Zeiten sind vorbei.

Nicht weniger als vier junge Aktivistinnen und Aktivisten der „Fridays für Future“ meldeten sich am Donnerstagabend zu Wort, flankiert von weiteren Mitstreitern, um der Frankfurter Stadtpolitik die inzwischen schon gewohnte monatliche Standpauke zu halten – Empfang hin, Empfang her. Eine gute Stunde dauerte das, und vier klare Forderungen kamen auch bei den Fraktionen an: Erstens: Sonnenkollektoren auf alle Frankfurter Dächer. Zweitens: Die Kohleverbrennung im Heizkraftwerk muss sofort aufhören, nicht erst zur Mitte des Jahrzehnts. Drittens: kostenloser öffentlicher Nahverkehr für alle. Viertens: unverzüglich den Flughafenausbau stoppen.

„Sache der Gerechtigkeit“

„Wir verlangen, dass Frankfurt mit gutem Beispiel vorangeht“, sagte eine „Fridays“-Sprecherin. „Der Kampf gegen den Klimawandel ist eine Sache der Gerechtigkeit, sagte die nächste, „Klimawandel kostet Leben“.

Das sind Punkte, die die Jugendprotestbewegung auch im vergangenen Jahr bereits vorbrachte. Neu war, wie die Politiker am Montag darauf reagierten. Ausschussvorsitzende Angela Hanisch (Grüne) ging direkt auf die Vorwürfe ein, äußerte Verständnis und bat um Geduld: Die Maßnahmen der im Dezember beschlossenen Frankfurter „Klimaallianz“ benötigten etwas Zeit. Auch Hanischs Parteikollegin, die Umweltdezernentin Rosemarie Heilig, setzte auf Konsens. „Ich verstehe, dass Sie es gern schneller hätten – mir geht es auch viel zu langsam.“

Heilig sprach eine Einladung an die „Fridays“ aus: zum Dialog über die Klimaallianz und über CO2-Einsparungen. „Treten Sie uns auch weiterhin in den Hintern!“, schlug sie vor. Auch Roger Podstatny (SPD) machte den Klimakritikern ein Gesprächsangebot. „Ich verstehe Ihre Ungeduld, so war ich in dem Alter auch“, sagte er.

Dass die Linken-Fraktion die Forderungen der jungen Sitzungsbesucher voll unterstützte, schloss an die Erfahrungen der vorigen Sitzungen an. Neu war die große Offenheit, das sichtbare Bemühen, das auch Grüne und SPD den „Fridays“ entgegenbrachten und das von der Gegenseite honoriert wurde. Dass die Grünen zugleich anmerkten, Rechenzentren seien ein großes Problem bei den CO2-Emissionen, und Schüler sollten vielleicht auch mal über ihre Handy-Nutzung nachdenken, sorgte dann aber für Widerspruch. „Ich finde es ein bisschen lächerlich, uns die Handys vorzuwerfen“, sagte einer der jungen Bürger. „Ein Flugzeug verballert so viel CO2, dafür kann ich das Handy mein ganzes Leben lang laufen lassen.“ So viel Harmonie war dann halt doch nicht drin.

Derselbe junge Mann wies anschließend im saloppen Befehlston das Grünflächenamt an, das Baumkataster schneller zu aktualisieren und sprang so den Damen von der Bürgerinitiative Grüneburgpark und ihrem Anliegen bei. Man hilft sich ja gern mal. Das ist gut fürs Klima. Zum Empfang im Römer kamen die Umweltpolitiker dann auch nur leicht verspätet.

Die „Fridays for Future“ starten mit einer überregionalen Großdemo in Mainz ins Protestjahr 2020. Auch Aktivistinnen und Aktivisten aus Frankfurt sind dabei.

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