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Dank Susanne Hisgen und Kay Mack sind die Mauerseglernester in Bonames wieder frei.

Tierschutz

Frankfurt: Kleine Mauersegler in Not

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Eine Gerüstbaufirma blockiert Nester in Bonames fast einen ganzen Tag lang. Es gibt eine dramatische Rettung der Küken mit Polizei- und Feuerwehreinsatz.

Früher Morgen an der Alten Schule in Bonames: Ein Mauersegler bringt Futter in einen der zwölf Nistkästen unter der Dachtraufe. Sofort setzt überall vielstimmiges Geschrei ein: Wir wollen auch was, wir auch! Als Kay Mack und Susanne Hisgen die Rufe hören, schauen sie sich ernst an: „Das war knapp.“

Denn jetzt ist den Naturschützern klar: Es waren keine Vogeleier, die dort oben viele Stunden eingesperrt waren – es waren schon geschlüpfte Küken. „Die wären uns glatt verhungert“, sagt Mack.

Aber der Reihe nach. Am Sonntagmorgen, etwa um halb elf, kommt Susanne Hisgen an dem Gebäude im alten Ortskern vorbei. „Hallo? Was ist denn das?“, fragt sich die Kassiererin des Naturschutzvereins Bonames, als sie sieht: Ein Baugerüst ist dort angebracht worden, und es versperrt mitsamt einem Netz den Zugang zu den zwölf Nistplätzen. Die Kästen dort sind seit mehr als 20 Jahren das Hauptquartier der stattlichen Bonameser Mauerseglerbevölkerung,

Kay Mack, Zweiter Vorsitzender des Vereins, ruft sofort die Polizei, die auch schnell da ist und erste Versuche unternimmt, das Netz zu entfernen. Er informiert sich bei der Mauersegler-Initiative und erhält von Heidi Wieduwilt wichtige Hinweise: Die Lage kann schnell dramatisch werden, die Küken brauchen dringend Futter zum Überleben – und einen Nistplatz zu verschließen, ist ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz.

Freiwillige Feuerwehr alarmiert

Mack alarmiert die Freiwillige Feuerwehr. Kurze Zeit später erscheinen die Brandschützer mit einem Drehleiterwagen an der Alten Schule – und fast gleichzeitig ein Trupp der Gerüstbauer. Die Männer tragen in aller Eile das oberste Stockwerk des Gerüsts ab. Die Nester sind wieder frei.

„Von Samstagabend bis zum frühen Sonntagnachmittag war der Zugang versperrt“, sagen die Leute vom Naturschutzverein. Viel zu lang für Mauerseglerküken, die dauernd mit Insekten gefüttert werden müssen. Der Verein hat sich daher an die Untere Naturschutzbehörde (UNB) gewendet. „Unsere Mitglieder und Anwohner in Bonames sind sehr aufgebracht“, heißt es in dem Schreiben, die Sorge um den Mauerseglerbestand durch die „unverzeihlich gedankenlose Aktion“ sei groß. Schließlich gehe es um ganz besondere Vögel: „Für uns Bonameser sind die Mauersegler Symboltiere.“

Die Behörde hat sich des Falls angenommen und die Gerüstbaufirma angewiesen, den freien An- und Abflug der Vögel bis zum Ende der Brutzeit sicherzustellen. Welche Folgen das Ganze haben wird, will die UNB prüfen. Es kommt immer wieder vor, dass Nistplätze bei Haussanierungen zerstört oder blockiert werden; die Deutsche Gesellschaft für Mauersegler kämpft seit vielen Jahren gegen diese Ignoranz an. Auch andere Vogelarten, beispielsweise Schwalben, sind häufig betroffen.

Der Naturschutzverein regt an, die Gerüstbaufirma könnte schon einmal ihren guten Willen zeigen – etwa mit einer Spende für den Vogelschutz. Susanne Hisgen und Kay Mack betonen: „Hier in Bonames sind Leute, die auf die Natur achten. Das soll allen bewusst sein.“

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