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Ganz entspannt im Gefängnisinnenhof, beim Sommerfest im Klapperfeld.

Autonomes Zentrum

Klapperfeld Frankfurt: Sommerfest zeigt Porträts von sieben Abschiebehäftlingen

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Beim Sommerfest im Klapperfeld ist eine eindringliche Ausstellung zu sehen.

Die zwei jungen Frauen wollen es mal mit Kommunismus probieren. Das geht eigentlich auch recht einfach, eine Mitarbeiterin aus der Siebdruckwerkstatt hilft. Die Schablone mit dem „communism“-Schriftzug und dem Emblem auf das weiße T-Shirt gelegt, schwarze Spezialfarbe darübergestrichen, Schablone entfernen – fertig. Kostet auch nicht viel. „T-Shirts für umme plus Spende für den Druck“, heißt es auf der Tafel am Stand.

So entspannt geht es zu beim Sommerfest im Klapperfeld. Die Initiative „Faites votre jeu!“ nutzt das ehemalige Polizeigefängnis unweit des Gerichts seit mittlerweile über zehn Jahren als Autonomes Zentrum. Rund 200 überwiegend junge Menschen nutzen wöchentlich die Angebote, die es in dem Zentrum gibt, und die sind vielfältig: Von Ballett bis Kampfsport, vom Probenraum für Musiker bis zur Holzwerkstatt. Auch handwerklich wird einiges geboten. „Ich habe letzte Woche Fliesenlegen gelernt“, sagt Sarah, die sich in der Initiative in mehreren Projekten engagiert. Um handwerkliches Geschick kommt die Initiative nicht drum herum, wie Sarah betont: „Wir machen hier alles selbst und ein Bau von 1868 fordert auch seinen Tribut.“

Selbst gemacht sind auch die vielen Speisen und die Live-Musik, die an diesem Samstag angeboten werden, doch das Sommerfest hat noch mehr zu bieten. Denn neben den beiden Dauerausstellungen zur Geschichte des ehemaligen Polizeigefängnisses, die zehn Jahre nach der Eröffnung des Zentrums noch regelmäßig von Schulklassen und Studierenden besucht werden, gibt es im ersten Stock auch die Ausstellung „Break the Isolation“ zu sehen. Gezeigt werden die Porträts von sieben Abschiebehäftlingen aus Darmstadt-Eberstadt. Kuratiert hat die kleine Wanderausstellung Thorsten Pfeiffer von der Initiative „Personen in Abschiebehaft“.

„Faites votre jeu!“ will sich von rechter Hetze nicht unterkriegen lassen

Schon die Entstehung der Porträts ist bemerkenswert. „Die Künstlerin hat schraddelige Handyaufnahmen als Grundlage genommen“, so Pfeiffer. Mit Hilfe dieser Vorlage entstanden die Bilder der Männer aus Marokko, Kongo, Eritrea oder Alzenau. Genauso unterschiedlich wie die Geburtsorte der Männer sind auch deren bewegende Geschichten, die sich Pfeiffer angehört und aufgeschrieben hat. „Sonst bleibt ja nix von denen“, sagt er. Die Ausstellung war zuvor bereits in Darmstadt zu sehen und soll nun auf eine kleine Hessen-Tour gehen. Geplant ist, die Bilderschau auch in Kassel und Wiesbaden zu zeigen, aber sicher sei das noch nicht“, sagt Pfeiffer.

Sicher ist hingegen, dass sich „Faites votre jeu!“ auch von zunehmender rechter Hetze und Anfeindungen nicht unterkriegen lassen will. „Wir bleiben“, betont Sarah. Nach der Serie von Brandanschlägen auf linke Wohnprojekte hat die Initiative die Türen im Klapperfeld allerdings erstmal brandschutzsicher gemacht. Die Ermittlungen zu möglichen Tätern kommen nicht so recht voran. „Uns erschrecken die Unklarheiten“, sagt Sarah.

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