Kinder spielen mit einer Erzieherin, die Maske trägt, im Kindergarten.
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Auch die Kitas in Frankfurt sind stark von der Corona-Pandemie betroffen. (Symbolbild)

„Überhitzung des gesamten Systems“ befürchtet

Corona-Alarm in Frankfurter Kitas: Immer mehr Kinder infiziert - Personal überbelastet

  • Sandra Busch
    vonSandra Busch
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In Kitas in Frankfurt fehlt es wegen Corona an Betreuungspersonal. Auch seien immer mehr Kinder infiziert. 

  • Die Corona-Lage in Kitas in Frankfurt spitzt sich laut einem Träger zu.
  • Immer mehr Kinder infizieren sich mit dem Coronavirus, es herrscht Personalnot.
  • Bildungsdezernentin Sylvia Weber (SPD) sieht keine Überhitzung des Systems.

Frankfurt - In den Kindertagesstätten spitzt sich die Lage durch die Corona-Pandemie zu – das berichtet der BVZ, ein Träger mit rund 6000 Betreuungsplätzen in Frankfurt. Die Zahl der positiv getesteten Erwachsenen und Kinder steige, die Beschäftigten müssten wegen krankheits- oder quarantänebedingten Ausfällen an ihre Belastungsgrenzen gehen, ein Viertel der Einrichtungen habe seine Öffnungszeiten verkürzen oder den Betrieb für mehrere Tage komplett einstellen müssen. Man sei nicht mehr in der Lage, „personelle Ausfälle einrichtungsübergreifend zu kompensieren“, schreibt der BVZ in einer Mitteilung. Die Geschäftsführung befürchtet daher „eine Überhitzung des gesamten Systems“.

Beim BVZ sind 39 der 154 Einrichtungen von der Corona-Pandemie betroffen. Insgesamt seien 32 Erwachsene und 27 Kinder positiv getestet worden. Somit seien 44 Prozent der infizierten Personen in den Kitas des BVZ Kinder. Für den BVZ widerspricht das der öffentlichen Darstellung, nach der Kinder sich nur selten mit dem Virus ansteckten. Auch seien im Gegensatz zu den Vorjahren nur 90 der Betreuungsplätze belegt. Der Träger schließt daraus, dass Eltern aus Sorge um den Gesundheitsschutz ihrer Kinder Betreuung nur zögerlich in Anspruch nehmen. Der BVZ fordert nun, Einschränkungen unter Pandemiebedingungen allgemein zu regeln, „ähnlich einheitlich, verlässlich und koordiniert, wie dies im eingeschränkten Regelbetrieb während der ,Ersten Welle‘ bereits umgesetzt wurde“. Damals hatten Kinder etwa in kleineren Gruppen eine 50-prozentige Betreuung erhalten.

Corona-Lage in Kitas in Frankfurt - Bildungsdezernentin: „Die Einrichtungen sind keine Infektionsherde“

Bildungsdezernentin Sylvia Weber (SPD) will nicht von einer Überhitzung des Systems sprechen. „Das möchte ich zurückweisen“, sagt sie. 39 Einrichtungen von 154 seien betroffen, 0,5 Prozent der Kinder. „Das liegt deutlich unter dem stadtweiten Durchschnitt an Infizierten.“ Das zeige, dass sich viel weniger Kinder ansteckten als Erwachsene. „In den betroffenen Kitas führen Infektionen zu Schwierigkeiten und Verunsicherungen, das verstehe ich“, sagt Weber. „Aber Tatsache ist: Der Kita-Bereich ist am allerwenigsten betroffen.“

Seit den Sommerferien bis zum 31. Oktober habe es bei den 54 000 Kita-Kindern in der Stadt 20 positiv getestete gegeben. Erwachsene in Kitas seien stärker betroffen gewesen. „Die Einrichtungen selbst sind aber keine Infektionsherde“, sagt Weber. „Wenn wir Infektionen feststellen, kommen sie von außerhalb.“

Frankfurt: Noch kein eingeschränkter Regelbetrieb in Kitas - Öffnungszeiten verkürzen?

Beim letzten Treffen der Träger vor zwei Wochen sei verabredet worden, nicht in den eingeschränkten Regelbetrieb zu gehen. „Das würde bedeuten, dass die Kinder die Hälfte der Zeit nach Hause geschickt werden“, sagt Weber. „Das werden wir nur tun, wenn es nicht anders geht.“ Einheitlich festgelegt worden sei, dass Kitas ihre Öffnungszeiten verkürzen können, wenn nicht genügend Personal vorhanden ist.

Beim nächsten Treffen der Träger am Donnerstag „werden wir die Lage neu bewerten und abwägen, ob der Zeitpunkt für massive Maßnahmen erreicht ist.“ Doch Weber sagt auch: „Ich sehe das nicht so, und auch das Gesundheitsamt schätzt das nicht so ein.“ Die Lage in den Kitas rechtfertige keine härteren Maßnahmen. „Und wenn eine Erzieherin in Quarantäne ist, ist sie nach ein paar Tagen oder spätestens nach zwei Wochen wieder da, und die Kita kann wieder öffnen“, sagt Weber. „Ein alternierender Regelbetrieb ist eine dauerhafte Sache über mehrere Wochen.“ Es sei besser, wenn 25 Prozent der Kitas mal Öffnungszeiten verkürzten oder ein paar Tage schließen würden, als wenn 54 000 Kinder über Wochen nur die Hälfte der Zeit in die Kita gehen könnten.

Frankfurt: Diskussion um Corona-Lage in Kitas - Aushilfskräfte gegen Personalnot

Um die Kitas personell zu unterstützen, hat das Dezernat versucht, Aushilfskräfte zu gewinnen, Theater-, Sport- und Museumspädagogen etwa. Menschen „aus Betrieben, die gerade nicht laufen“, sagt Weber. Es hätten sich auch einige gemeldet, die nun in Kitas arbeiteten. „Aber es waren leider nicht so viele wie erhofft.“ (Sandra Busch)

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