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Frankfurt: Kita-Beschäftigte streiken für mehr Personal und mehr Geld

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Von: Sandra Busch

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Die Demonstrierenden überreichen der stellvertretenden Personalamtsleiterin Nisha Biswas ihre Forderungen.
Die Demonstrierenden überreichen der stellvertretenden Personalamtsleiterin Nisha Biswas ihre Forderungen. © Monika Müller

Sie fühlen sich überfordert und ausgepowert: Beschäftigte in Kitas und Ganztagsschulen haben daher am Mittwoch ihre Arbeit niedergelegt.

Auf dem Asphalt ist zu lesen, warum an der Hauptwache demonstriert wird. Mit Kreide steht dort geschrieben: „Wir sind überfordert und ausgepowert.“ Oder: „Mehr Personal“ und „Mehr Anerkennung“. Beschäftigte aus Kitas und dem schulischen Ganztag haben sich am Mittwochmittag auf diese Weise Luft gemacht. „Personal fehlt und die Perspektiven sind schlecht“, sagt Erzieherin Andrea Blas-Tull aus Langen, die gemeinsam mit Kolleginnen an der Demonstration teilnimmt. „Und das Gehalt ist auch nicht so, dass junge Leute den Beruf ergreifen wollen.“

Die Gewerkschaft Verdi hatte bundesweit Erzieher:innen, Kinderpfleger:innen, Sozialassistent:innen und andere Berufsgruppen aus Kitas und dem Ganztag zu einem Streiktag aufgerufen. Hintergrund: Die bislang ergebnislosen Verhandlungen für die Beschäftigten im Sozial- und Erziehungsdienst. Mitte Mai soll es in die dritte Verhandlungsrunde gehen. Verdi fordert eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen, sowie Maßnahmen gegen den Fachkräftemangel und die finanzielle Anerkennung der Arbeit der Beschäftigten im Sozial- und Erziehungsdienst.

Warnstreiks in Hessen

Mehr als 3000 Mitarbeiter:innen von Kitas und Ganztagsschulen in Hessen haben am Mittwoch laut der Gewerkschaft Verdi die Arbeit niedergelegt.Betroffen waren Einrichtungen in Frankfurt, Hanau sowie in und rund um Kassel und Gießen.

Am Donnerstag sind Betreuer:innen in Einrichtungen der Behindertenhilfe in ganz Hessen zum Streiktag aufgerufen.

Hintergrund des Tarifkonflikts sind die laufenden Verhandlungen für die bundesweit rund 330 000 Kita-Erzieher:innen sowie von Angehörigen anderer sozialer Berufe im kommunalen Bereich. In Hessen sind nach Verdi-Angaben rund 40 000 Beschäftigte von der Tarifauseinandersetzung betroffen.

Die Gewerkschaften wollen neben einer besseren Bezahlung auch attraktivere Arbeitsbedingungen erreichen. dpa

„Doch die Arbeitgeber nennen die Forderungen realitätsfern“, sagt Gewerkschaftssekretärin Inga Dey bei der Kundgebung an der Hauptwache. Realitätsfern sei aber, einen Ganztag aufzubauen und einen Rechtsanspruch auf Kitaplätze einzuführen, „ohne dafür zu sorgen, dass es mehr Erzieherinnen und Erzieher gibt; ohne dafür zu sorgen, dass sie ihren Beruf lange und gesund ausführen können“. Deswegen seien nun an diesem Tag Kitas und Schulbetreuung geschlossen.

Am Morgen hatten sich die Demonstrierenden vor dem Gewerkschaftshaus im Gutleutviertel getroffen und waren als Protestzug mit dem Rad oder zu Fuß in die Innenstadt gezogen. Rund 1500 Menschen kamen laut Verdi an der Hauptwache zusammen: Erzieherinnen und Erzieher nicht nur aus Frankfurt, aus dem Main- und dem Hochtaunuskreis, aus Offenbach und dem Landkreis Offenbach, aus Südhessen. Sie riefen in Sprechchören: „Mehr braucht mehr, Aufwertung jetzt.“

Alexia ist seit bald zwei Jahren Erzieherin und empfindet die aktuelle Situation in der Kita als „sehr belastend“. Morgens wisse sie manchmal nicht, wie der Tag zu überstehen sei. „Andauernd ist Personalmangel.“ Die Anforderungen an sie als Erzieherin seien hoch. „Wir können dem unter diesen Umständen nicht gerecht werden. Das ist sehr frustrierend.“ Und Corona habe den Alltag nur erschwert.

Angelika Kappe, stellvertretende Landesbezirksleiterin von Verdi Hessen, sagt, dass der Personalschlüssel nicht auf pädagogischen oder entwicklungspsychologischen Grundlagen beruhe. „Es geht allein ums Geld“, sagt sie. „Unsere Kinder müssen uns mehr Wert sein, als die tägliche Mangelverwaltung, die wir gerade erleben.“ Die Haltung der Arbeitgeber sei unverständlich. „Obwohl das Personal wegläuft, sehen sie keine Veranlassung zur Aufwertung des Berufs.“ Wenn in der dritten Verhandlungsrunde wieder gemauert werde, dann „sind wir steigerungsfähig“ im Protest.

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