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Pastoralreferentin Gabriela von Melle und Quartiersmanager Sebastian Wolff haben viele Ideen für ihren Stadtteil. Michael Schick
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Pastoralreferentin Gabriela von Melle (l.) und Quartiersmanager Sebastian Wolff haben viele Ideen für ihren Stadtteil.

Religion

Frankfurt: Kirche und Stadtteil unter einem Dach

  • Peter Hanack
    vonPeter Hanack
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Im Frankfurter Stadtteil Riederwald gehen Katholiken und Protestanten neue Wege, um angesichts schrumpfender Mitgliederzahlen nicht in der Bedeutungslosigkeit zu verschwinden.

Es gibt Orte, da sind die Christen, ob nun katholisch oder evangelisch, bereits heute in der Minderheit. Und diese Orte werden mehr. Was also tun, um nicht in der Bedeutungslosigkeit zu versinken? Im Frankfurt Stadtteil Riederwald stemmt sich die Kirche gegen ihr Verschwinden.

„Es ist alles andere als ein Selbstläufer, dass es uns in 20 oder 30 Jahren hier noch gibt“, sagt Gabriela von Melle. Wenn sie „uns“ sagt, dann spricht sie von Protestant:innen und Katholik:innen. Denn die werden in dem etwas am Rande liegenden rund 6000 Menschen zählenden Frankfurter Stadtteil immer weniger. Knapp 2000 Menschen gehören zur katholischen Sankt-Josef-Gemeinde, bei der einst 5000 Köpfe zählenden evangelischen Philippus-Gemeinde sind es noch rund 1000. Beide Gemeinden haben keinen eigenen Pfarrer mehr, müssen sich diesen mit anderen teilen.

Noch dramatischer erscheint die Situation, wenn man nach den sonntäglichen Gottesdienstbesucher:innen fragt. „Vielleicht 30 in der katholischen Kirche, in der evangelischen Kirche waren zuletzt, vor Corona, 15 schon viel“, berichtet von Melle.

Gabriela von Melle ist Pastoralreferentin, also katholische Seelsorgerin. Seit zwei Jahren hat die heute 61-Jährige ihre Stelle im Riederwald, seit kurzem leitet sie dort ein Vorhaben beider christlichen Konfessionen, das „ökumenische Projekt Frankfurt-Ost“, wie es etwas sperrig heißt. Ihre Aufgabe: pastorale Innovation. Also Kirche so entwickeln, dass sie wirksam bleibt, in Kontakt mit Menschen, und sichtbar.

Sichtbar ja, aber …

Sichtbar sind die beiden Gotteshäuser in Riederwald schon, liegen an der Hauptachse der zu Beginn des 20. Jahrhunderts als Gartenstadt vor den Toren Frankfurts errichteten Siedlung. Die Glocken beschallen den ganzen Stadtteil. Doch da die Kirchen sich nicht mehr füllen und überhaupt die Zahl der Gemeindemitglieder, ob nun aktiv oder nicht, ständig sinkt, haben Bistum Limburg und Evangelische Kirche in Hessen und Nassau beschlossen, in die eigene Zukunft zu investieren. „Dynamische Stelle Kirchenentwicklung“ heißt die Haushaltsstelle, aus der auch die Arbeit Gabriela von Melles bezahlt wird. „Es geht hier nicht darum, auf Umwegen wieder mehr Menschen in den Gottesdienst zu schleusen“, sagt sie. Sondern gemeinsam mit Menschen aus dem Stadtteil etwas auf die Beine zu stellen. Konkret geht es darum, im Riederwald Räume für die Begegnung, für gemeinsames Kochen, Essen, Reden zu schaffen.

„Wenn es hier wirklich einen großen Bedarf gibt, dann an solchen Räumen“, berichtet Quartiersmanager Sebastian Wolff. Der 37 Jahre alte Politikwissenschaftler arbeitet seit 2017 im Auftrag der Diakonie im Stadtteil, kennt hier sehr viele der Bewohner:innen. Er versteht sich als Schnittstelle zwischen den Menschen im Riederwald und der Stadtverwaltung. Und jetzt eben als wichtigen Partner von Melles bei dem Bemühen, einen lebendigen Treffpunkt für alle zu schaffen.

Der könnte unter dem Dach der katholischen Kirche Heilig Geist entstehen. Es gibt Pläne, wonach hier auch eine evangelische Gemeinde einziehen könnte. „Dann hätten wir gemeinsam als zwei kleine (Gemeinden) auch eine Chance, etwas zu bewirken“, sagt von Melle, zumal die Räumlichkeiten für jede einzelne Gemeinde ohnehin zu groß würden.

Eingebunden werden sollen auch die zahlreichen Stadtteilinitiativen. So könnte unter dem Dach von Heilig Geist ein multikulturelles Zentrum entstehen. „Christliche Räume zwar, das wollen wir ja nicht verleugnen, aber eben ein für alle offener Stadtteiltreff“, sagt von Melle.

Dass es große Berührungsängste bei den vielen nicht-christlichen Bewohner:innen des Riederwalds geben könnte, glaubt Quartiersmanager Wolff nicht. „Es existiert hier ein hohes Maß an Zusammenhalt“, sagt er. Durch die Lage am Rand der Metropole gebe es seit jeher ein Gefühl der Zusammengehörigkeit. „Niemand interessiert sich für uns, wir müssen es selbst in die Hand nehmen“, das sei eine verbreitete Haltung im Stadtteil. Natürlich gebe es Konflikte, werde teils heftig gestritten, „aber dann vertragen sich alle auch wieder“.

Dass ein Kirchendach eine Hürde sein könnte, denkt er nicht. „Im katholischen Kindergarten sind ja schließlich auch nur noch drei katholische Kinder, und auch da kommen die Menschen gut miteinander aus“, sagt von Melle. Warum also sollte das gemeinsame Dach für alle im Stadtteil nicht funktionieren?

Für Menschen da sein

„Unser Bischof Georg Bätzing sagt, Kirche müssen die Menschen fragen, was sie brauchen und wie sie ihnen helfen kann“, sagt von Melle. Für die Menschen da sein – das sei ein wesentlicher Teil des Projekts. Und dafür müssten sich die Gemeinden für den Stadtteil öffnen. Natürlich gebe es auch innerhalb der Gemeinden Menschen, die ihren Blick auf jene beschränkten, mit denen sie Gottesdienst feierten. Doch an der Öffnung führe nichts vorbei, auch wenn da „noch ein Lernweg vor uns liegt“. Die Begegnung, die Gemeinsamkeit, das sei „ein Wert an sich“.

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