+
Die Bischöfe ziehen gen Altar.  

Messe im Kaiserdom

Kirche zelebriert pompöses Karlsamt in Frankfurt

  • schließen

In der Messe bekennt sich die katholische Kirche zu Europa. Äußerungen zum politischen Rechtsruck bleiben jedoch aus.

Wenige Tage nachdem Emanuel Macron und Angela Merkel in Aachen ein neues Abkommen über die deutsch-französische Zusammenarbeit und Integration als Neuauflage des 1963 unterzeichneten Élysée-Vertrags abgeschlossen haben, bekräftigt auch die römisch-katholische Kirche die Zusammenarbeit zwischen beiden Staaten und ein Bekenntnis zu einem „geeinten Europa“ beim diesjährigen Karlsamt im Kaiserdom. Während einige der Gottesdienstbesucher den christlichen und traditionellen Charakter der Messe loben, fehlt anderen eine klare Stellungnahme gegen „einen antieuropäischen Feldzug und die rechte Seite oder gegen jene, die den europäischen Gedanken anzweifeln“.

Auch in diesem Jahr ist mit Pascal Roland aus dem Bistum Belley-Ars ein Bischof aus einem benachbarten europäischen Staat eingeladen, um den Gottesdienst zu leiten. Das ist Tradition bei der Stadtpatron Karl dem Großen gewidmeten Messe. Der König des frühmittelalterlichen Frankenreichs strebte machtpolitisch ein unter der Monarchie und dem Christentum geeintes Europa an, weshalb er in der Geschichtswissenschaft auch als „Vater Europas“ bezeichnet wird. Merkel und Macron haben den neuen Vertrag in Aachen unterzeichnet, da es im Mittelalter als Hauptresidenz des Monarchen fungierte.

 Keine Wort zu politischem Rechtsruck 

Die Liturgie des Gottesdienstes ist pompös. Auf dem Steinaltar steht ein gläsernes, rotes Kästchen, gut einsehbar vom Haupt- und den beiden Querschiffen des Kaiserdoms. Eine Entourage aus Bischöfen und Weihbischöfen eröffnet in Brokat gehüllt, um das rote Kästchen herum schreitend und unter den Weihrauchdämpfen die Messe. Begleitet wird dies von lateinischen Gesängen. An den hoch zur Decke strebenden Säulen sind Kerzen angebracht und ihr Licht verliert sich unter der Decke des Hauptschiffes.

Bischof Roland bleibt bei seiner Predigt nah an der christlichen Lehre der Bibel und benennt eine Pflicht, „das christliche Erbe Europas zu stärken“. Konkrete Bezüge zur europäischen Außenpolitik und einem gesellschaftlichen und politischen Rechtsruck des „christlichen Europas“ macht Roland in seiner Predigt nicht. Er verliert kein Wort über Antisemitismus und Rassismus, das Sterben von Menschen im Mittelmeer und eine Weigerung der europäischen Mittelmeerhäfen, Seenotrettungsboote die Kais anlaufen zu lassen. Wer diese Bezüge sucht, muss schon genau zwischen den Zeilen der aus dem ersten Korintherbrief oder dem Buch Jeremia zitierten Passagen lesen. Das christliche Gesetz, heißt es in Letzterem, schütze und gelte für „Männer und Frauen und alle, die es verstehen können“. Auch jenen, die selbst nichts hätten, müsse etwas gegeben werden. Schließlich, so steht es im Korintherbrief, sei der Leib Christi die Einheit aller seiner Glieder.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare