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Emine Tekkiliç und Maria Edwards kümmern sich um die Tagesmütter und -väter. Monika Müller
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Emine Tekkiliç und Maria Edwards kümmern sich um die Tagesmütter und -väter. Monika Müller

Coronapandemie

Frankfurt: Kindertagespflege blickt bang aufs Infektionsgeschehen

  • Steven Micksch
    VonSteven Micksch
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Frankfurter Fachdienst berichtet über die Strapazen bei der Kindertagespflege in der Pandemie. „Tagesmütter haben jetzt Belastungsstörungen“.

Wer an die Betreuung von Kindern unter drei Jahren denkt, dem fallen oftmals zuerst die Kindertageseinrichtungen ein, die die Betreuung der Kleinen übernehmen. Doch auch die Kindertagespflege betreut einen nicht unerheblichen Teil von Kindern in Frankfurt und anderen Städten. Jede Betreuungsperson darf auf bis zu fünf Kinder aufpassen. Laut Stadtschulamt gibt es in der Mainmetropole etwa 450 Tagesmütter und -väter, die rund 1200 Kinder betreuen. Die Pandemie hat auch den Tagesfamilien viel abgefordert und stellte für viele eine große Herausforderung dar.

Wie belastend die Zeit war, weiß Maria Edwards vom Fachdienst Kindertagespflege beim Verein Internationales Familienzentrum (IFZ). „Einige Tagesmütter haben gesagt, dass sie aufhören wollen“, berichtet Edwards. Andere haben sich dazu entschieden, die Betreuung nicht mehr in den eigenen vier Wänden durchzuführen. Bei oftmals horrenden Mietpreisen in der Stadt fließt der Großteil der Vergütung in die Miete. Eine Alternative habe es nicht gegeben.

Beim IFZ gibt es 43 Tagesfamilien in den Stadtteilen Bergen-Enkheim, Seckbach, Riederwald, Fechenheim und Ostend. Im Durchschnitt betreut jede Tagesmutter und jeder Tagesvater drei Kinder. Die Belegungsquote ist hoch, weil der Bedarf in Frankfurt da ist. Der Fachdienst sucht entsprechend händeringend nach Menschen, die Tagesmutter oder -vater werden wollen.

Zu 90 Prozent sei die Tagespflege beim IFZ aufrechterhalten worden. Erschwert wurde der Alltag durch Partner:innen und schulpflichtige Kinder, die wegen der Pandemie nun auch zu Hause waren. Wer Menschen mit chronischen Krankheiten oder jene, die zur Risikogruppe gehörten, zu Hause gehabt habe, habe zusätzliche Ängste und Unsicherheiten verspürt. Dabei hätten auch die betreuten Kinder mitgelitten.

Täglich mussten die Spielzeuge, mit denen die Kinder gespielt hatten, desinfiziert werden. Es galt, viele Formular auszufüllen. Die Eltern durften nicht mehr in die Räume und das Tragen einer Maske für die Tagesmütter und -väter war obligatorisch – ähnlich wie in den Kindertageseinrichtungen.

Die Tagesfamilien zu schließen, wie es bei manchen Kitas der Fall gewesen sei, sei keine Option gewesen. Tagesmütter und -väter gelten als selbstständig. Bei einer Schließung hätten sie kein Geld bekommen.

Der Großteil habe aber auch weitermachen wollen, weil viele Eltern in systemrelevanten Berufen ihre Kinder zu den Tagesfamilien brächten. „Die Kindertagespflege hat auch maßgeblich mit geholfen, alles am Laufen zu halten“, sagt Emine Tekkiliç, die beim Fachdienst Kindertagespflege des IFZ für das Ostend verantwortlich ist. Der Druck sei entsprechend groß gewesen. „Unsere Familien haben tolle Arbeit unter widrigen Bedingungen geleistet“, sagt Tekkiliç und hofft, dass diese Arbeit auch anerkannt werde.

Mittlerweile gibt es zunehmend Lockerungen, doch der Alltag in den Tagesfamilien sei nicht schlagartig besser geworden. „Einige unserer Mütter haben jetzt Belastungsstörungen“, sagt Edwards. Die Situation sei trotz bereits erfolgter Impfungen weiterhin belastend. „Ja, es ist entspannter, nun wo man auch wieder Möglichkeiten hat rauszugehen“, berichtet Edwards. „Aber alle Tagesmütter und Tagesväter sind in einer Habachtstellung. Was passiert als Nächstes und droht im Herbst oder Winter eine neue Welle? Diese Fragen stellen sie sich gerade.“

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