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Die Prostitution hat sich durch die Schließung der Laufhäuser in die Hotels im Bahnhofsviertel verlagert.

Illegale Prostitution

Kinder und Prostituierte im selben Hotel

  • vonBrüggemann
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Der Betreiber des Hotel Columbus in Nähe des Frankfurter Hauptbahnhofs duldete Prostitution. Ein Bericht der Stadtpolizei wird nun zeigen, ob eine Kindeswohlgefährdung vorliegt.

Die Stadtpolizei hat bei einer Razzia wegen illegaler Prostitution im Bahnhofsviertel letzte Woche im Hotel Columbus festgestellt, dass dort eine wohnungslose Familie mit zwei Kindern untergebracht ist.

Ob die Familie mit der dort stattfindenden Prostitution in Berührung gekommen ist, kann die Stadt bisher nicht bestätigen. „Wir warten noch auf den Bericht der Stadtpolizei, ob eine Kindeswohlgefährdung vorliegt“, sagt Robert Standhaft, Sprecher von Sozialdezernentin Daniela Birkenfeld (CDU).

Derzeit leben in Frankfurt nach Angaben des Sozialdezernats 7660 Menschen in Notunterkünften, Hotels oder Wohnheimen. 1670 Personen sind in 46 Hotels untergebracht, davon sind sechs Hotels im Bahnhofsviertel.

Seit der coronabedingten Schließung der Bordelle hat sich die Prostitution von den Laufhäusern auf die Straße und in Hotels verlagert wie die FR vor einigen Wochen berichtete.

Welche Auswirkungen solch ein Umfeld für Kinder haben kann, hängt von mehreren Faktoren ab, sagt Stefan Schäfer, Geschäftsführer vom Kinderschutzbund Frankfurt. „Das Alter der Kinder spielt eine große Rolle und wie sie entsprechend des Alters diese Umgebung wahrnehmen. Entscheidend ist auch, ob die Eltern ihren Kindern einen Schutzraum bieten und wie sie mit ihren Kindern über diese Situation reden.“

Unabhängig davon sei ein Umfeld mit Drogenhandel und Prostitution nicht das „Nonplusultra für Kinder“.

Dass die Situation der Familie nicht optimal ist, findet auch das Sozialdezernat. Dennoch sei das Umfeld rund um das Columbus nicht mit jenem vergleichbar, dass direkt im Bahnhofsviertel vorzufinden sei, sagt Standhaft. Außerdem sei das Hotel Columbus ein „ganz normales Hotel“. Doch in diesem Hotel duldete der Betreiber wissentlich Prostitution.

Neue Unterkunft gesucht

Die Stadt sei nun mal aufgrund der schwierigen Lage des Wohnungsmarkt bei der Versorgung wohnungsloser Menschen auch auf die Nutzung von Hotels angewiesen, sagt Standhaft. „Wir würden diesen Zustand lieber heute als morgen beenden, leider fehlen dazu die nötigen Flächen und Liegenschaften, um alternativ Wohnheime zu errichten.“ Es werde trotzdem alles unternommen, um Unterbringungen in Hotels so kurz wie möglich zu halten. Vielleicht könnte die Familie schon recht bald in eine neue Unterkunft kommen, sollte sich herausstellen, dass das Kindeswohl gefährdet sei. Wenn es sich um eine akute Kindeswohlgefährdung handele, werde das Jugendamt eingeschaltet, sagt Schäfer vom Kinderschutzbund. Doch ob überhaupt eine Kindeswohlgefährdung vorliegt, wird letztendlich der Bericht der Stadtpolizei zeigen.

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