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Das Rebstockbad mit seiner langen Rutsche und der Schleuse nach draußen ist bei Kindern sehr beliebt. Rolf Oeser

Freier Eintritt

Kinder schwimmen in Frankfurt kostenlos

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Nach einem Beschluss des Stadtparlaments haben Kinder in Schwimmbädern von heute an freien Eintritt. Doch nicht alle Politiker sind glücklich darüber.

Der Beschluss war nur noch Formsache, doch die Debatte im Römer verlief durchaus kontrovers und nahm zeitweise pathetische Züge an. Das Stadtparlament hat am Donnerstagabend den freien Eintritt für Kinder und Jugendliche bis 14 Jahren in Schwimmbäder beschlossen. Die Regelung gilt bereits vom heutigen Freitag an.

Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) nutzte den Tagungsordnungspunkt für eine Grundsatzrede zum sozialen Klima in der Stadt. „Frankfurt wird heute kinderfreundlicher und weniger kalt, Frankfurt wird ein menschlicherer Ort.“ Die Entscheidung für freien Eintritt dürfe man nicht alleine betrachten. Sie reihe sich ein in mehrere Beschlüsse, mit denen sich Frankfurt den Familien, auch denen aus einfacheren Verhältnissen, öffne. So habe die Stadtregierung im Sommer den kostenlosen Kindergartenbesuch durchgesetzt. Auch für Horte und Krippen sollten Eltern künftig nichts mehr bezahlen müssen, forderte der Oberbürgermeister. Zudem verwies Feldmann auf das geplante Kulturticket, das den meisten Kindern und Jugendlichen freien Eintritt in Museen und den Zoo garantieren wird. Die Beschlüsse zeigten: „Eine reiche Stadt muss nicht automatisch teuer sein.“

Scharfe Kritik übte Feldmann an FDP und AfD. Die FDP stimmte gegen den freien Eintritt in die Bäder, die AfD gab kein Votum ab. Die beiden Fraktionen gingen für Feldmann eine Allianz ein – ihnen gehe es um Ausgrenzung.

Sportdezernent Markus Frank (CDU) sagte, sein Ziel sei eine Quote von 50 Prozent Kindern und Jugendlichen unter den Besuchern der Bäder. Die nun getroffene Entscheidung dürfe man nicht unter betriebswirtschaftlichen Aspekten sehen. Die Stadt Frankfurt brauche familienfreundliche Schwimmbäder. Wichtig sei, dass mehr Kinder schwimmen lernten. Franks Parteifreundin Sybill Meister zitierte eine Studie, wonach knapp 60 Prozent der Zehnjährigen nicht sicher schwimmen könnten.

Frankfurt: FDP befürchtet Schulden

Unklar blieb, wie hoch das Defizit der städtischen Bäderbetriebe durch den freien Eintritt ausfallen wird. Die Auswirkungen seien derzeit „nicht zu beziffern“, sagte Meister. Möglich ist, dass durch die Regelung mehr Familien ins Schwimmbad gehen, wobei die Eltern dann zahlen müssten. Zugleich müssten die Bäderbetriebe voraussichtlich mehr Personal einstellen, so Meister. Taylan Burcu (Grüne) beteiligte sich nicht an Rechenspielen und Spekulationen, sondern sagte schlicht: „Die Kosten-Nutzen-Bilanz wird sehr positiv ausfallen.“

Es sei nicht akzeptabel, wenn im Sommer Kinder aus ärmeren Familien nicht mit ihren Freunden ins Freibad gehen könnten, sagte Ursula Busch (SPD). Der freie Eintritt garantiere „soziale Teilhabe“. Anschließend ging Busch FDP und AfD an und beklagte „Herumnörgelei an allen guten Projekten“.

„Das FDP-Bashing finde ich nicht in Ordnung“, erwiderte Michael Bross (FDP). Seine Fraktion werbe nur für Vernunft. Alleine durch den freien Eintritt lernten die Kinder nicht schwimmen. Nötig seien Lehrer oder engagierte Eltern. Die Kosten für die Entscheidung müssten in einigen Jahren doch wieder die heutigen Kinder und Jugendlichen übernehmen – wenn sie die Schulden der Stadt abbauen müssten. Die Linke stimmte dem Antrag zu. Fraktionsmitglied Ayse Dalhoff forderte, auch die Eintrittspreise für Erwachsene zu senken: „Die wurden aber immer wieder erhöht.“ 

Transparenzhinweis: In einer ersten Version hatten wir fälschlicherweise  berichtet, die AfD habe gegen den Antrag gestimmt.

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