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Frankfurt: „Kinder brauchen attraktive Räume“

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Von: Steven Micksch

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Susanne Feuerbach , Leiterin des Frankfurter Kinderbüros.
Susanne Feuerbach , Leiterin des Frankfurter Kinderbüros. © Monika Müller

Susanne Feuerbach, Leiterin des Kinderbüros, spricht im FR-Interview über die Vorzüge, die Frankfurt Kindern bietet, aber auch über Nachholbedarf, etwa im öffentlichen Raum.

Frau Feuerbach, ist Frankfurt eine gute Stadt, um als Kind aufzuwachsen?

Auf jeden Fall. Frankfurt bietet Kindern ganz viele Erlebnis-, Entwicklungs- und Lernmöglichkeiten. Ihre Eltern können auf ein weites Netz an Bildungs-, Betreuungs- und Beratungsangeboten zugreifen. Der Grüngürtel, die Museen, besonders das Junge Museum, die vielen Sport- und Musikangebote, die offenen Kinder- und Jugendhäuser, der Mädchentag, die Angebote der Jugendverbände z.B. der Freiwilligen Feuerwehr, die Kinder- und Jugendbibliothek, die Frankfurter Flöhe oder die Leseeule, die ja nun wieder im Römer ist – ich kann gar nicht alles aufzählen. Und in Frankfurt wird sehr viel für die Kinderrechte getan, zum Beispiel die Kinderrechtskampagne Stadt der Kinder.

Spielen auf der Straße, wie es früher möglich war, ist viel zu gefährlich.

Susanne Feuerbach

Wo hat Frankfurt noch Nachholbedarf, um attraktiver für Kinder zu werden?

Bei der Gestaltung des öffentlichen Raums ist noch viel zu tun. Diese Gestaltung richtet sich zu häufig noch nach den Erfordernissen des ruhenden und fahrenden Autoverkehrs. Spielen auf der Straße, wie es früher möglich war, ist viel zu gefährlich. Kinder brauchen sichere, attraktive, anregende öffentliche Räume, sowohl im Straßenraum als auch in den Grünflächen. Kinder brauchen mehr Naturerfahrung in ihrem Alltag, zum Beispiel mit Wasser, Matsch, Erde, Bäumen. Und: Kinder brauchen mehr Möglichkeiten, sich zu beteiligen: sei es in der Kita, in der Schule, oder bei kommunalen Entscheidungen. Kinder brauchen Kinder: Es wäre gut, wenn wir Programme hätten, in denen sich Kinder aus unterschiedlichen Stadtteilen kennenlernen, begegnen und anfreunden könnten.

Was unterscheidet heutige Frankfurter Kinder von Kindern beispielsweise Ihrer Generation?

Da fällt mir als erstes das Stichwort Digitalisierung ein. Das hat sich komplett verändert. Das zweite ist ‚unbeaufsichtigtes‘ Leben. Viele Kinder hatten früher mehr unverplante, freie Zeit. Persönlich betrauere ich den Verlust einiger Süßigkeiten. Doch früher waren die Kinderrechte nicht verankert. Es gab noch nicht das Recht auf gewaltfreie Erziehung. Es gab keine Kinderbeauftragte. Kinder hatten noch weniger Einflussmöglichkeiten als heute. Die Berücksichtigung von Diversität spielt heute eine viel größere Rolle. Wir wissen mehr über Kindergesundheit. Seit 2018 sind die Kinderrechte in unserer Hessischen Verfassung verankert: Wir nehmen sie als Träger:innen eigener Rechte wahr.

Interview: Steven Micksch

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