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Der syrische Student und Filmemacher Khaled Homsi hat einen Kurzfilm über die Themen Flucht, Zusammenleben und Integration gedreht.

Frankfurt-West

Von Flucht und Träumen:  Khaled Homsi realisiert seinen ersten Film

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Khaled Homsi kam als Flüchtling aus Syrien nach Deutschland. In Frankfurt fing er Theater-, Film- und Medienwissenschaften an zu studieren - und erfüllte sich einen lang gehegten Traum. 

Die Fakten: Khaled Homsi ist 25 Jahre alt, geboren in Syrien, seit 2011 in Deutschland, seit 2015 in Frankfurt und dort Student. Doch nur mit diesen Daten ist es nicht getan. Homsis Geschichte erzählt von Flucht, von Leidenschaften, von der Erfüllung eines Traums – und sie findet Einzug in einen Kurzfilm, den er selbst produziert hat und diese Woche erstmals in Frankfurt zeigt.

Seine Geschichte beginnt in Damaskus. Dort verbrachte er seine Kindheit, mit einem Bruder und drei Schwestern. Schon früh hatte er zwei Leidenschaften: Filme und Jura. Er entschied sich für den, wie er sagt, sicheren Weg – und begann ein Studium der Rechtswissenschaften. „Ich wollte Anwalt werden“, sagt er.

Doch dann brach 2011 der Krieg im Land aus, Homsis Eltern und sein Bruder gingen nach Bad Hersfeld, wo sein Vater eine Anstellung als Frauenarzt fand, Khaled Homsi ging mit, ausgestattet mit einem Visum. Die drei Schwestern blieben in Syrien.

Bildungstätte Anne Frank fördert Film

Von Bad Hersfeld ging es nach Gießen, von dort ins ostwestfälische Gütersloh, immer einer neuen Stelle des Vaters hinterher. Khaled nutzte die Zeit, um Deutsch zu lernen. Und um sich zu überlegen, was er will. Wieder kamen seine Leidenschaften ins Spiel. Und diesmal setzte sich die andere durch: 2015 begann er ein Studium der Theater-, Film- und Medienwissenschaften in Frankfurt. Seitdem wohnt er im Westend.

Schnell lernte er Rami Emad Al-Kassab kennen, auch Syrer, der die gleiche Leidenschaft für Filme hegt. Gemeinsam machten sie sich Gedanken über einen Film, den sie drehen wollten, Al-Kassab als Regisseur, Homsi als Produzent. Das Drehbuch stand irgendwann, „aber so einen Film kann man nicht einfach mal so drehen“, erklärt der 25-Jährige. Denn so ein Film kostet Geld. „Also haben wir auf die Möglichkeit gewartet, finanzielle Unterstützung zu bekommen.“

Die ergab sich durch Jannis Plastargias, einem bestens vernetzten Kulturaktivisten, den Khaled Homsi irgendwann kennengelernt hatte. Plastargias vermittelte den Kontakt zur Bildungstätte Anne Frank und deren Projekt „Partnerschaft für Demokratie“. Homsi und Al-Kassab bewarben sich, im Januar 2018 kam die Bewilligung von Fördergeldern, im April begannen die Dreharbeiten. Als Filmproduktionsfirma „Unconscious“.

Damit war Homsi am Ziel seiner Träume angelangt, konnte endlich seinen ersten Film drehen. „Das habe ich schon als Kind gewollt.“ Für ihn der Beweis, „dass jeder seine Bedürfnisse erfüllen kann, wenn man nur entschlossen genug daran glaubt und arbeitet“. Egal, was und wie viel Menschen – zum Beispiel auf einer Flucht – erlebt und erlitten hätten, „eine solche Geschichte ist immer möglich“, ist er sich sicher.

Diese Botschaft möchte er mit seinem Film vermitteln. Um „einen Beitrag zu leisten zur Diskussion rund um die Themen Flucht, Integration und Zusammenleben“, wie er es nennt.

Fluchterfahrungen im Film miteinander verwoben

So haben die beiden Filmemacher in zahlreichen Gesprächen Fluchterfahrungen gesammelt und im Film miteinander verwoben. Im Mittelpunkt steht das Paar Sham und Sami aus Syrien. Sie fliehen, werden in Bulgarien durch die Festnahme Samis getrennt, Sham schlägt sich trotz Gedächtnisverlust nach Deutschland durch, wo sie ihrer großen Leidenschaft nachgeht: der Theaterschauspielerei. Sie spielt in einem Stück mit, das ihre eigene Geschichte widerspiegelt. Währenddessen macht sich Sami auf die Suche nach seiner Frau.

Der Film wurde bereits in Berlin und Köln gezeigt, auch Homsis Familie hat ihn schon gesehen. „Die unterstützen mich bei allem, was ich tue.“ Homsi hat schon weitere Ideen im Kopf. Zum einen möchte er in ein oder zwei Semestern sein Bachelor-Studium beenden, später noch den Master dranhängen. Zum anderen will er weitere Filme drehen. Im Juli einen zweiten Kurzfilm, kommendes Jahr sollen eine Doku und erneut ein Kurzfilm folgen. Khaled Homsis Tatendrang ist kaum zu stoppen. So ist das eben, wenn man seiner Leidenschaft folgt.

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